Korallenprojekt in höchster Gefahr

Es kam jetzt nicht besonders überraschend, doch die Nachricht erschreckt und betrübt. El Niño hat nun auch wieder die Malediven erreicht. Dass Naturphänomen hatte schon vor einigen Jahren unter den Korallen für große Verheerung gesorgt. Eine Folge davon waren diverse Korallenansiedlungsprojekte, mit denen versucht werden sollte, die geschädigten Riffe buchstäblich wieder aufzuforsten. Doch El Niño macht leider nicht vor künstlichen Formationen halt. Vor Innafushi ist eines der Projekte derzeit in höchster Gefahr.

30 Grad in 30 Metern Tiefe

Peter Steinberg, der die Facebook-Gruppe „Maledivenforum“ betreut, zeigte sich ganz besonders erschüttert. Rund 70 Mitglieder der Gruppe hatten sich an insgesamt 12 Korallenrahmen beteiligt, auf denen Hartkorallen der Gattung Acropora angesiedelt wurden. Diese Korallen sind nun Opfer des gefürchteten El Niño-Effektes geworden, der sich auf den Malediven auch durch besonders hohe Wassertemperaturen auswirkt. Im Maledivenforum berichten Taucher von 30 Grad Wassertemperatur in 30 Metern Tiefe.

Schnelles Wachstum bietet Chance

Thomas Le Berre von der Firma Seamarc, der das Projekt betreut, will im August nach Innafushi fliegen, um zu sehen, ob dort noch etwas zu retten ist. Ganz schlecht stehen die Chancen nicht, aber es hängt auch viel davon ab, wann das Wasser wieder ein wenig abkühlt. Diese Korallengattung, zu der zum Beispiel auch Geweihkorallen gehören, wachsen sehr schnell, kommen sehr häufig vor und sind auch vergleichsweise leicht abzusiedeln. Zu den positiven Nachrichten gehört zudem, dass das Korallenprojekt auf Baros, an dem das Maledivenforum ebenfalls beteiligt ist, offenbar noch nicht von El Niño betroffen ist.

Korallenprojekt auf Baros

Korallenprojekt auf Baros

Stimmung wendet sich zum „Jetzt erst recht“

Er sei ziemlich geknickt, meint Peter Steinberg und schildert die Stimmung im Forum: „Jedenfalls sind natürlich viele sehr traurig. Tolle Aktion und dann jetzt alle Korallen tot.“ Allerdings scheint das Klima der Frustration schon wieder zu kippen. So haben sich bereits die ersten Mitglieder gemeldet, die das Projekt keinesfalls aufgeben und auf jeden Fall weiter machen wollen. Vielleicht, so schreibt ein Nutzer, würde das sogar dazu führen, dass sich noch mehr Unterstützer finden würden.

Foto: oben Maledivenforum, unten M.Kirschner   Text: psk