Tauchsafari als Egotrip

Standpunkt: Die Kehrseite von mehr Sicherheit und Komfort

Die Safari ging zu einem der exotischsten und aufregendsten Tauchreviere der Welt. Die Gruppe schien auch sehr ausgeglichen zusammengesetzt. Von den gefürchteten Stinkstiefeln oder Partypupsern, die die Atmosphäre auf solch einer Tauchtour extrem gefährden könnten, gab es weit und breit keine Spur. Trotzdem war der Organisator der Reise danach ernüchtert. „Ich hab mir überlegt, ob ich so etwas überhaupt noch mal machen soll,“ bekannte er nach dem Trip in die tropische Inselwelt.

Niemad hilft keinem

Sein Frust hatte einen Grund. Die Teilnehmer, die jeder für sich durchaus sympathisch waren, erwiesen sich gruppendynamisch eher als eine Horde von Egoisten. Jeder versuchte der Erste am Buffet zu sein, sich die besten Plätze auf dem Zodiac zu sichern oder vor den anderen an der Leiter zu kommen. Dagegen fielen kleine Hilfestellungen, wie das Weiterreichen von einer liegen gelassenen Flosse oder eines Stückchen Blei, weitgehend aus.

Nur Folklore oder echter Verlust?

Wenige Zeit später führte dieses Verhalten eines Abends in einer gemütlichen Taucherrunde zu einer lebhaften Diskussion. Während die älteren Tauchsemester diese Enttäuschung durchaus nachvollziehen konnten, erschien das den jüngeren als der Ausdruck purer Nostalgie.
Tatsächlich scheint solch ein Safarierlebnis durchaus Ausdruck einer Veränderung im Taucherleben zu sein. So ist Sporttauchen in vielen Regionen der Welt zu einem Angebot geworden, das nur die lange Liste der Animationsangebote verlängert. Entsprechend ist auch die Erwartungshaltung der Gäste. War es bis vor ein paar Jahren noch in machen Urlaubsländern selbstverständlich, dass Gäste beim Abladen des Tagesbootes eine Kette bildeten, um die Pressluftflaschen vom Boot zu schaffen, ist es heute üblich, dass sogar das eigene Gerödel von fremden Händen von Bord geschafft wird.

Mehr Sicherheit – weniger Buddy

Auch das Tauchen mit Nitrox hat, so merkwürdig es klingen mag, zu einer Verhaltensänderung in der Taucherei beigetragen. Neben all den unbestreitbaren Vorteilen, die das Atemgemisch mit sich bringt, freuen sich die Tauchbasen, dass die unberechenbaren Tiefenjäger inzwischen sehr selten geworden sind. Zweifellos hat Nitrox das Tauchen schon aus diesem Grund sicherer gemacht. Andererseits geht durch den Zugewinn an Sicherheit auch langsam das Gefühl dafür verloren, dass jeder Taucher während des Tauchganges sein Leben in die Hand eines anderen, in die des Buddys gibt.
Es ist ja keine Frage, dass es grundsätzlich eine positive Entwicklung ist, wenn das Tauchen nicht nur sicherer, sondern auch bequemer geworden ist. Es ist allerdings bedenklich, wenn dadurch auf kurz oder lang das Gefühl für den Mittaucher und das Gefühl des „Aufeinander-angewiesen-Seins“ auf der Strecke bleibt. Jedes Organisation bietet Dutzende von Specialties an. Vielleicht wäre auf dem Gebiet des Miteinanders noch ein wichtiges Feld zu beackern.

Peter S. Kaspar

Text und Foto: psk

 

1 Kommentar

  • Christine Rupps sagt:

    Dieser Bericht hat mir aus der Seele gesprochen.
    Wenn man unter Wasser sieht wie manche Buddyteams tauchen dann wird es einem schlecht.
    Viele tauchen nicht mehr „miteinander“ und achten gegenseitig nicht aufeinander.
    Dieser Trend ist sehr gefährlich.