Haie im Lhaviyani Atoll

Foto: Ray van Eeden

Das Lhaviyani-Atoll auf den Malediven ist eindeutig ein Ort für Hai-Action.

Die Malediven erstrecken sich über mehr als tausend Kilometer, besteht aus 1190 weißen, von Korallenriffen umgeben Sandinseln und sind als erstklassiges Ziel für unzählige Begegnungen mit Meerestieren, einschließlich Haien, bekannt. Leider haben Haie den Ruf, kaltblütige Killer zu sein, dabei sind sie außergewöhnliche faszinierende Tiere, die seit Millionen von Jahren in den Weltmeeren leben. Ihre Anwesenheit ist äußerst wichtig für die Erhaltung eines gesunden Meeresökosystems. Haie regulieren den Bestand an anderen Fischen, und halten so das Gleichgewicht in den Riffen aufrecht. Doch jedes Jahr werden schätzungsweise 100 Millionen Haie getötet. Hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Handel ihrer Flossen, dem direkten Verzehr oder als „Fish& Chips“, Kosmetika oder als Beifang beim Fang anderer Fischarten.

Das Lhaviyani-Atoll ist ein Hotspot der Großfischfauna im Nordosten der Malediven und für Taucher sind besonders Haie beliebte und faszinierende Begegnungen. Um mehr über die hiesige Population zu erfahren, wurden ab Januar 2017 Daten von ProDivers-Guides im Hurawalhi Island Resort gesammelt. Jeder Guide notierte die ungefähre Anzahl der Haiarten, die er während seines Tauchgangs sah. In den Jahren 2017 und 2018 wurden die Daten für das gesamte Jahr erhoben, dann von Januar bis Mai 2019 und erneut ab Januar 2021. Im Jahr 2020 wurden aufgrund der weltweiten Pandemie keine Daten erhoben.

Mehr als 50 bekannte Tauchplätze umgeben das Hurawalhi Island Resort und werden das ganze Jahr über regelmäßig von Tauchern aus allen Teilen des Atolls besucht. Die reiche Unterwasserwelt kann schon direkt vom Strand aus oder an nahegelegenen Orten beobachtet werden, die bis zu 40 Minuten mit dem Boot entfernt sind.

Die Tauchplätze lassen sich in 4 Kategorien einteilen: Außenriff, Kanäle, Innenriffe und Thila/Giri. Die äußeren Riffe befinden sich im äußeren Teil der Atoll-Inseln, wo die Tiefe mehrere hundert Meter erreicht. Im Gegensatz dazu haben Innen-Riffe des Atolls eine maximale Tiefe von 40-50 m und sind vor starken Strömungen geschützt. In den Kanälen, die die Inseln trennen, herrschen während des Gezeitenwechsels extrem starke Strömungen. Schließlich befinden sich im Inneren des Atolls die Thila und Giri. Im Gegensatz zu den Inseln sind ihre höchsten Teile mehr oder weniger tief, erreichen aber nie die Oberfläche.

Hai-Arten
Tauchgänge, bei denen mindestens ein Hai gesichtet wurde, machen 62 % (n=1532) aller Tauchgänge aus. Im Durchschnitt wurden 10 Haie pro Tauchgang gesehen, wobei der Graue Riffhai die am häufigsten anzutreffende Art war (68 % der Fälle). Es folgen Schwarzspitzen-Riffhaie (13%), Ammenhaie (7%), Silberspitzenhaie (5%) und Weißspitzenhaie (4%). Darüber hinaus wurden Zitronenhaie mehrmals im Jahr (maximal 8 Mal) sowie Walhaie, Tigerhaie und Zebrahaie (manchmal auch Leopardenhaie genannt) gesehen, aber im Durchschnitt nur einmal im Jahr.

Saisonalität
Auf der Grundlage der Daten aus den Jahren 2017 und 2018 sowie der Berichten von Tauch-Guides ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Tauchgang auf einen Hai zu treffen, das ganze Jahr über ähnlich.

Merkmale der Tauchplätze
Kanaltauchgänge können aufgrund der starken Strömung schwierig sein. Daher werden diese Tauchplätze nur von erfahrenen Tauchern besucht. Die Thila’s / Giri’s und die inneren Riffe haben günstigere Bedingungen für Anfänger und haben oft prächtige Korallengärten.

Zusammenhang zwischen Tauchplatzmerkmalen und Haivorkommen
Tauchprofis sind sich einig, dass es an Tauchplätzen mit Strömung häufig zu Haibegegnungen kommt. Der Vorteil, den die Strömung den Haien bietet, besteht darin, dass sie an einem Ort bleiben können, während ihre Kiemen effektiv mit Sauerstoff versorgt werden. Außerdem freßen viele Beutefische Plankton, das in der Strömung treibt. Es ist jedoch zu beachten, dass eine starke Strömung für Taucher nicht unbedingt auch eine starke Strömung für Meerestiere ist. Die Daten zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, auf Haie zu treffen, in den Kanälen und an den Außenriffen viel höher ist als an den ruhigeren Innenriffen oder am Thila/Giri. Tatsächlich werden bei 88 % der Kanaltauchgänge Haie gesichtet, gefolgt von 63 % am Außenriff und nur 53 % an den Innenriffen und 17 % am Thila/Giri.

Ergebnisse
Seit Beginn der Datenerhebung wurden insgesamt 2461 Tauchgänge registriert.  Alle Tauchgänge wurden vom Boot aus durchgeführt und beinhalten daher keine Tauchgänge am Riff neben dem Hotel. Es wurden zehn Haiarten nachgewiesen, und eine Gitarrenfischart, die oft fälschlicherweise für einen Hai gehalten wird (es handelt sich um Rochen). Andere große Meerestiere wie Meeresschildkröten, Mantarochen und andere Rochenarten sowie große Rifffische sind bei diesen Tauchgängen häufig anzutreffen, wurden aber in diesem Artikel nicht berücksichtigt.

Lhaviyani ist eindeutig ein Ort für Hai-Action. Die Tauchguides schätzen, dass sie bei mehreren Gelegenheiten über 200 Haie pro Tauchgang gesehen haben, hauptsächlich Graue Riffhaie. Bei Grauen Riffhaien kann es schwierig sein, ihre genaue Anzahl zu bestimmen, da sie oft in großen Gruppen anzutreffen sind. In 189 Fällen wurden mehr als 50 Graue Riffhaie bei einem Tauchgang beobachtet. In 70 dieser Fälle wurden mehr als 100 Tiere gleichzeitig gezählt, und alle kamen bei Tauchgängen in den Kanälen oder an den Außenriffen vor.

Weitere Informationen: www.prodivers.comwww.mantatrust.org

 

Text: Aline Hess, Foto: Ray van Eeden