Walfang zu unterstützen, ist die eine Sache, gegen Walfang zu sein die andere. Aber Walfanggegner mit Gefängnis zu drohen, wenn sie Walfang nicht unterstützen, das ist schon eine ziemlich absurde Idee. Doch genau darüber berichtet die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. Auf ihrer Homepage berichtet die Organisation davon, dass Touristen, die die Färöer-Inseln besuchen, dazu verpflichtet sind, den Behörden mitzuteilen, wenn sie Schulen von Grindwalen sichten. Kommen sie dem nicht nach, können sie mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe vom umgerechnet 3.500 Euro belegt werden. Werden Grindwalschulen vor den Färören gesichtet, ruht sort sofort die Arbeit, alle verfügbaren Boote werden klar gemacht, um die Schule dann in eine der Buchten zu treiben, wo den kleinen Walen dann der Garaus gemacht wird. Die ganze Veranstaltung trägt den schönen Namen: Grindráp.

Die Umweltschützer gingen eigentlich von einer „Lex Sea Shepherd“ aus, mußten sich jedoch belehren lassen, dass dieses Gesetz durchaus für jeden Ausländer gilt. Nun sind die Färöer-Inseln nicht gerade ein Publikumsmagnet. Nicht mal 100.000 Übernachtungen verzeichnen die Inseln im Nordatlantik. Die meisten gehen auf Kosten von Inländern sowie Dänemark, Norwegen und Island. Deutsche Urlauber zieht es kaum dort hin. Ein Touristenboykott scheint da wenig Aussicht auf Erfolg. Aber Umweltaktivisten drohen nun tatsächlich ganz drakonische Strafen.

Die etwa 50.000 Färinger verteidigen ihren Grindaráp mit Zähnen und Klauen. Das sei, so argumentieren sie, ja auch kein richtiger kommerzieller Walfang, sonder Teil ihrer Subsistenz-Wirtschaft. In in der Tat ist es ein merkwürdiger Brauch, dass Fleisch und Speck der gefangenen Grindwale kostenlos an die Bevölkerung nach einem festgelegten uralten Schlüssel verteilt wird. Allerdings sind die Färinger heute schon längst nicht mehr auf den Fang von Grindwalen angewiesen, sondern frönen damit nur einer uralten Tradition.

Allerdings scheint es absehbar zu sein, dass die Tradition ein baldiges Ende findet – und zwar vermutlich ohne Zutun von Sea Shepherd oder Greenpeace. Die gefangenen Grindwale werden nämlich von Jahr zu Jahr ungeniesbarer. Schon zu Anfang des Jahrtausends hatte das färingische Gesundheitsministerium auf mögliche Schadstoffe in den Walen hingewiesen. Im Noveber 2008 hatten die Amtsmediziner dann zum ersten Mal „mit großer Trauer“, wie sie schrieben, vor dem Verzehr von Grindwalfleisch ausdrücklich gewarnt. Zu hoch sei die Schadstoffbelastung mit Quecksilber und PCB. Tatsächlich hat eine Studie ergeben, dass der gemeine Färinger etwa doppelt so hoch mit Quecksilber belastet ist, wie der normale Europäer. Das führt zum Beispiel zu einem Anstieg der Parkinsonkrankheiten.

Ein wenig zynisch könnte man ja darauf wetten, wer schneller ausstirbt, die Färinger oder die Grindwale. Doch diese Wette wäre eigentlich völlig unnötig. Denn die Färinger können offensichtlich sehr gut ohne das Abschlachten von Grindwalen leben. So wurde 2008 zum Beispiel kein einziger Wal gefangen und trotzdem sind die Färöer nicht untergegangen.

Peter S. Kaspar

Foto: Mario Müller/wp