Freunde und Fremde

Von Dezember 24, 2014 Standpunkt Keine Kommentare

Standpunkt : Ein paar Gedanken über die Gastfreundschaft

Auch wenn jetzt die Hochsaison für Eistaucher wäre (wenn Eis da wäre), so haben die meisten Taucher doch ihr Gerödel über den Winter eingemottet und viele stecken vielleicht schon in der Planung und sind voller Vorfreude auf den nächsten Tauchurlaub. Das wäre wohl nicht möglich, wenn wir als Fremde dort nicht willkommen wären. Ob das Ägypten ist, oder die Malediven sind, die Reise nach Indeonesien oder Thailand,  in die Karibik oder Kenia führt: Überall sind wir dort herzlich willkommen, können einem der schönsten Hobbys der Welt nachgehen und eine wunderbare Unterwasserwelt erleben. Es wird bei uns gerne darauf verwiesen, wie viel Geld diese Länder mit dem Tourismus verdienen.

Trotzdem: Selbstverständlich ist diese Gastfreundschaft nicht. Kenia zählt zum Beispiel zu den besten Tauchgebieten der Welt. Es liegt also nahe, dass auch die benachbarte somalische Küste, die sich bis hinauf ans Horn von Afrika zieht, eins sehr spektakuläres Tauchgebiet sein müßte. Wer indes versuchen würde, diese Gebiete taucherisch zu erforschen oder gar touristisch zu erschließen, würde mit seinem Leben spielen. Saudi-Arabien, der Sudan, Jemen haben ganz besondere Unterwasserlandschaften zu bieten. Vielleicht gilt das sogar für Nordkorea. Leider fehlt es an der adäquaten Gastfreundschaft oder an der Bereitschaft eine Infrastruktur für Taucher zu schaffen, wie sie andere Länder haben. Insofern reicht es also nicht, nur auf die entsprechenden Einnahmen zu verweisen. Man muss den Ländern die uns Taucheren ihr Hobby ermöglichen auch für ihre oft sehr herzliche Gastfreundschaft dankbar sein.

Es ist noch keine zwei Jahre her, da wurde in Ägypten darüber spekuliert, ob das Land in einen Bürgerkrieg stürzen könnte. Glücklicherweise hat sich Ägypten inzwischen stark stabilisiert. Aber was wäre gewesen, wenn es zu schlimmsten gekommen wäre? Dann hätten sicher Zehntausende von Ägypter auch in Deutschland Zuflucht gesucht. Vielleicht wäre ja der Captain meines Bootes oder unser Kompressorboy unter den Flüchtlingen gewesen, oder der Koch, der immer so leckeres Shawerma macht oder der Kellner, der nur darauf zu warten scheint, dass wir jedes Jahr wieder kommen. Wir hätten sie doch sicher nicht wieder weggeschickt, oder? Und was wird sein, wenn den Malediven ihre Inseln wirklich unterm Hintern absaufen. Kommt dann der Steuermann des Dhonis, der uns täglich ans Riff gefahren hat, vielleicht auch nach Deutschland um Schutz zu suchen und muss dann erleben, dass Zehntausende genau dagegen protestieren? Und spielt es überhaupt eine Rolle, ob jemand aus Ägypten, von den Malediven, aus Syrien oder dem Irak kommt?

Wir profitieren davon, dass uns an den schönsten Flecken der Erde Gastrecht gewährt wird. Da ist es wohl nur recht und billig, wenn wir es auch tun.

In diesem Sinne wünscht Euch Silent World online

schöne und besinnliche Festtage

und im kommenden Jahr natürlich ganz, ganz tolle Tauchgänge

Euer

Peter S. Kaspar