Etwas ganz, ganz Großes

Wer hat den Shark Alpha verspeist?

Bewegungsprofile wollten sie messen. Da kam jener drei Meter lange Weiße Hai den Forschern gerade recht. Das weibliche Tier kam dem Boot so nahe, dass die Wissenschaftler den Sensor perfekt setzen konnten, ohne, dass es den Hai all zu sehr beeindruckte. Schon nach vier Monaten tauchte der Sender unweit der Stelle, wo Shark Alpha, so der Codename des Tieres, markiert worden war, wieder auf. Allerdings ohne Hai. Die Auswertung war nichts für schwache Nerven, denn die Daten verrieten ein ungeahntes Drama. Innerhalb von wenigen Minuten verzeichnete der Sensor ein Abtauchen auf fast 600 Meter. Gleichzeitig stieg die Temperatur von 18 auf 25 Grad an. Das ließ nur einen Schluss zu: Irgendwas hatte Shark Alfa geschluckt oder aufgefressen.

Dafür kommen nicht eben viele Tiere in Frage. Ein Orca wäre in der Lage, doch dann wäre der Temperaturanstieg noch höher ausgefallen. Ein Riesenkalmar? Zu klein. Ein anderer Hai? Das wäre möglich. Der müßte dann mindestens fünf Meter lang gewesen sein. Das werden Weiße Haie durchaus und Weibchen können es sogar bis auf sieben Meter bringen. Doch dann tauchte der Name eines engen Verwandten des Weißen Haies auf der Liste der Tatverdächtigen auf: Megalodon. Mit bis zu 30 Metern soll der Superjäger das größte Raubtier gewesen sein, das je auf der Erde lebte. Vor drei Millionen Jahren soll Megalodon ausgestorben sein.

Das hat man einem anderen Hai auch schon mal nachgesagt. Der Riesenmaulhai wurde 1976 überhaupt erst entdeckt. Der bringts auch immerhin auf über fünf Meter. Und drei Millionen Jahre sind in der Erdgeschichte auch nicht eine wirklich lange Zeit. Könnte es also sein, dass da unten noch etwas ganz, ganz Großes und fürchterlich Bedrohliches lebt.

Dr. Matthias Bergbauer ist nicht nur Chefredakteur von Silent World, sondern auch noch Meeresbiologe. Er meint: „Ausschließen kann man nichts, aber das ist schon sehr unwahrscheinlich.“ Zunächst einmal räumt er mit der Geschichte des 30 Meter langen Räubers auf. Ausmaße des riesigen Haies seien auf Grund von Zahnfunden geschätzt worden. Selbst 20 Meter hält er für übertrieben, 15 bis 17 eher für realistisch.

Trotzdem: Megalodon war riesig und als Spitzenprädator ernährte er sich auch von ganz großen Tieren, Walen zum Beispiel oder eben Weißen Haien. Und genau das wäre heute das Problem des Megadolon. Das Nahrungsangebot wäre wohl schlicht zu klein, um eine lebensfähige Population zu erhalten. Außerdem hat es bis heute keinen Hinweis darauf gegeben, dass Megalodon noch existieren könnte. Nirgendwo wurde ein Kadaver angespült, nie hat man ein mögliches Beutetier mit Spuren entdeckt, die auf Megadolon hinweisen könnten.

Und wer hat nun Shark Alpha gefressen? David Riggs, der zum Team gehörte, das den drei Meter langen Weißen Hai markiert hatte, ist überzeugt, dass Shark Alpha einem Artgenossen zum Opfer fiel, allerdings einem, der an „Gigantismus leidet.“

Text: Peter S. Kaspar / Bild: Karen Carr

1 Kommentar

  • Oliver Uwe Bardy sagt:

    Das Problem mit der entsprechend großen Population besteht eventuell nicht: Etliche Hai Arten sind in der Lage sich ungeschlechtlich fort zu pflanzen. Bekannt ist dies bisher vom Zebra- Hai, dem Bambushai und dem Hammerhai: Sind keine Männchen vorhanden, zeugen Weibchen ohne die geschlechtliche Fortpflanzung allein Nachkommen. Diese Nachkommen sind allerdings exakte genetische Kopien des Muttertiers, die bei der geschlechtlichen Fortpflanzung übliche genetische Varianz ist also nicht gegeben. Sollte auch Megalodon in der Lage sein sich ungeschlechtlich fortzupflanzen, würde ein einziges weibliches Tier ausreichen um die Spezies zu replizieren: Da auch deren Nachkommen als exakte genetische Kopie der Mutter, über die Fähigkeit der ungeschlechtlichen Vermehrung verfügen würde. Ein einziges oder eine sehr kleine Zahl weiblicher Tiere würde dazu vermutlich auch ausreichend Nahrung finden: Haie sind überdies üblich lange vor dem Erreichen der maximalen Körpergröße in der Lage Nachwuchs zu erzeugen. Es müsste also gar kein „Riesenhai“ ernährt werden.

    Ob es Megalodon gibt oder nicht, beantwortet dieser Gedankenansatz ganz sicher nicht. Ggf. wäre es aber ein Trugschluss davon auszugehen das es Megalodon gar nicht geben könne, weil eine größere Population dazu erforderlich wäre.