Der Feind in meinem Kopf

Von Januar 11, 2016 Alle 4 Kommentare

Standpunkt: Terrorwarnungen für Ägypten sind überholt

Wenn die Sache nicht ein so blutiges Ende gefunden hätte, dann könnte man ja dem Vorfall vom Bella Vista in Hurghada im Ortsteil Sekala ja fast noch eine humoristische Komponente abgewinnen. Selbst die Opfer des angeblichen IS-Anschlags haben den Tätern ziemlichen Dilettantismus attestiert. Aber so lustig ist das dann doch nicht. Wieder hat der für Ägypten so wichtige Tourismus einen empfindlichen Schlag erhalten.

IS bekannt sich inzwischen zu allem

Doch gerade dadurch, dass sich zu dem vermeintlichen Anschlag sofort der Islamische Staat bekannte, wird klar, wie unsinnig inzwischen die Angst vor Terroranschlägen in Ägypten ist. Der IS kann überall auf der Welt zuschlagen, ob es der Sheraton Road in Sekala oder im zehnten und elften Arrondissement in Paris. Es kann morgen den Potsdamer Platz in Berlin oder den Time-Square von New York treffen, es kann im Bahnhof von Bad Oeynhausen passieren oder in einer Skihütte in Bad Gastein. Es ist egal. Wir können nicht die ganze Welt mit einer Reisewarnung belegen. Wenn übermorgen ein Eissturm ganz Deutschland lahm legt und 50 Menschenleben fordert, wird sich der IS vermutlich auch noch dafür verantwortlich erklären.

Terror ist Kopfsache

Was ist eigentlich Terror? Terror ist das, was sich im Kopf der Menschen abspielt. Jedes Jahr sterben 4000 Menschen auf deutschen Straßen. Trotzdem fahren die Menschen Auto und Fahrrad. Gerade Taucher wissen wie irreal die Angst vor Haien ist. Weltweit sterben rund 15 Menschen jährlich durch Haiangriffe, aber 2000 durch Flusspferde. Preisfrage – welches Tier versetzt den Menschen mehr in Panik?

Das Bettlaken und die Panik

Der IS weiß genau, wie man Terror erzeugt und das wussten offensichtlich selbst diese Terror-Azubis von Sekala. Es reicht inzwischen ein schwarzgefärbtes Bettlaken mit ein paar weißen Strichen aus, um Hysterie zu erzeugen. Das ist der eigentliche Terror – der geht nämlich weit über das Entsetzen über ein bestimmtes Ereignis hinaus. Er bestimmt künftiges Handeln, indem die Angst diktiert, was der Mensch tut.

Reisen? Jetzt erste recht!

Wer sich darüber im klaren ist, kann selbst sehr aktiv seinen persönlichenKampf gegen den Terror führen, in dem er sich gerade nichts von der Angst diktieren lässt. Das heißt, jetzt erst recht eine Tauchreise nach Ägypten buchen, einen Strandurlaub in Tunesien oder durch Paris flanieren und in Straßencafés abhängen. Wenn sich der Terror im Kopf abspielt, hat es auch jeder in der Hand ihn zu bekämpfen.

Nachdenken hilft

Jedem Taucher wird ab einem bestimmten Level ein Dreiklang mit auf den Weg gegeben, wie er sich in Stress oder Paniksituationen verhalten soll: Anhalten, Nachdenken, Handeln.

 

Peter S. Kaspar

Mehr dazu bei James und Mäc

4 Kommentare

  • Katharina sagt:

    Danke für diesen Kommentar! Ich stimme ihm 100% zu. Seit mehr als einem Jahr tauche und lebe ich in Ägypten und ich fühle mich unsicherer während meiner Heimaturlaube in der U-Bahn oder auf Weihnachtsmärkten. Gerade am Roten Meer ist es ruhig und die sensationsgeile Berichterstattung ist eine Tragödie für den Tourismus hier. Dass es kein Anschlag war wird nun natürlich nicht mehr so breit berichtet. Was bedeutet solche Berichterstattung denn für Länder wie Ägypten? Weniger Touristen, mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut und letztendlich die Gefahr dass das Land destabilisiert wird. Dann ist es auch ein Nährboden für ernstzunehmenden Terrorismus und mehr Armutsmigration. Lassen wir uns von unseren Ängsten kontrollieren sorgen wir am Ende dafür dass sie wahr werden.

  • Uwe sagt:

    Ich finde den Artikel ja ganz gelungen. Aber das ist das erste Mal, dass ich etwas davon lese, daß sich der IS zu diesem Vorfall bekannt hat.

  • Günter Lenzen sagt:

    Die Beiträge kann ich nur voll unterstützten!
    Ich tauche seit 3 Jahren in Ägypten und habe viele Freunde dort mit unterschiedlichen Religion und nur die besten Erfahrungen gemacht!
    Ich werde sie nicht im Stich lassen, wegen solchen fanatischen Idioten
    ÄGYPTEN ich komme auch dieses Jahr!

  • Tamara Salau sagt:

    Mein Mann und ich kommen seit 2009 nach Ägypten und wir fuehlen uns hier sicher und wir werden uns nicht so den wohlverdienten Urlaub nicht vermiesen lassen.