Plastikmüll in den Meeren
Warum unser Abfall den Lebensraum Meer zerstört
Vögel verheddern sich in Fangleinen und ertrinken mit abgeschnürten Flügeln. Sie ernähren sich und ihre Küken mit Plastikteilen, die sie mit richtiger Nahrung verwechseln. Delfine und Schildkröten verenden qualvoll in umhertreibenden Fischernetzen oder sie verletzen sich bei dem Versuch sich daraus zu befreien. Wale verschlingen im Meer schwebende Plastikbeutel , denn sie denken es sind Tintenfische. Aber das ist nicht alles: Die Plastiktüten verstopfen den Verdauungstrakt und die Säuger müssen mit vollem Magen verhungern. An europäischen Küsten und in den angrenzenden Gewässern fallen pro Jahr rund eine Millionen Seevögel und bis zu 100 000 Meeressäuger und Schildkröten der Verschmutzung durch Plastikmüll zum Opfer.
Plastikmüll in den Meeren
Warum unser Abfall den Lebensraum Meer zerstört
Von Anna Bordel
Allein 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen jährlich in die europäischen Meere. Weltweit sind es es bis zu 100 Millionen Tonnen. Der Müll gelangt auf den unterschiedlichesten Wegen in die Ozeane. Einer der größten Faktoren ist die Fischerei. Einige Fischer werfen ihren Abfall rücksichtslos über Bord oder verlieren ihre Netze und Angelleinen. Die „Geisternetze“ treiben Jahrzehntelang im Meer umher und werden zur Todesfalle für Meeressäuger, Schildkröten und Seevögel.
Aber auch viele Schiffe entsorgen noch immer ihren Müll illegal draußen im offenen Meer. Eben mit dem Flusswasser erreichen Abwässer und Müllverschmutzung vom Landesinneren die Ozeane. Touristen tragen Abfälle an die Strände, der von den Wellen ins Meer gespült wird.
Norbert Niedernostheide ist Biologe und Leiter des Umweltbildungszentrums des Museum am Schölerberg in Osnabrück. „Das Meer vergisst nicht“, sagt er, „Dinge die einmal hineingeworfen wurden, sind sehr lange unterwegs und dadurch sammelt sich der Müll immer weiter an“. Schon ein Kleidungsstück aus Baumwolle kann fünf Monate brauchen bis es sich zersetzt.
Eine Konservendose treibt rund 100 Jahre in den Gewässern, aber das ist nichts gegen die Haltbarkeit von Plastikmüll. Jegliche Form von Abfall aus Plastik überdauert 450 Jahre in den Ozeanen. Selbst der Zersetzungsprozess erlöst das Meer nicht von der Verschmutzung durch Plastik.
Während Salzwasser und Sonne den Kunststoff auflösen, setzen sich daraus Giftstoffe wie Bisphenol A und Phtaltate frei. Die mischen sich in die Nahrungskette von Tieren und haben negative Auswirkungen auf das Erbgut und den Hormonhaushalt von Meerestieren und Menschen.
"Der Müll, der auf dem Wasser treibt, ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was darunter liegt. Auf den Oberflächen bleiben nur 15 Prozent des Abfalls"
Viele von uns haben schon einmal Müllteppiche aus Flaschen und Plastiktüten in Häfen treiben sehen. Auf den Weltmeeren gibt es fünf strömungsbedingte Strudel, die riesige Mengen an Treibgut versammeln und immer weiter wachsen. Der größte Müllstrudel befindet sich im Pazifik nördlich von Hawaii. Der Abfall braucht für eine Umdrehung geschätzte zwei bis drei Jahre. Der Müll, der auf dem Wasser treibt, ist allerdings nur ein Bruchteil dessen, was darunter liegt. Auf den Oberflächen bleiben nur 15 Prozent des Abfalls.
Bis zu 70 Prozent sinken zu Boden oder treiben unter. Der Rest wird an die Strände gespült. Viele Organisationen versuchen die Menschen über die desaströsen Ausmaße der Verschmutzung durch Plastik aufzuklären. „Wer im Oberrhein ein Stück Plastik ins Wasser wirft, ist sich nicht im Klaren darüber, dass er damit in der Nordsee einen großen Basstölpel töten kann“, meint Nobert Niedernostheide. Sein Lösungsvorschlag ist schlicht: Auf Kunststoff verzichten. Milch in Glasflaschen kaufen, Dosengetränke vermeiden und wenn man doch Plastik kauft, dieses vorschriftsgemäß entsorgen.
Die verheerenden Folgen von Plastikmüllverschmutzung in den Meeren ist schon seit längerem ein bekanntes Problem. Bereits in den 70ern wurde mit dem MARPOL-Abkommen die Abfallentsorgung von Schiffen reguliert. Im Jahr 2008 sind die MSRL Richtlinien entstanden, die ein überwachtes Meeressäuberungsprogramm bis 2020 in Aussicht stellen. Es gibt vermehrt Strandreinigungsaktionen sowie eine strenger überwachte Müllentsorgung in den Häfen. Im Hafen von Rotterdam zum Beispiel gehört das Entsorgen der Schiffabfälle genauso dazu wie das Entladen der Container.
Eine Initiative gegen den Unterwassermüll richtet sich von der Umweltorganisation Ocean Conservancy an Sporttaucher. Sie werden nicht nur dazu aufgefordert ihr Revier sauberzuhalten, sondern im Rahmen von Aktionstagen gemeinsam Müll zu sammeln. Im Jahr 2009 haben rund 10 000 Taucher fast 100 Tonnen Müll entsorgt.
Die Sportliche!
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