Projekt Top-Shot

Hinter den Kulissen der UW-Foto-WM

Wie entstehen unter Wettbewerbsbedingungen prämierte Unterwasseraufnahmen? Frank Dornberger wollte es genau wissen. Er begleitete den Profifotografen Harald Slauschek und den Weltrekord-Freitaucher Christian Redl bei ihren Vorbereitungen in Kroatien und der diesjährigen Foto-Weltmeisterschaft in der Türkei: Auf allen Stationen der langen „Mission Fotoweltmeisterschaft“ war der Autor und Filmemacher hautnah dabei. Und erlebte, dass Shoot-outs vor Ort unberechenbar sind.

Projekt Top-Shot

Hinter den Kulissen der UW-Foto-WM

von Frank Dornberger

Wunderschöne Unterwasseraufnahmen begeistern wohl jeden Taucher. Mir geht es nicht anders. Wenn ich die großen und kleinen Besonderheiten der maritimen Welt abgelichtet sehe, prachtvoll ins rechte Licht gerückt, dann kann es schon einmal vorkommen, dass mir ein begeisterter Seufzer entfährt. Wie lange hat der Fotograf wohl für dieses Motiv gebraucht, frage ich mich dann. Wie hat er das Bild umgesetzt?

Die meisten Taucher haben sich mehr oder weniger erfolgreich auch schon einmal selbst an der Kamera versucht. So ist es kein Geheimnis, dass perfekt ausgeleuchtete Aufnahmen nicht einfach zu realisieren sind. Oft ist jahrelanges Training den ersten professionellen Bildern vorausgegangen. Denn neben der Beherrschung der Kamera müssen auch die taucherischen Fertigkeiten außergewöhnlich gut geschult sein. Schon häufig habe ich mich deshalb gefragt, wie die Fotografen perfekte Unterwasseraufnahmen zustande bekommen, wenn sie zusätzlich unter Zeitdruck stehen und sich die Tauchplätze nicht aussuchen dürfen?

Alle zwei Jahre hatte ich als Redakteur die Siegerbilder der CMAS-Unterwasserfoto-Weltmeisterschaft auf dem Schreibtisch liegen. Etliche kurze Foto-Storys, bei denen es hauptsächlich darum ging, die prämierten Fotos zu zeigen, präsentierte ich den interessierten Lesern. Was viele nicht wissen: Die Tauchbedingungen und Kriterien sind für die Teilnehmer sehr eng gesteckt. Bei insgesamt nur vier Tauchgängen werden Bilder für fünf Kategorien geschossen. Da gibt es keine Glückstreffer, alles muss bis ins kleinste Detail durchdacht sein.

Mit Tauchprofis zur Weltmeisterschaft

Dementsprechend überrascht bin ich, als mir der Fotograf Harald Slauschek auf der Bootsmesse in Düsseldorf mitteilt, er würde an der WM teilnehmen. Klar, dass mein Interesse sofort geweckt ist. Seit etlichen Jahren arbeite ich mit dem Österreicher schon zusammen. Als einer der wenigen deutschsprachigen Unterwasserfotografen kann er seine Berichte und Reportagen auch selbst schreiben. So haben wir über die Jahre etliche Themen gemeinsam umgesetzt. Er arbeitet mittlerweile für alle namhaften deutschsprachigen Tauchmagazine und hat außerdem die jährlich stattfindenden uw-photodays am Attersee etabliert. In kurzen Zügen umreißt er seinen Plan und erklärt mir, dass er den Freitauchprofi Christian Redl als Assistent und Model gewinnen konnte.

Nun bin ich wirklich Feuer und Flamme. Denn zum einen kenne ich Christian durch meine zweite Berufung als Unterwasserfilmer seit knapp zwölf Jahren, zum anderen gab es bei den Weltmeisterschaften bisher noch nie Fotos von Freitauchern. Als Enfant terrible der Branche ist er für seine außergewöhnlichen Rekorde bekannt geworden. Bei einigen habe ich ihn filmisch begleitet. „Christian Redl hat sieben Weltrekorde aufgestellt und mit seinen spektakulären Projekten eine weltweite Medienpräsenz erreicht“, ist über ihn zu lesen. Der umtriebige Apnoeist gibt aber auch regelmäßig Freitauchkurse, hält Vorträge und ist in den Studios von Kerner & Co. gerngesehener Gast.

Ich muss nicht lange nachdenken, als mir Harald offeriert, quasi als erweitertes Teammitglied das gesamte Projekt zu begleiten. Hier ist die Chance gekommen, hinter die Kulissen zu schauen und herauszufinden, wie so ein Shoot-out abläuft. Die Herausforderung, die Emotionen – Sieg und Niederlage sind hier nur einen Knopfdruck weit voneinander entfernt.

Trainingslager in Kroatien

Einige Wochen später wird es konkret. Das ungleiche Paar Slauschek/Redl hat sich entschlossen, zum Training nach Kroatien zu reisen. In dem kleinen Urlaubsörtchen Selce sollen die ersten Tests stattfinden. Also packe auch ich meine Sachen und mache mich auf den Weg nach Niederösterreich. Vor den Toren von Wien finden wir uns mitten in der Nacht zusammen. Tauchausrüstungen, etliche Kameras samt Zubehör für den Über- und Unterwassereinsatz und einiges mehr muss mit. Den Van plus Anhänger bekommen wir drei spielend gefüllt.

Es wird in den nächsten Tagen darum gehen, ein reibungsloses Zusammenspiel unter Wasser zu erreichen. Fast intuitiv müssen sich Model und Fotograf bei den entscheidenden Tauchgängen verstehen. Das zu erreichen, ist mit viel Arbeit verbunden. Etliche intensive Gespräche führen Harald und Christian schon während der Autofahrt gen Süden.

„Wenn es so tief geht, stört uns wenigstens der Wellengang nicht so sehr, schmunzelt er angesichts des rauen Wetters"

Sogar die Taucherzeichen werden durchgegangen, modifiziert und an die Bedürfnisse angepasst. Harald beschreibt, eine Hand am Lenkrad, eine in der Luft herumwirbelnd, wie er sich die verschiedenen Posen vorstellt. Christian interpretiert von der Rückbank aus. Ich bin fasziniert, wie vielfältig die „perfekte Flossenstellung am Wrack“ doch gesehen werden kann. Wo sind die Hände? Wie erreichen wir, dass so wenig wie möglich von Christians Ausrüstung absteht?

„Ihr wollt an meinem nagelneuen Mares-Equipment herumschneiden?“ Christian ist schockiert. Aber am Ende wird er derjenige sein, der alles, was in irgendeiner Form absteht, kompromisslos kürzt. „Ist die Ausrüstung erst einmal angepasst, braucht man auch keine längeren Laschen“, resümiert Harald schmunzelnd, „nur zunehmen solltest du in den nächsten Wochen nicht.“

Motivsuche: Wracks und Seepferdchen

Eine aufkommende Erkältung droht Christian außer Gefecht zu setzen. Harald nutzt die Zeit für das Makro-Training. Eigentlich ist es die Aufgabe des Assistenten, die Motive zu suchen, aber die zwischenzeitliche Warterei wäre bei den recht frischen Temperaturen nicht gerade gesundheitsförderlich. Also gehe ich mit Harald in der Bucht direkt vor der Tauchbasis Mihuric auf Seepferdchenjagd. Geschossen wird allerdings nur mit den Kameras. Sind wir mal ausnahmsweise nicht im Wasser, unternehmen wir Touren durch die unwirtliche Gebirgslandschaft, die das Hinterland von Selce prägt. Wir entdecken alte Festungen, passieren einsame Dörfer, die an den Felshang geklebt scheinen.

So bekommen wir den Kopf frei, reden auch mal über etwas anderes als Blenden, ISO-Werte und Ausrüstungskonfigurationen. Aber schon beim Abendessen ist man wieder beim Thema. Die Tauchgänge des nächsten Tages werden geplant. Was wollen wir wie umsetzen? Wer ist wo positioniert?

Einer der Testtauchplätze ist das Wrack der „Peltastis“. Die Nachteile des Wracks für die Mission der Österreicher sind seine Tiefe (32 Meter) und die relativ schlechte Sicht. Die Feinde der Unterwasserfotografie sind nun mal die Schwebeteilchen. Dennoch verliert Harald mal wieder nicht den Optimismus. „Wenn es so tief geht, stört uns wenigstens der Wellengang nicht so sehr“, schmunzelt er angesichts des rauen Wetters. Wie sich herausstellt, ist unser Skipper ein erfahrener Taucher, der sich intensiv mit dem Wrack beschäftigt hat.

Er berichtet uns von den Ereignissen der verhängnisvollen Nacht am 8. Januar 1968. Gegen 4:30 Uhr sank der aus Griechenland stammende Frachter vor der Insel Krk in der Nähe des Ortes Silo. „Der Kapitän ist mit dem Schiff untergegangen. Er wollte das wohl so. Zumindest erzählten das die Überlebenden. Taucher von uns aus Crikvenica gingen als erste an das Wrack. Im Kartenraum fanden sie den Körper des Kapitäns.“ Wir schlucken bei der Erzählung. Denn geplant ist, genau dort, auf der Brücke, das Unterwasserstudio für dieses Test-Shooting einzurichten.

"Es ist herrlich, sich am Mast entlangfallen zu lassen und zu sehen, wie sich das Wrack immer deutlicher aus dem Blau abzeichnet"

Wir müssen darauf achten, dass Harald genügend Zeitvorsprung unter Wasser erhält, um die Sklavenblitze und seine Werner-LED-Testlampen an der Brücke des Wracks zu positionieren. Dabei darf er die gesamte Zeit über den Boden nicht berühren. Nur ein zu heftiger Flossenschlag könnte die ganze Szenerie ruinieren. Bis sich die Teilchen wieder gesetzt hätten, wäre unsere Deko-Phase erreicht. Beim Abstieg treffen wir die Spitze des Mastes bereits bei sieben Meter Tiefe.

Es ist herrlich, sich am Mast entlangfallen zu lassen und zu sehen, wie sich das Wrack immer deutlicher aus dem Blau abzeichnet. 60 Meter lang ist der Frachter und wir fallen bis auf eine Tiefe von 21 Meter, bevor wir die Brücke erreichen. Alles muss jetzt wie am Schnürchen laufen. Ich filme Haralds letzte Handgriffe, als Christian zu uns stößt. Er legt sein Tauchgerät ab. Heute werden nämlich nicht nur ganz normale Tauchbilder fotografiert. Auch die ersten Freitaucher-Fotos sollen entstehen.

Hoch konzentriert atmet Christian, bevor er mit einer geschmeidigen Bewegung im Wrack verschwindet, wo Haralds Blitzlichtgewitter einsetzt. Nach diesem und etlichen weiteren Tauchgängen, denen jeweils eine Auswertung am Laptop folgt, fühlen sich die beiden für die nächste Stufe vorbereitet. Die WM kann kommen.

Bodrums Unterwasserwelt

In Vorbereitung der Reise nach Bodrum, dem Austragungsort der 13. CMAS-Weltmeisterschaft der Unterwasserfotografie, wie sie ganz offiziell heißt, schaue ich mir die Geschichte der Veranstaltung an. Alle zwei Jahre findet die WM statt. Immer an unterschiedlichen Orten. Diesmal haben sich 44 Teams aus 23 Nationen in Bodrum, ganz im Südwesten der Türkei, zusammengefunden, um an vier ausgewählten Tauchplätzen den Shoot-out zu zelebrieren.

Eine knappe Woche lang wird ein enormes Blitzlichtgewitter auf die hiesige Unterwasserwelt einprasseln. Routiniert streifen Harald und Christian bei unserem ersten gemeinsamen Tauchgang in der Türkei über den felsigen Untergrund. Heute ist ein Flugzeugwrack das Hauptmotiv. Die „Dakota C-47“ gehört zu den optisch hervorstechendsten Motiven, die man sich so vorstellen kann. Die enormen Turbinen, das gut erhaltene Cockpit und selbst das Heck, welches abgetrennt knapp an der 40-Meter-Grenze liegt, sorgen bei mir für euphorische Schnappatmung. Glücklicherweise haben meine Tauchpartner dieses Erlebnis schon hinter sich.

Zielsicher steuern sie das Cockpit an. Fotografiert wird sowohl im Scuba- als auch im Freitauchmodus. Ich schwirre an der Motivvielfalt entlang. Nach meiner ersten Erkundung des Tauchplatzes kann ich mich auch endlich auf die WM-Teilnehmer konzentrieren. Der Prototyp eines dünnen Neoprenüberziehers für Models, der erste Mares Photo Suit, ist eingetroffen, von dem schon öfter die Rede war. Christian hat ihn über den normalen schwarzen Tauchanzug gestreift und ist jetzt ein hellgelber Kontrastpunkt.

Dass die Konkurrenz da neidisch ist, kann ich mir vorstellen. Neben dem Flugzeugwrack macht er so eine noch bessere Figur. Ohne seine Ausrüstung sieht es allerdings spektakulär aus. Als Freitaucher „fliegt“ er an dem Flugzeugwrack entlang: Wenn das kein Motiv für eine Medaille ist, denke ich vor mich hin.

Foto-WM: Stress und Adrenalin unter türkischer Sonne

Die Vorstellungskraft der anderen Teilnehmer ist offensichtlich sehr gut. Auch sie scheinen die Gefahr wahrzunehmen, die von einem Freitauchprofi als Model ausgeht. Gleich mehrere Teams erheben Einspruch, als beim „Technical Meeting“ auf Haralds Frage hin erklärt wird, dass auch Freitauchbilder erlaubt sind. Bei diesem Treffen zu Beginn der offiziellen Veranstaltung werden alle möglichen und unmöglichen Szenarien durchgespielt.

Es können Fragen gestellt werden. Allen wird erklärt, was erlaubt ist und was nicht. Deko-Tauchgänge: Nein. Tauchgänge tiefer als 30 Meter: Nein. Tiere berühren, bewegen oder gar mitbringen: Ebenfalls nein. Fotos von Freitauchern: Ja, die sind erlaubt. Mehrfach muss diese Entscheidung des Komitees bestätigt werden. Die Konkurrenz will es nicht wahrhaben, denn als Model oder Assistent sind hier vielfach die Lebenspartner mit angereist.

„Natürlich wäre es schön, eine Medaille nach Hause zu holen oder gar Weltmeister zu werden“

Die deutschsprachigen Teilnehmer haben sich für einen kollegialen Plausch zusammengefunden. Und nicht nur Harald saugt alles an Erfahrungswerten und Hinweisen auf, was ihm zu Ohren kommt. Auch ich bin nun wirklich gespannt, wie sich die beiden Ausscheidungstage gestalten werden. Können Harald und Christian ihre Ziele erreichen? „Natürlich wäre es schön, eine Medaille nach Hause zu holen oder gar Weltmeister zu werden“, erklärt Harald am Abend vor dem Wettkampf.

„Aber wir müssen auch ehrlich sein. Hier gibt es einige hervorragende Fotografen, die schon sehr oft dabei waren und eben auf Knopfdruck tolle Bilder abliefern.“ Zwar sind fünf Kategorien ausgelobt, Harald Slauschek wird aber nur für vier davon fotografieren. „Ich konzentriere mich auf das Wesentliche“, bringt er es auf den Punkt. Und Christian ergänzt: „Wo wir richtig gut sein wollen, ist natürlich die Kategorie Weitwinkel mit Model – und dort am besten als Freitaucher.

Da liegt unser Vorteil, das können die anderen nicht.“ Harald scheint es nicht ganz so zu sehen. Er würde gern den konservativeren Weg gehen und mit einem normalen Taucher im Bild überzeugen, scheint es mir. Niemand weiß, wie die Jury zu dem Thema steht.

Urlauberparadies Bodrum

Wo man auch hinschaut im Ersan Resort & Spa, überall haben sich die Teams verteilt und vertreiben sich die Wartezeit mit taktischem Geplänkel, einige kennen sich aber auch schon von früheren Veranstaltungen und frischen die Kontakte auf. Aber niemand hat Zeit, die Gegend kennenzulernen. Dabei hat Bodrum einiges zu bieten. Die Altstadt wird von dem ehemaligen Johanniterkastell dominiert, heute ein eindrucksvolles Museum, das auch das größte Unterwassermuseum der Welt beherbergt. Prunkstück des Museums ist das Schiff von Uluburun, ein Wrack aus der Bronzezeit, genauer dem 14. Jahrhundert vor Christus. Damit gilt es als das älteste geborgene Wrack weltweit. In dem Kastell ist es samt Fracht und Ausstattung ausgestellt.

Auch die größte Sammlung an antiken Amphoren lagert in dem Kastell, das aus den Resten des Grabmals von König Mausolos erbaut wurde. Dieses riesige Mausoleum galt als eines der sieben Weltwunder der Antike, nach ihm wurden ähnliche Bauwerke später ‚Mausoleen‘ genannt. In der Neuzeit verlor Bodrum dann seine einstige Bedeutung und gewann sie erst durch den Dichter und Maler Cevat Sakir zurück, der die „Blauen Reisen“ begründete.

Nach Bodrum verbannt, versammelte er befreundete Künstler um sich und unternahm Ausfahrten auf den Gulets. Die dickbäuchigen Holzschiffe liegen auch heutzutage dicht an dicht im Hafen der Stadt und sind überall entlang der mit idyllischen Buchten gesäumten Küste zu finden.

Oktopus-Augen und Flugzeugpropeller

Der Fotowettkampf beginnt und auch ich tauche an mehreren Plätzen gemeinsam mit türkischen Kollegen von der Tagespresse ab. Überall hängen Fotografen in den Seegraswiesen, an den Drop-offs, in Felsspalten. Zwei Wettkampf-Tauchgänge finden pro Tag statt, anschließend werden die Speicherkarten abgegeben, so sollen Manipulationen im Nachhinein ausgeschlossen werden. Christian ist euphorisch, als er von Bord steigt. „Das waren wirklich gute Tauchgänge“, sprudelt er los. „Wir haben Paul getroffen“, erklärt er kryptisch und erläutert dann unter vier Augen, dass Harald für die Kategorie Makro das Auge eines Oktopus als Motiv hatte. Am zweiten Tag erschwert ein schwerer Sturm die Arbeit und wirbelt die gesamte Planung durcheinander.

Es schüttet wie aus Kannen, dabei fällt hier normalerweise ab Mai kein Tropfen mehr. Das Team lässt sich davon nicht beeindrucken. Es gelingen einige ansehnliche Freitauchbilder mit Röhrenwürmern. Große Aufregung herrscht an der „Dakota C-47“, zu der die Presse nicht abtauchen darf. Noch mehr Taucher mit Kameras würden dort nicht gut sein, erklärt man uns. Ich kann das nachvollziehen. Alle Teilnehmer probieren das Gleiche. Ich hoffe nur, dass Harald sich zu den Freitauchbildern am Wrack durchringen kann. Einhundert Fotos dürfen pro Tag eingereicht werden.

Alles, was sich darüber hinaus auf den Speicherkarten befindet, wird nicht zur Wertung zugelassen. Am Abend wird klar, dass Harald in der vorgegebenen Zeit nicht alle unnötigen Bilder von seiner Kamera löschen konnte. Ein Versehen, das unter dem Druck einer Weltmeisterschaft durchaus vorkommen kann. Bei den Fotos, die nun nicht eingereicht werden dürfen, sind auch die Freitauchbilder, die Christian als Weltmeisterschüsse bezeichnet. Er ist schwer enttäuscht, Harald ist ebenfalls frustriert.

"Nun sitzen sie an Laptops und wählen die Medaillenränge aus. Alle Teilnehmer und das Publikum können die Entscheidung live verfolgen"

Aber auch wenn sie es so nie sagen würden, Christian und Harald sind am Ende des Tages ernüchtert, aber um einiges an Erfahrung reicher. Die Kategorien ‚Makro mit Thema‘ (diesmal Stachelhäuter), Makro, Fisch und Weitwinkel sind abgehakt. Lediglich bei der inoffiziellen Königsdisziplin „Weitwinkel mit Model“ hat das Team noch Hoffnung auf einen der vorderen Plätze. Die Abschlussveranstaltung findet passenderweise im antiken Kastell statt.

Nun haben auch die Teilnehmer etwas Zeit, die Geschichte auf sich wirken zu lassen. Die von allen gespannt erwartete Bekanntgabe der Gewinner findet im Amphitheater nebenan statt. Doch kaum einer kann dem kulturellen Programm folgen, jeder der circa 300 Gäste wartet auf die Entscheidung. Die Jury-Teilnehmer haben in jeder Kategorie die Top 10 vorab bestimmt. Nun sitzen sie an Laptops und wählen die Medaillenränge aus. Alle Teilnehmer und das Publikum können die Entscheidung live verfolgen.

Daumen werden allerorts gedrückt, dann hallen die ersten Jubelschreie durch das antike Halbrund. Nach einer scheinbaren Ewigkeit steht fest, dass Harald und Christian in der Kategorie ‚Weitwinkel mit Model‘ den fünften Platz erreicht haben. Ich freue mich für die beiden, bin aber ganz persönlich der Meinung, dass das Bild für die Silbermedaille gereicht hätte. J

eder kann selbst entscheiden, ob meine Ansicht durch die persönliche Nähe zu den beiden sympathischen Österreichern beeinflusst ist.Auf jeden Fall werden sie es in zwei Jahren erneut probieren, denn wen das WM-Fieber erst einmal gepackt hat, den lässt es so schnell nicht wieder los.

Dieser Artikel ist erschienen in 03/2011
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