Philippinen Quartett

Vier Inseln der Philippinen

Die Philippinen sind eine Schatzkammer der Natur, über und unter Wasser. Kein Werbespruch, sondern wissenschaftlicher Fakt. Der Artenreichtum unserer Erde ist nicht gleichmäßig verteilt. Herausragend sind sogenannte Hotspots – Regionen mit außergewöhnlicher biologischer Vielfalt. Von solchen kennen Wissenschaftler weltweit gut zwei Dutzend. Die Philippinen gehören dazu. Vier Ziele dieses populären Tauchreviers stellen wir hier vor.

Philippinen Quartett

Vier Inseln der Philippinen

von Sibylle Gerlinger, Manuela Kirschner

Die Philippinen locken immer mehr Taucher an, besonders auch aus Deutschland. Kenner schätzen die Riffe als Topziele. Und Einsteiger finden hier ideale Bedingungen: Wasser klar und warm, tolle Korallengärten und reichlich Fische schon am Flachwasser, viele Tauchspots mit keiner oder kaum Strömung. Zu den Tauchausfahrten geht es meist mit einem landestypischen Bootstyp, der Banka. Ein traditionelles Holzschiff mit zwei Seitenauslegern. Gut motorisiert machen sie die Anfahrt zu den Tauchplätzen zum kurzweiligen Ausflug.

Anders die lange Anreise auf die Philippinen. Doch die wird eben in Kauf genommen. Nicht nur wegen der tollen Unterwasserwelt. Das Land bietet auch über Normalnull Pluspunkte. Zum Beispiel das äußerst günstige Preis-Leistungs-Verhältnis. Hotels, Essen, Sport- und Freizeitaktivitäten – kaum irgendwo gibt es so viel fürs Geld. Was viele Touristen überrascht: Der Lebensstil ist eher westlich und über 80 Prozent der Philippiner sind Katholiken. Außerdem ist Englisch offizielle Amtssprache. Hier kommt auch zurecht, wer kein Philippinisch spricht, dafür aber ein paar Brocken Englisch.

Kein Problem also, das Land zu erkunden. Die meisten Urlauber wollen auch mehr sehen und machen Inselhoppping. Gerade die im Zentrum des philippinischen Inselreiches und auch bei Tauchern besonders beliebten Inseln Cebu, Bohol und Negros liegen nah zusammen. Sie bieten erstklassige Tauchplätze, eine Menge Abwechslung und sehr gute Infrastruktur.

Cebu

Cebu ist nicht nur geografischer Mittelpunkt der Visayas, der zentralen Inselgruppe der Philippinen. Hier pulsieren Wirtschaft, Handel und das ganze Leben ein paar Takte schneller als auf den übrigen, vergleichsweise verschlafenen Visayas. Vor allem die Inselhauptstadt Cebu City strotzt vor Dynamik. Die drittgrößte Stadt der Philippinen ist nicht allein wegen ihrer riesigen Shopping Malls, interessanten Bars, Restaurants und Discos sehenswert. Die „Königin des Südens“, wie sie von ihren Einwohnern genannt wird, ist die älteste spanische Ansiedlung auf den Philippinen und auch kultureller Mittelpunkt.

Von marodem Charme bis zu neuem Chic ist hier alles vertreten. Dabei zeigt sich Cebu City im Vergleich zu Manila deutlich gemütlicher und noch überschaubar. Wer über den internationalen Flughafen Cebus auf die Visayas kommt, kann hier die modernen Seiten der Philippinen genießen.

"Der spektakuläre Spot bietet große Thunfische, Barrakudas, Zackenbarsche, viele Süßlippen, Schwärme von Rotzahn-Drückerfischen, große Feuerfische besonders im Süden des Riffs, mit etwas Glück Anglerfische und Spanische Tänzerinnen."

Ein gutes Stück traditioneller und beschaulicher geht es zu in dem touristisch attraktiven Gebiet um Moalboal im Südwesten der Insel. Nah dem kleinen landestypischen Ort erstreckt sich die Copton-Halbinsel. Hier, in ruhiger Lage direkt am White Beach, liegt auch das 2006 fertiggestellte Dolphin House Resort, betrieben von Rudy Poitiers und seinem Team. Schon das Hausriff ist ein Highlight: Direkt vor der Tauchbasis gelegen, fällt das breite Riffdach seewärts erst leicht schräg auf fünf Meter, dann als steiler Hang bis auf über 50 Meter Tiefe ab.

Der Hang ist bereits ab zehn Meter Tiefe sehr schön bewachsen mit großen Fächerkorallen, kleineren Elefantenohrschwämmen und Peitschenkorallen. Eine tolle Steilwand mit Einbuchtungen, Überhängen und prallem Leben. Dabei ermöglicht die beachtliche Länge des Hausriffs immer zahlreiche neue Tauchgänge. Von Anglerfischen über Schildkröten bis zu Großfisch kann einem hier alles begegnen. Ein weiterer, per Tauchboot erreichbarer Top-Platz ist zum Beispiel Sunken Island. Etwa zwei Kilometer vor der Küste liegt dieses bekannte Riff, das von großer Tiefe bis auf 22 Meter unter der Wasseroberfläche reicht.

Von dem 22 Meter tief gelegenen Plateau fällt das Riff rundum als steiler Hang in die Tiefe. Der spektakuläre Spot bietet große Thunfische, Barrakudas, Zackenbarsche, viele Süßlippen, Schwärme von Rotzahn-Drückerfischen, große Feuerfische besonders im Süden des Riffs, mit etwas Glück Anglerfische und Spanische Tänzerinnen. Ein Highlight sind auch die durch einen Marinepark geschützten Riffe von Pescador Island. Die rund vier Kilometer vor der Küste liegende kleine Insel erhebt sich rundum als steil aufragender Felsen aus dem Meer. Hier, an einem der berühmtesten Tauchplätze der Philippinen, zeigt die Unterwasserwelt ihre ganze Vielseitigkeit. Abwechslungsreiche Riffformationen, Drop-offs und farbenfroher Bewuchs: Von der Nacktschnecke über große Fischschwärme bis zum Hammerhai ist alles möglich.

Seit 2009 gibt es an diesem Spot einen riesigen stationären Sardinenschwarm, der wohl aus Millionen Tieren besteht. Unbestritten hat man damit eine Top-Attraktion, die inzwischen berühmt ist. Seit Jahren schon engagiert sich Rudy für den Schutz der Riffe und gründete dazu gemeinsam mit Einheimischen eine Interessenvertretung. Ein erfreulich erfolgreiches Engagement: Das illegale Fischen hat massiv nachgelassen, das Saumriff vor White Beach wurde zum Marinepark erklärt, die Schutzzonen erweitert und neben vielen anderen Fischen genießen alle Haiarten vollen Schutz.

Bohol

Nur einen Katzensprung von Cebu entfernt, ist Bohol ursprünglich und rustikal. Man lebt hier von Landwirtschaft und Kleingewerbe. Bohols bekannteste Attraktion: die Chocolate Hills. In einer weiten Ebene erheben sich über 1.200 eigentümliche Hügel, alle gleichmäßig geformt und annähernd gleich hoch. Auch wenn eine Infotafel über die geologische Entstehung dieser weltweit einzigartigen Hügellandschaft aufklärt, es bleibt ihnen etwas Mystisches. Schokoladenbraun sind sie übrigens nur zur sommerlichen Trockenzeit, wenn die Graskuppen vertrocknen.

Ansonsten sehen sie mit frischem Grün eher aus wie Pfefferminzhügel. Unweit leben versteckt im Grün des Dschungels die Tarsier. Diese Koboldmakis sind mit weniger als zwölf Zentimetern Körpergröße die wohl kleinsten Äffchen der Welt. Ohren wie Satellitenschüsseln, langgliedrige, feine Hände, riesige kreisrunde Kulleraugen und froschartige Hinterbeine, mit denen sie sich von Baum zu Baum katapultieren – so ausgestattet wirken sie tatsächlich wie Kobolde.

"Von Anglerfischen an der Wand bis zu Makrelen und Schildkröten im freien Wasser gibt es hier immer etwas zu sehen. Auch bei Sanctuary lockt eine Steilwand mit großen Gorgonien, Schwämmen und Weichkorallen."

Beliebtestes Tauchziel auf Bohol ist Panglao. Eigentlich eine sehr dicht vor der Küste liegende Insel, doch eine Straßenbrücke macht sie zur bequem erreichbaren Halbinsel. Alona Beach im Süden Panglaos hat sich zum touristischen Mittelpunkt entwickelt, mit schönem Strand, vielen Tauchbasen und kleinen dicht an dicht liegenden Resorts. Von Rucksack-Unterkünften bis zur Fünf-Sterne-Unterkunft reicht das Spektrum. Zahlreiche Restaurants, Imbisse und Strandbars machen Alona Beach recht lebhaft.

Wer es ruhiger mag, findet im nahen Umkreis Alternativen. Zum Beispiel, nur zwei Kilometer entfernt von Alona, das direkt an einem Strand liegende Bohol Sea Resort: Henry Höppner hat es vor rund zehn Jahren eröffnet und 2011 wurde es komplett renoviert. Die Tauchplätze erstrecken sich nicht nur rund um Panglao. Auch etwas weiter draußen liegende Inseln werden regelmäßig angesteuert. Das macht das Tauchen sehr abwechslungsreich. Auf einem Tagestrip mit zwei Tauchgängen geht es zu Balicasag Island.

Einer der Topspots hier ist Diver‘s Heaven mit einer sehr schön bewachsenen Steilwand. Von Anglerfischen an der Wand bis zu Makrelen und Schildkröten im freien Wasser gibt es hier immer etwas zu sehen. Auch bei Sanctuary lockt eine Steilwand mit großen Gorgonien, Schwämmen und Weichkorallen. Regelmäßig hält sich hier ein mehr als tausend Fische großer Schwarm Stachelmakrelen auf. Und bei Black Forest stehen die Chancen gut, einem riesigen Schwarm großer Barrakudas zu begegnen. Sehen lassen kann sich auch das Hausriff, nur zwei Bootsminuten von der Basis entfernt. Es fängt im Flachwasser bei etwa vier Meter Tiefe an und zieht sich seewärts langsam tiefer. Das gesamte Areal bietet vor allem zahlreiche Makromotive, wie Geisterpfeifenfische, Nacktschnecken und Garnelen.

Negros

Negros ist eine der großen Philippinen-Inseln. In Reiseführern kommt sie jedoch recht kurz weg, geht es hier doch ganz überwiegend recht untouristisch zu. „Sugarlandia“, so nennen die Philippiner die Insel – wegen der endlos scheinenden Zuckerrohrfelder. Rohrzucker ist einer der wichtigsten Exportartikel der Philippinen und zwei Drittel der Landesproduktion kommen von Negros. Fast die Hälfte der Landfläche von Negros soll für den Anbau genutzt werden. So prächtig das Zuckerrohr gedeiht, so zaghaft blüht noch der Tourismus auf dieser großen Insel.

Im Nordosten von Negros liegt dem Ort San Carlos vorgelagert die kleine Insel Sipaway. Taucher können hier recht sicher sein, jeweils allein an den Tauchspots zu sein. Denn als Detlev Bilan 2005 das Whispering Palms Resort mit zugehöriger Tauchbasis eröffnete, war es das erste Resort auf Sipaway – und es ist bis heute das einzige. Die kleine Insel mit ihren zwei Dörfern, zu denen sich Ausflüge lohnen, ist also noch sehr authentisch und untouristisch. Man ist demnach weitgehend unter sich. Die Tauchplätze sind schön und abwechslungsreich, auch wenn nicht so spektakuläre Highlights darunter sind wie in manch anderen Gebieten. Dafür bieten sie gemütliches Tauchen an nicht zu tiefen Plätzen und zahlreiche Entdeckungen im Kleinbereich. Die meisten Tauchspots befinden sich, wie auch das Resort, an der Ostseite der Insel – was kurze Ausfahrten mit sich bringt.

Bei Sipaway Wall liegt das Riffdach in etwa fünf Meter Tiefe und fällt seewärts schräg, stellenweise auch steil bis auf 27 Meter Tiefe ab. Besonders an den Steilwänden wachsen große Büsche Schwarzer Korallen. Auch Seltenheiten wie Geisterpfeifenfische sind hier regelmäßig zu entdecken. Treasure Point hat ein bis auf fünf Meter Tiefe hochragendes, mit einem Steinkorallengarten bestandenes Riffdach. Am schräg bis 30 Meter abfallenden Hang wachsen markante Elefantenohrschwämme. Am Camote-Riff, das mit einem Schräghang auf 19 Meter Tiefe abfällt, sind häufig Büffelkopf-Papageienfische und Schildkröten zu sehen.

Malapasuca

Vor der Nordspitze von Cebu liegen drei kleine Inseln, eine davon ist Malapascua. Eine halbe Stunde nur dauert die Überfahrt mit einer Banka. Malapascua ist ein wunderbares Fleckchen Erde, das sich noch in der Anfangsphase der touristischen Entwicklung befindet und nach wie vor beinahe ein Geheimtipp ist. Bislang kommen vor allem die internationale Backpacker-Szene und die Taucher hierher. Von dem runden Dutzend feinsandiger Strände ist der traumhafte Bounty Beach im Süden von Malapascua der berühmteste.

Unweit davon, am südöstlichen Ende der Insel, liegt das Exotic Island Dive Resort. Es steht unter der holländisch-philippinischen Leitung von Dick und Cora de Boer. Die beiden haben im Jahr 1997 Malapascua im touristischen Sinne quasi entdeckt und dort das seinerzeit erste Taucherhotel eröffnet. Aus ihrer Sicht ist die Entwicklung seitdem rasant vorangeschritten. Aus Urlaubersicht ist es immer noch ein verträumtes Inselchen. Ein Highlight ist der Tauchplatz Monad Shoal, weltweit einer der ganz wenigen Tauchplätze, an denen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Fuchshaie zu sehen sind.

Die außergewöhnlichen, eleganten Tiere erscheinen hier mit steter Regelmäßigkeit fast jeden Morgen. Malapascua hat taucherisch jedoch noch weit mehr zu bieten als „nur“ Fuchshaie. Calangaman Island zum Beispiel. Die Anfahrt mit der Tauch-Banka dauert eine gute Stunde. Belohnt werden Taucher und Schnorchler bei dieser Bilderbuchinsel mit weißen Sandstränden und Steilwänden unterhalb der türkisklaren Lagune, an denen Schwarze Korallen neben bunten Bäumchenkorallen prachtvoll gedeihen. Zu dem großen Artenreichtum im Makrobereich gesellen sich hin und wieder auch mal große Fische, darunter die bereits bekannten Fuchshaie.

Ebenfalls ein Topspot von Malapascua ist Gato: Hier locken ein prächtiger Bewuchs und viele Kleintier-Raritäten wie Nacktschnecken in allen Größen und Farben, Pygmäen-Seepferdchen und Anglerfische. Nur zehn Bootsminuten von der Basis entfernt kann man am Tauchplatz Labus Labus einen flachen Korallengarten mit zauberhaft bewachsenen kleinen Überhängen bestaunen. Auch ein Wrack steht auf dem Programm der Tauchbasis. Die „Dona Marilyn“, ein 1982 gekentertes Frachtschiff, avancierte inzwischen zu einem der beliebtesten Tauchwracks der Philippinen. Es ist über und über mit Weichkorallen bewachsen und eine unglaubliche Vielzahl an Meeresbewohnern hat es als Wohnstube okkupiert.

Länderinfo: Philippinen

Foto: Gerald Nowak

Foto: Gerald Nowak

Die Philippinen sind eine Inselgruppe und ein Staat im westlichen Pazifischen Ozean und gehören zu Südostasien. Zu den Philippinen gehören 7107 Inseln, 3144 sind mit Namen versehen und circa 880 sind bewohnt. Die meisten Inseln sind nicht größer als einen Quadratkilometer. Die Inselgruppe wird in in drei Regionen unterteilt:

  • die Inselgruppe Luzon im Norden
  • die Inselgruppe Visayas in der Mitte
  • die Inselgruppe Mindanao im Süden

Das Klima wird von der Nähe zum Meer geprägt. Die Durchschnittstemperatur beträgt 26 Grad.
Die Philippinen sind bekannt für ihren Korallenreichtum, leider sind viele Korallenriffe von der Korallenbleiche betroffen. Nur vier Prozenz der Korallenriffe gelten als gesund.

Auf den Philippinen werden 171 Sprachen gesprochen. Die meisten Sprachen sind Malayo-Polynesische Sprachen. Filipino ist die Amtssprache.

Kulinarisch bieten die Philippinen einen Mix aus spanisch-mexikansicher, chinesischer, indischer, japanischer und amerikanischer Küche.

Tauchen ist ein Muss auf den Philippinen. Auf dem ganzen Archipel sind Tauchbasen verteilt. Die Tauchausbildung erfolgt nach PADI-Richtlinien und die meisten Tauchplätze erreicht man in kürzester Zeit.

Dieser Artikel ist erschienen in 05/2011
Zum HeftarchivCover der Silentworld-Ausgabe 5/2011
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