Lockruf der Ferne
Die Entstehungsgeschichte der Pindito
Ein selbst gebautes Schiff brachte den Schweizer Edi Frommenwiler an sein Ziel: Eintauchen in das Unbekannte. Die Geschichte eines Reisenden.
Lockruf der Ferne
Die Entstehungsgeschichte der Pindito
Edi Frommenwiler studiert abwechselnd die Seekarte und die Inselgruppe, die sich verlockend vor dem Bug der „Pindito“ erstreckt. „Wir schauen mal dort vorbei“, sagt er zu seinem Kapitän, zeigt auf ein kegelförmig aus dem Meer ragendes, tropisch grünes Eiland und bekommt dabei diesen Entdeckerblick. Neuland entdecken, selbst heute keine Seltenheit hier in Raja Ampat, schon gar nicht auf einer Tauchsafari mit dem Traditionsschiff „Pindito“. Wo liegt Raja Ampat?
Vielen dürfte der Archipel vor Neuguinea im indonesischen Irian Jaya etwa so unbekannt sein wie die Rückseite des Mondes. Tatsächlich ist er eines der letzten weitgehend ursprünglichen Gebiete der Erde. Oder, anders ausgedrückt: Wildnis. Unter Meeresbiologen ist Raja Ampat berühmt für seine enorme Artenvielfalt und auch in Taucherkreisen gewinnt das Gebiet zunehmend an Bekanntheit – beides nicht zuletzt auch ein Verdienst des Schweizers Edi Frommenwiler. Doch der Reihe nach.
Es war ein langer Weg von der Schweiz bis Raja Ampat, ein abenteuerlicher und alles andere als geradliniger. Doch eine Konstante gab es, eine treibende Kraft: Schon früh zog es Edi hinaus in die Welt. Er hatte eine Mechanikerlehre absolviert und hätte gleich anfangen können in seinem Beruf. Stattdessen ging er fünf Tage nach dem Ende der Lehre auf große Tour. Edi erinnert sich noch genau. „Es war der 5. September 1976, ich war 20 Jahre alt und fuhr mit einem LKW los. Zuerst nach Saudi-Arabien, dann Kuwait, Irak, Iran, das damals noch Persien hieß, und weiter. Zwei Jahre lang.“
In dieser Zeit hat er 18 Reisen gemacht. Dann kam er zurück in die Schweiz, um dort zwei Jahre lang zu arbeiten. Was ihm an Geld übrig blieb, legte er zur Seite – um davon eine Weltreise zu machen. Klar, dass es so jemanden auf Dauer nicht zwischen den Bergen hält. Im Sommer 1980 packte Edi seine Sachen und machte sich wieder auf den Weg. „Ich wollte rund um die Welt fahren, und zwar nur mit Zug und Schiff.“ Als Auftakt ging es mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland. Bis Taiwan hat er es auf die traditionelle Tour geschafft. Dort gab es jedoch keine Möglichkeit, die Reise per Schiff fortzusetzen. „Mir blieb keine Wahl, also machte ich meinen ersten Flug, von Taipeh nach Hongkong“, erinnert sich Edi.
„Von dort ging es weiter nach Philippinen, Burma und Thailand bis Indonesien.“ Seine nächste Station war Australien: „Hier habe ich mir ein altes Auto gekauft und bin ein halbes Jahr in dem Land rumgefahren.“ Danach zog es ihn nach Neuseeland – liegt ja schließlich gleich nebenan. Das hat er mit dem Fahrrad erkundet. „Ich wollte eben schon immer ein bisschen reisen“, kommentiert Edi lakonisch seine Weltendeckungen und scherzt: „Ist ja auch nicht schwer, ein Schweizer fällt zweimal um und ist in einem anderen Land.“
"Einige Tauchreisen später, darunter nach Tahiti, hatte er einen Plan: Er brauchte ein eigenes Schiff"
Nun ist früher oder später auch beim sparsamsten Globetrotter die Reisekasse leer. Bei Edi war es nicht anders. Doch er machte aus der Not eine Tugend und seine Reiseleidenschaft zur Teilzeitbeschäftigung. Als Freelancer, heute würde man bürokratisch korrekt Leiharbeiter sagen, begann er Trekking- und Abenteuerreisen zu leiten. Es folgten acht Jahre, in denen er als Reiseleiter in Südamerika, besonders in Brasilien, aber auch in Indonesien, unterwegs war.
„War schön, war geil – aber kein Geld verdient“, fasst Edi diese Jahre zusammen. Zwischendurch hat er daher wieder auf dem Bau gearbeitet. Mancher hätte sich nach solchen „wilden Wanderjahren“, immerhin 80 Länder hatte er bis dahin bereist, wohl in die Sicherheit einer Arbeitsstelle in der Schweiz begeben. Edi ist erst mal nach Phuket/Thailand geflogen. Eigentlich wollte er dort einfach mal nur Ferien machen. Wie das so war? Nach zwei Tagen sei ihm langweilig geworden – warum nur verwundert einen diese Antwort nicht? Zum Glück habe er Leute mit Tauchflaschen gesehen und beschlossen: Ich lerne tauchen.
Einige Tauchreisen später, darunter nach Tahiti, hatte er einen Plan: Er brauchte ein eigenes Schiff. Sein größtes Projekt begann in dem kleinen Ort Kota Baru auf der Insel Pulau Laut im Südosten Borneos. Der Baubeginn, bei Schiffen traditionell die Kiellegung, war im Jahr 1991, zu seinem Geburtstag am 31. März. Zusammen mit 60 einheimischen Schiffsbauern entstand nach seinen Vorstellungen ein großes, solides Holzschiff in traditioneller Bauweise. Jetzt machte ihm die Arbeit am Bau richtig Freude, brachte aber auch jeden Tag neue Herausforderungen. Anfangs war seine indonesische Frau als Dolmetscherin auf der Baustelle unentbehrlich.
Mit dem Schiff wuchsen jedoch auch seine indonesischen Sprachkenntnisse, und bald schon konnte er jede Idee mit den Schiffsbauern selbst besprechen. Ein Jahr dauerten die Arbeiten. Für Edi eine ungewohnt sesshafte Zeit, in der er stets ein Ziel für sein Schiff vor Augen hatte: „Ich wollte hingehen, wo niemand ist.“ Um es vorwegzunehmen, es ist ihm gelungen. Im April 1992 kreuzte er dann mit seinen ersten Gästen durch die Bandasee und vor Ambon. Auf dem Tourprogramm standen rasch auch die Seramsee und Raja Ampat.
Die „Pindito“ war das erste Tauchsafari-Schiff in diesen Gebieten. Waren mal keine Gäste an Bord, wurden eben neue Tauchplätze erkundet – teils aber auch auf Touren mit Gästen. Es war Pionierarbeit, denn vorher war am Großteil der besuchten Riffe noch niemand getaucht.
Bis heute ist die „Pindito“ ohne größere Unterbrechungen unterwegs, etwa 20 Touren stehen pro Jahr auf dem Programm. Häufig variieren die Routen, weil es so viele Optionen gibt – und noch so vieles zu entdecken! So gibt es immer auch Törns, auf denen zusammen mit Gästen neue Tauchplätze erkundet werden. Schon früh hat Edi auf seinen Tauchsafaris mit der „Pindito“ einen Blick für die Tierwelt im Riff entwickelt.
Er begann, die Artenvielfalt professionell mit der Filmkamera zu dokumentieren. Nach mehreren Kamera- und wasserdichten Gehäusegenerationen filmt er heute mit einer „Red One“, einer Kamera in voller IMAX-Qualität, die auch bei Filmaufnahmen in Hollywood genutzt wird. Unterwasserfilme von Edi waren schon im Abendprogramm bei verschiedenen TV-Sendern zu sehen. „Es werden viele Filme über Haie, Wale, Delfine und große Fische gemacht.Ich finde, die Kleintiere sind genauso wichtig. Sie sind genauso wichtig für unsere Ökosysteme und verdienen es, gleichermaßen bekannt gemacht und geschützt zu werden.“
So handeln Edis Filme vor allem von Garnelen und Schnecken, Seepferdchen und anderen seltenen Kleinfischen und all den vielen, meist kaum bekannten Bodenbewohnern. Er hält diesen biologischen Reichtum im kaum erforschten Raja Ampat und der Bandasee nicht nur in seinen Filmen fest. Früh erkannte er die Einzigartigkeit dieser Gebiete. Er setzte sich ein Ziel: Deren enorme Artenvielfalt bekannter zu machen und sie in Meeresschutzgebieten zu bewahren.
Dazu lud er unter anderem im Jahr 2002 Wissenschaftler zu einer viel beachteten und erfolgreichen meeresbiologischen Expedition auf die „Pindito“ ein. Und er engagierte sich schon vor vielen Jahren bei den indonesischen Behörden für die Errichtung von Schutzgebieten. Der Globetrotter ist damit nicht nur zum Dokumentarfilmer, sondern auch zum Fürsprecher einer einzigartigen Unterwasserwelt geworden.
Die Pindito

Foto: Manuela Kirschner
Name:
Pindito
Länge gesamt:
42 Meter
Länge Deck:
33 Meter
Breite:
8,5 Meter
Steckdosen:
220 Volt, kein Adapter notwendig
Kabinen:
acht Doppelkabinen (vier mit King-Size-Bett, vier mit zwei Betten), Dusche/WC, individuell steuerbare Klimaanlage
Sonnendeck:
sehr groß, teils mit Sonnenschutzplane, Liegestühle und Decksmatten
Kameraraum:
separater Raum für die Vorbereitung und Lagerung der Kameraausrüstungen
Ausstattung:
modernste Navigation- und Sicherheitsausrüstung wie Radar, Echolot, GPS sowie Rettungsmittel, vier Zodiacs, Sauerstoff inklusive Wenoll-System
Ausrüstung:
11,2-Liter-Alu-Flaschen (DIN/INT), zwei Bauer-Kompressoren, Nitrox-Membrananlage 32 Prozent, acht komplette Leihausrüstungen
Route: Nusa Tenggara Tour:
Von Denpasar (Bali) über Lombok, Sumbawa, Sangeang und Banta nach Komodo und zurück. Daneben einige weitere Touren.
Kontakt:
www.pindito.com
Reise Information:
Die Biodiversity-Tour findet nur zwei Mal jährlich statt (16 Nächte an Bord) und geht über 1100 nautische Meilen. Sie durchquert die Bandasee, führt durch die unterschiedlichsten geologischen Formationen Indonesiens, Vulkaninseln und das fantastische Raja Ampat im Westen Papuas. Im Oktober startend von Flores (Nusa-Tengara) nach Irian Jaya (West-Papua), Sorong. Im Mai startet die Tour ab Sorong nach Flores.
Tauchen:
Raja Ampat und Bandasee erfüllen taucherisch höchste Ansprüche. Besonders beindruckend ist die üppige Vielseitigkeit der Tauchgebiete. Es gibt traumhafte Rifflandschaften mit unglaublichem Reichtum, Makrogebiete, ideale Nachttauchplätze, Critters und Großfische. Die Tour führt durch weitestgehend unberührte Tauchgebiete, fernab aller Massen. Und damit auch fernab einer Dekokammer. Jeder Taucher sollte in seinen Tauchfertigkeiten so sicher sein, dass er selbstständig mit seinem Tauchpartner tauchen kann.
Anreise:
Zum Beispiel mit Singapore Airline ab Frankfurt über Singapore nach Manado/Sulawesi. Von dort geht es mit einem Inlandsflug weiter nach Sorong, ab Sorong Airport Transfer zum Schiff. Das Schiff liegt im Hafen von Sorong. Da die Abflüge ab Manado früh morgens sind, die Ankünfte aus Singapore aber in den Nachmittag fallen, muss vor dem Weiterflug nach Sorong eine Zwischenübernachtung in Manado eingeplant werden.
Das Schiff:
Die Pindito ist ein 42 Meter langes Holzschiff in traditioneller Bauweise eines Motorseglers. Eigner und Tauchguides sind deutschsprachig. Die solide und geräumige Ausstattung des Schiffes erlaubt ein ausgesprochen entspanntes Bordleben. Die Kabinen verfügen über Klimaanlage, 220-Volt-Stromanschlüsse, und einen eigenen Dusch-/WC-Raum Das gesamte Konzept wendet sich an anspruchsvolle Taucher. Getaucht wird von vier Schlauchbooten aus und damit in kleinen Gruppen.
Die Crew trägt die Tauchausrüstung in die Zodiac-Schlauchboote und wieder zurück, jegliche Schlepperei für den Gast entfällt also. Es werden täglich drei Tauchgänge plus ein Nachttauchgang angeboten, nur die An- und Abreisetage sind tauchfrei. Landausflüge, zum Beispiel in die Städte Banda Neira oder Maumere, stehen ebenfalls auf dem Programm. Außer den Biodiversity-Touren werden weitere Touren angeboten, zum Beispiel Komodo- oder Raja-Ampat-Touren.
Küche:
Frühstück wird als Buffet serviert, Mittag- und Abendessen als Tellergericht. Das Frühstück ist europäisch, Mittag- und Abendessen sind indonesisch-fernöstlich. Alles ist sehr geschmackvoll, reichlich und wird in stilvoller, locker-geselliger Atmosphäre serviert. Zwischendurch gibt es erfrischende Getränke, Kaffee und Tee sowie kleine Leckerbissen. Alkohol wird erst nach dem letzten Tauchgang ausgeschenkt. Vollpension inklusive aller Getränke (außer Wein) ist im Reisepreis inbegriffen.
Infos und Buchung:
www.pindito.com
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