Kabine mit Aussicht
Tauchsafari durch die Malediven
Vor dem Kabinenfenster taucht ein Traum von Insel auf. So ein kleines unbewohntes Eiland inmitten einer türkisen Lagune. Mit sattgrünen Palmen und einem weißen Ring unberührten Sandstrandes. Einmal Auszeit auf so einem Robinson-Eiland nehmen, das wäre es. Genau bei dem Gedanken macht die Atoll Explorer halt und das große Beiboot kommt längsseits. Das bedeutet, beim Träumen bleibt es nicht. Minuten später zeichnen sich erste Fußabdrücke in den Sand. Für ein paar Stunden wird der Inseltraum zu unserem ganz realen Privat-Eiland. Die Mannschaft hat für Sitzgelegenheiten gesorgt und so träumen einige Gäste unter Palmen. Andere liegen am Strand oder umrunden das Eiland. Einer genießt den Luxus, der einzige Windsurfer vor sonst segelfreiem, unendlich weitem Horizont zu sein. Später, zurück an Bord, muss niemand wehmütig zurückblicken auf das Eiland. Denn Aussichten wie diese gibt es reichlich in den nächsten Tagen.
Kabine mit Aussicht
Tauchsafari durch die Malediven
Reichlich zu sehen gibt es auch unter Wasser. Gestern kreuzte die „Atoll Explorer“ noch im Süd-Malé-Atoll und auf dem Tauchprogramm standen die Velassaru Caves. Am Riffhang ging es in 15 bis 30 Meter Tiefe vorbei an zahlreichen Überhängen. Viele dieser „Caves“ sind prächtig bewachsen mit großen Gorgonienfächern und Peitschenkorallen. Eine mittelstarke Strömung sorgte für einen gemütlichen Drifttauchgang. Nur ein knappes Dutzend Adlerrochen hatte es eiliger und zog mit lässigem Flügelschlag auf der Überholspur an der Tauchgruppe vorbei.
„Morgen sind wir schon im Rasdhoo-Atoll“, informiert Mohamed Saeed. Der Malediver leitet seit zehn Jahren die Euro-Divers-Basis auf der „Atoll Explorer“. „Um sechs Uhr in der Früh tauchen wir dort am Hammerhead Point.“ Nach Ausschlafen klingt das nicht. Die kurze Abwägung – Tauchen oder bis zum Frühstück durchschlafen – entschieden die imposanten Räuber klar für sich. Wer will sich schon den besten Hammerhai-Spot der Malediven entgehen lassen? Also beginnt der heutige Tag mit einer satten Dosis Adrenalin.
Zügig taucht die Gruppe im Morgengrauen hinab auf 30 Meter. Mit der Riffkante im Rücken und dem Blick ins Freiwasser steigt die Spannung. Und schon schälen sich mächtige graue Silhouetten aus dem Blaugrau der Morgendämmerung. Plötzlich sind sie ganz nah. Wie suchend pendeln ihre markanten Köpfe im Rhythmus der bedächtigen Schwimmbewegungen aus. Die volle Aufmerksamkeit gehört jetzt einzig und allein den Hammerhaien. Ein beeindruckendes Erlebnis und ein toller Start in den neuen Tag. Die „Atoll Explorer“ ist eine Klasse für sich.
Mit 50 Metern Länge und über 13 Metern Breite ist sie äußerst geräumig. Ihre Bauweise erinnert weniger an die typischen Tauchsafari-Schiffe, mehr schon an ein kleines Kreuzfahrtschiff. Und mit den Panoramascheiben hat man einen Coup gelandet: So viel Licht und Ausblick im Salon und in den Kabinen ist man von Tauchsafaris nicht gewöhnt. Dazu kommt noch ein großes Tauchdhoni als Begleitboot, das auch für die Inselausflüge genutzt wird. Vor allem jedoch: Auf diesem Schiff machen nicht nur Taucher Urlaub.
Oft halten sich Taucher und Nichttaucher in etwa die Waage. Denn neben dem vollwertigen Tauchprogramm mit zwei bis drei Tauchgängen am Tag stehen Besuche von Hotelinseln, Einheimischen-Inseln und unbewohnten Robinson-Eilanden auf dem Programm, ebenso wie Schnorchel- und Barbecue-Ausflüge. „Wir wollten auf jeden Fall mehr von den Malediven sehen als nur eine Insel, wenn wir schon so weit fliegen“, bringen es Jane und Peter, ein britisches Paar, auf den Punkt. Als Nichttaucher steht für die beiden das Inselreich im Vordergrund.
"Hier sitzt man in der ersten Reihe, um die in einer Kurve wie bei einem Tanzreigen heranfliegenden Mantas atemberaubend nah zu erleben"
Die „Atoll Explorer“ ist inzwischen auf Südkurs vom Rasdhoo-Atoll zum Ari-Atoll unterwegs. Nächster Tauchstopp: Hafsa Thila. An der Ostseite des kleinen Riffs sind oft einige Graue Riffhaie zu sehen, heißt es beim Briefing. Eine Garantie gibt es natürlich nicht. Doch nach einer Viertelstunde, in der es auch sonst genügend am Riff zu sehen gibt, kreuzen zwei imposante Exemplare vor dem Riff entlang. Man taucht weiter und schraubt sich dabei langsam das kleine Thila hoch bis zum Riffdach in acht Meter Tiefe, wo besonders viele Anemonenfische in kleinen Feldern ihrer Wirtsanemonen ein Zuhause gefunden haben.
Die Tour führt weiter durch das gesamte Ari-Atoll von der Nord- bis zur Südspitze. Damit steht der ganze abwechslungsreiche Mix aus Außenriffen mit Chancen auf Großfische und besonders schön bewachsene Giris und Thilas auf dem Tauchplan – und natürlich stehen auch Mantaplätze zur Wahl. Unser Manta Point heißt Madivaru und er hält, was der Name verspricht. Und noch mehr. Denn im Gegensatz zu manchen anderen Mantaplätzen, die sich nur lohnen, wenn die Riesenrochen anwesend sind, ist dieses Riff immer ein Tipp.
Es bietet interessante Überhänge und Höhlungen sowie eine große Fülle an Fischen wie zahlreiche Blaustreifen-Schnapper, Doktorfische, Muränen, Napoleons und häufig auch Schildkröten. Doch zugegeben, die Mantas stehlen ihnen allen die Show. Mindestens zehn Tiere zählte die Tauchgruppe. Es reicht, sich bei den Putzerstationen zu positionieren. Hier „sitzt“ man in der ersten Reihe, um die in einer Kurve wie bei einem Tanzreigen heranfliegenden Mantas atemberaubend nah zu erleben. Ist ein Manta fürs Erste fertig, schwimmt er meist nicht auf und davon, sondern zieht eine Schlaufe und kehrt nach einigen Minuten zurück – bereit für die nächste Putzrunde.
"Auf jeden Fall jedoch ist Maamigili der größte und dauerhafteste Versammlungsplatz für die Walhaipopulation der Malediven"
Mit einem weiteren Taucher-Highlight lockt die Südspitze des Ari-Atolls: Maamigili Beru, einer der bekanntesten und besten Plätze für Walhaibeobachtungen. Das Besondere: Walhaisaison ist hier prinzipiell das ganze Jahr über. Auch hier gilt: Das Areal ist Natur pur, kein Tierpark, Walhaigarantie gibt es also nicht. Auf jeden Fall jedoch ist Maamigili der größte und dauerhafteste Versammlungsplatz für die Walhaipopulation der Malediven. Diesmal sind auch Schnorchler mit auf unserem Tauchdhoni, denn die Walhaie lassen sich hier gleichermaßen gut schnorchelnd und tauchend erleben. Wir haben Glück.
Eine halbe Stunde halten wir Ausschau, da schneidet unweit unseres Dhoni eine große Flosse durch die Wasseroberfläche. Im Nu wird es in Position gebracht, Taucher und Schnorchler abgesetzt. Der friedliche Planktonfresser lässt sich nicht stören und gleitet dicht unter der Oberfläche durch das ruhige Wasser. So gemächlich zieht er seine Bahn, dass unsere Gruppe eine gute Weile mithalten kann. Zu den geselligen Höhepunkten der Woche zählt auch das Barbecue-Dinner auf einer unbewohnten Insel.
Das Schiffspersonal hat einige Stunden zuvor alles hinübergeschafft, was die Robinsonade angenehm macht. Tische nur Schritte vom Meer entfernt, der Strand mit Fackeln illuminiert – da ist der Rest der Welt noch einmal ein gutes Stück weiter entfernt, als es ohnehin schon empfunden wird. Barfuß auf warmem Sand, unterm Sternenhimmel und mit Meeresrauschen – auf einem Fleck irgendwo im Indischen Ozean. Wer hier nicht völlig entspannt, schafft es nirgendwo.
"Eine Besinnung auf das Wesentliche einer Kreuzfahrt. Stunden müßig im Liegestuhl auf dem Sonnendeck verbringen, mit einem Buch, einer Plauderei oder den eigenen Gedanken"
Einen Eindruck vom Leben der Einwohner abseits der Touristeninseln gibt tags darauf der Besuch einer Fischerinsel. Ausflüge auf verschiedene Hotelinseln stehen in der Woche ebenfalls auf dem Plan. Eine prima Gelegenheit, die eine oder andere Insel zu testen, vielleicht für den nächsten Malediven-Urlaub. Viele Gäste kombinieren auch eine Woche Schiff mit einer auf einer Insel. Dass die „Atoll Explorer“ im direkten Vergleich punktet, zeigt der große Anteil an Wiederholern unter den Gästen. Auf dieser Tour war jeder dritte Gast mindestens schon einmal auf der „Atoll Explorer“, der übliche Schnitt.
Das liegt vor allem am gewinnenden Ambiente des Schiffes. Es hat etwas von einer großen Yacht. Eine Besinnung auf das Wesentliche einer Kreuzfahrt. Stunden müßig im Liegestuhl auf dem Sonnendeck verbringen, mit einem Buch, einer Plauderei oder den eigenen Gedanken. Mit einem Cocktail neben sich, dazu Meeresbrise und weiter Horizont. Nach dem Dinner auf Deck unter den Sternen sitzen. Oder gesellig in der Lounge-Bar. Dazu immer neue Trauminseln, makellose Puderstrände, Palmen, Lagunen. Der Tagesablauf hat so etwas Gemächliches, wie das sanfte Platschen der Wellen am Lagunenstrand. Es wird geboten, was wohl immer mehr Menschen von einer Kreuzfahrt erwarten und schätzen. „Old fashioned way of yachting“, wie es ein britischer Gast ausdrückt.
Ein in gewisser Weise puristisches Konzept, das sich an Traditionen des Yachtings orientiert. Vielleicht markiert es zugleich schon wieder einen aktuellen Trend. Reisen, um Länder und ihre Besonderheiten zu entdecken. Reisen, um zu sich zu kommen, mit der richtigen Prise Geselligkeit. Dazu erstklassige Tauchgänge mit der ganzen Vielseitigkeit, wie sie eine Kreuzfahrt durch mehrere Atolle bietet.
Die Atoll Explorer

Die „Atoll Explorer“ verfügt über 20 komfortabel ausgestattete Kabinen, wahlweise mit Panoramafenster oder kleinem Balkon. Zur Ausstattung gehören ein Doppelbett oder zwei Einzelbetten, Klimaanlage, Telefon, separates Bad mit Dusche und WC. Neben dem großen Restaurant gibt es eine Lounge-Bar und zwei Sonnendecks, eines davon mit Jacuzzi. Das Essen an Bord wird allgemein hoch gelobt. Küchenchef Patrick sorgt jeden Tag für eine neue und reiche Auswahl an internationalen Gerichten.
Der Dresscode für das Dinner: legere Kleidung. Auf dem Tauchdeck gibt es eine komplett ausgestatte Euro-Divers-Tauchbasis. Zum Angebot gehören kostenfreies Nitrox für entsprechend zertifizierte Taucher, Ausbildung nach PADI vom Discover Scuba Diver bis zum Open Water Diver und verschiedene Spezialkurse wie Digitalfotografie, Fischbestimmung oder Strömungstauchen. Zwei Routen werden im wöchentlichen Wechsel gefahren.
Start und Ende der Touren sind stets im südlichen Nord-Malé-Atoll im Bereich der Insel Kurumba, die mit dem Schnellboot nur 15 Minuten vom internationalen Flughafen entfernt ist. Die eine Tour führt von hier in das nördliche Süd-Malé-Atoll, Rasdhoo- und Ari-Atoll, die andere Tour durch das Süd-Malé- und Ari-Atoll. Einige Gäste buchen gleich beide Wochentouren hintereinander als 14-tägige Tour. Beliebt ist auch eine Kombination der Safari mit einem Inselaufenthalt.
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Dieser Artikel ist erschienen in 04/2011
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