Inselparadies im Pazifik: Yap

Mantastisches Mikronesien

Mantas, Haie und Steilwände schon in anfängerfreundlichen Tiefen – wegen dieses Triumvirats reisen Taucher nach Yap. Die Insel in der pazifischen Wasserwüste bietet obendrein noch Einblicke in die interessante Kultur Mikronesiens. Nur die Anreise via Japan und Guam ist eine „Ochsentour“. Aber so ist das nun einmal mit den echten Paradiesen: Sie liegen in den seltensten Fällen direkt vor der Haustür ...

Inselparadies im Pazifik: Yap

Mantastisches Mikronesien

von Carsten Rössler

„Habt Ihr Schneewittchen gesehen?“ Judy Bennett strahlt übers ganze Gesicht, während sie noch die Bordleiter hinaufklettert. Ihre tropfenden Tauchpartner blicken amüsiert bis verwirrt drein. Wovon spricht die Frau? Und überhaupt: Was hat eine abendländische Märchengestalt zehn Meter unter der Wasseroberfläche im Pazifik verloren?

Guide Matt setzt sein stilles, wissendes Lächeln auf. Doch bevor er sich räuspert und Aufklärungsarbeit leistet, schiebt er sich erst einmal in aller Ruhe eine Betelnuss zwischen die Zähne. So, wie es fast alle Menschen in Yap im Akkord tun. Das Wesen mit dem märchenhaften Namen ist ein schneeweißer Mantarochen. Genauer gesagt: ein anmutiges Weibchen mit Pigmentfehler. Ihre vier „normalen“ Gefährten, die eben noch die fünf Meter flache Putzerstation in den Schatten getaucht haben, fallen bei der regen Unterhaltung an Bord glatt unter den Tisch. Genauso wie die Weißspitzenriffhaie, der Grauhai und das ganze Sammelsurium kunterbunter pazifischer Korallenfische, das vor den Wänden des Mi'il Channel auf und ab tanzt.

Manta Ray Bay

Während üppige Mangrovenwälder an uns vorbeirauschen, nehmen wir Kurs aufs Manta Ray Bay Resort, das seinerseits fast so ein Original ist wie „Schneewittchen“. In den frühen 1980ern kam ein Texaner namens Bill Acker als Mitglied der „Peace Corps“ nach Yap. Mit der Entwicklungshilfe kam die Liebe, dann die Familie und kurz darauf ein heißer Tipp aus der Tauchsportbranche.

Mantas und Haie im Flachwasser und das mitunter während ein und desselben Unterwasserausflugs, so versicherte ihm US-Tauchpionier Paul Tzimoulis, sei auch im Pazifik alles andere als Standard. Mit dem 1986 eröffneten Manta Ray Bay Resort begründete Bill Acker im Alleingang den Tourismus in Yap, entdeckte mal eben das Gros der Tauchplätze und ist heute auch nach 26 Jahren noch tonangebend.

Heutzutage verfügt sein Hotel über 35 geräumige Zimmer mit Internet, DVD-Player und Kühlschrank, eine Tauchbasis unter deutschsprachiger Leitung mit acht Booten, einen fest verankerten indonesischen Segelschoner als Restaurantschiff und einen Spa. Außerdem gibt es eine für dortige Verhältnisse reiche Auswahl an Aktivitäten von Angelausfahrten über Strandtrips bis hin zu Kultur- und Inselausflügen zu den berühmten Steingeld-Banken, zu Überbleibseln der deutschen Kolonialgeschichte – die „Hauptstadt“ heißt nicht umsonst Colonia – und zu von Schüssen durchsiebten Flugzeugwracks aus dem Zweiten Weltkrieg.

"Auf dem 56 Quadratkilometer großen Konglomerat aus vier Inseln gibt es kaum mehr als hundert Hotelzimmer"

Rund zweitausend Kilometer östlich der Philippinen im Pazifik gelegen, gehören etwa 145 Inseln zu Yap. Innerhalb des gleichnamigen Bundesstaates innerhalb der Föderierten Staaten von Mikronesien ist allein die Hauptinsel Yap Proper touristisch erschlossen worden. Und selbst das ist relativ: Auf dem 56 Quadratkilometer großen Konglomerat aus vier Inseln gibt es kaum mehr als hundert Hotelzimmer.

Dem Klischee vom Südseeparadies kommt die Insel tatsächlich sehr, sehr nah. Mit dem Klischee vom flachen Koralleneiland im Maledivenformat hat zumindest die Hauptinsel Yap Proper nicht viel gemein. Von Nord nach Süd erstrecken sich die über Brücken verbundenen Eilande über immerhin achtzehn Kilometer. Kandidaten für den „Inselkoller“ können also aufatmen und sich sogar auf einen kleinen Bummel im 3.216-Seelen-Städtchen Colonia – man sagt Hauptstadt von Yap dazu – freuen.

Mehr als achtzig Prozent der Küste sind von dichten Mangrovenwäldern bedeckt, deren Erkundung per Kajak – doch die gibt es im Manta Ray Bay Resort – ein eindrucksvolles Erlebnis ist. Im Zehnminutentakt wechseln sich von traditionellen „Men's Houses“ gesäumte Buchten mit schattigen Urwaldkanälen ab, in denen Reiher, zeternde Flughunde und leuchtend rote Mangrovenkrabben zu Hause sind.

Ganz zu schweigen von den bizarren Stimmungen, die im Zusammenspiel von Licht und Schatten, Dunst und Spiegelungen entstehen. Wer sich an der richtigen Stelle der Küste zuwendet, dem erschließen sich ebenso schmale wie extrem flach abfallende Strände, an den Kokospalmen wuchern wie hierzulande die Brennnesseln. Strandbars, Bananenboote und Hotels sucht man weit und breit vergebens. Bestenfalls entdeckt man ein traditionelles Auslegerkanu. So viel Wasser vor den Augen weckt natürlich den submarinen Abenteuergeist eines jeden Tauchers.

"Gerade einmal einen Meter über unseren Köpfen verharrt der 'fliegende Teppich' bewegungslos und lässt sich von unseren Luftblasen die Bauchseite kraulen"

Am nächsten Morgen beschließen wir, den Haien am Vertigo Reef an der Westküste einen Besuch abzustatten. Noch während wir an der Boje anlegen, erscheinen – wie auch bei darauf folgenden Besuchen – die ersten Schwarzspitzen-Riffhaie am Boot. Als wir über dem in acht Meter gelegenen Plateau ankommen, sind es schon vier Tiere und ein Blick über die Riffkante verrät, dass auch die größeren Grauhaie realisiert haben, dass wieder einmal Taucher zu Besuch sind.

In zwölf Metern Tiefe weist uns der Guide einen Platz auf abgestorbenen Korallen zu. Hai-Kino vom Feinsten. Gut zwanzig der eleganten Räuber schweben im kristallklaren Wasser vor dem hundert Meter tiefen Abgrund. Nicht selten kommen einzelne Tiere bis auf zwei Meter heran. Obwohl wir von ihren gelben Katzenaugen genau unter die Lupe genommen werden, sind die Tiere mit den blubbernden Gestalten in den Neoprenanzügen vertraut und machen keinerlei Anstalten, uns aus ihrem Revier zu vertreiben.

Viel intensiver kann ein Naturerlebnis kaum sein. Siebzig Minuten und knapp 200 Fotos später ist der Grundtenor an Bord eindeutig: „Wann dürfen wir wieder ins Wasser?“. Tauchlehrer Jan winkt lachend ab: „Vielleicht morgen, gleich fahren wir erst mal zu den Mantas.“ Dort, wo kleine Putzerfische größere Meeresbewohner von Parasiten reinigen, wird man fast immer fündig.

Nach dem Boxenstopp an der Putzerstation schwimmt der erste Manta einen Schlenker in Richtung Tauchergruppe und verdunkelt die Sonne über uns. Gerade einmal einen Meter über unseren Köpfen verharrt der „fliegende Teppich“ bewegungslos und lässt sich von unseren Luftblasen die Bauchseite kraulen. Mehr als 100 verschiedene Tiere wurden vom Team der Yap Divers in den letzten zwanzig Jahren identifiziert.

Und die Suche dauert an: „Wer ein Tier findet, darf ihm einen Namen geben“, verspricht der Chef der Tauchbasis im Manta Ray Bay Resort, Jan Sledsens. Nur selten vergeht eine Woche ohne Manta-Sichtungen. Dafür bürgt Hoteleigentümer Bill Acker mit seiner Brieftasche: „Wer eine Manta-Garantie bucht, der bekommt sie auch“, verspricht er. „Wer in sieben Tagen nicht einen einzigen sieht, bekommt sein Geld für alle Tauchgänge zurück.“

Revier für Großfischfans

Yap allein auf Mantas und Haie zu reduzieren, wäre bei aller Liebe zu den „Big Boys“ nicht passend. Das Außenriff vor der Westseite stürzt an vielen Stellen mehr als hundert Meter hinab in die Tiefe; die Ostseite punktet mit lieblichen Steinkorallenterrassen und die Innenriffe diesseits der Lagune überraschen als vielseitiges Makrorevier mit weißen Fangschreckenkrebsen, Schaukelfischen und einer der größten bekannten Populationen von Mandarinfischen, die allabendlich nur fünf Minuten Fahrzeit vom Resort entfernt der schönsten Sache der Welt frönen.

Dennoch bleibt Yap ein Revier für Großfisch-Fans. Neben Haien und Mantas geben sich verschiedene Arten Barrakudas, Adlerrochen, Thunfische, Stechrochen und Schildkröten die Ehre. Im strömungsreichen Süden der Insel lebt eine Gruppe scheuer Spinnerdelfine und ganz Glückliche haben schon Orcas, Tigerhaie und Mondfische vor die Linse bekommen.

Nach dem dritten Tauchgang des Tages und 210 Minuten Nitrox in der Blutbahn lässt sich der aufregende Tag bestens bei einem frisch Gezapften aus der Hausbrauerei abrunden. „Jetzt sag' mir nicht, dass unser Two Step nicht wie euer Altbier in Düsseldorf schmeckt“, raunt Bill hinüber, als wir unsere Gerstenkaltschalen auf dem Oberdeck der „Mnuw“ entgegennehmen. „Hopfen und Malz importieren wir übrigens aus Deutschland und Tschechien, so viel Luxus muss sein.“

Kurz darauf flimmert das Unterwasservideo des hauseigenen Fotocenters über die Großleinwand und auch das bestellte Sashimi lässt nicht lange auf sich warten. Tauchen mit Haien macht eben zwangsläufig Hunger auf frischen Thunfisch.

Das scheint Tauchpartnerin Judy ähnlich zu sehen. Nach der Begegnung mit Manta „Schneewittchen“ und all den Haien lässt sich ihr Lächeln nicht so leicht vertreiben. „Isn't life wonderful?“, haucht die braun gebrannte Kalifornierin über den Tisch hinweg. Ja, manchmal ist das Leben wirklich viel zu einfach. Zumindest in Mikronesien.

Tauchbasis: Manta Ray Bay Resort

Peace Corps

Die Peace Corps ist eine unabhängige Behörde der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie haben die Aufgabe, Amerikaner und nicht Amerikaner in anderen Ländern zusammen zu bringen. Die Behörde wurde 1961 von John F. Kennedy gegründet. Mehr als 200.000 US-Amerikaner haben bei den Peace Corps gedient. Der Freiwilligendienst besteht aus 27 Monaten Arbeit im Ausland. 

Seit 2009 ist Aaron S. Williams der Direktor des Vereins. Peace Corps dient folgenden Zielen:

  • Fachkräfte auszubilden
  • das Verständnis der US-Amerikaner für hilfsbedürftige Menschen zu fördern
  • bei fremden Völkern Symphatien für US-Amerikaner herzustellen
Dieser Artikel ist erschienen in 05/2011
Zum HeftarchivCover der Silentworld-Ausgabe 5/2011

Tauchbasis: Manta Ray Bay Resort

Foto: Carsten Rössler
Foto: Carsten Rössler

In Mikronesien ist das Manta Ray Bay Resort eines der beliebtesten Ziele für Taucher. Über 20 Jahre ist nun schon Bill Acker Herr der Tauchbasis und des Hotels. 2006 wurde das Resort rund um erneuert. Über 34 luxuriös ausgestattete Zimmer mit Balkon stellt das Resort zur Verfügung. Das Restaurant ist ganz besonders, es ist ein restauriertes Schiff aus dem 18. Jahrhundert. 

Die Yap-Divers ist die größte und am besten ausgestattete Tauchschule der Insel. Fünf Tauchgänge, darunter auch ein Nachttauchgang, werden pro Tag angeboten. Die acht Tauchboote sorgen dafür, dass man schnell den Tauchplatz erreicht.

Die Sichtweite der Tauchplätze liegt bei 30 bis 50 Meter. An den Mantaplätzen sinkt sie auf 15 Meter herab. Ausflüge zum Seeberg "Hunters Bank" und Blauwasser Tauchgänge im Yap Channel, sind besondere Highlights.

Neben den Tauchgängen bietet das Resort viele Ausflugsmöglichkeiten, um die Insel zu erkunden. Man kann zum Beispiel Kajak fahren, Schnorcheln und Inseldörfer besuchen.

Weitere Infos gibt es hier 

Bitte drehen Sie das iPad, um silentworld in vollem Umfang zu genießen!