Fitness für Kameras

Aufgerüstet, Teil 1: Blitze

Der Kauf einer Kompaktkamera ist die eine Seite, sie für spezielle Einsätze unter Wasser fototauglich zu machen, eine andere. Weil die Kompakten den grössten Marktanteil aller Kameras besitzen, haben sich in diesem Metier auch viele Fremdhersteller eingenistet. Mit viel know-how und noch mehr Engagement drängen sie in jede Motivnische. Wir zeigen die stillen Helfer der UW-Kompaktfotografie.

Fitness für Kameras

Aufgerüstet, Teil 1: Blitze

von Herbert Frei

Das in Kompaktkameras verwendete Zoomobjektiv ist meistens sehr universell ausgelegt. Vom leichten Weitwinkel bis zur akzeptablen Telebrennweite ist in einer einzigen Optik alles vorhanden. Man sollte meinen, dass das ausreichen würde, aber das ist ein Irrtum. Ein Pygmäenseepferdchen ist damit ebenso wenig formatfüllend auf den Sensor zu bekommen wie ein Walhai. Die Spanne der UW-Fotomotive reicht buchstäblich vom Winzling bis zum Giganten. Das alles mit einem Kompaktzoom bewältigen zu wollen, hieße, die eierlegende Wollmilchsau zu erfinden. Hinzu kommt, dass der fest integrierte Kamerablitz nicht in allen Fällen das Gelbe vom Ei ist. Mal produziert er Schlagschatten, wenn das Motiv zu nah ist, mal reicht sein Licht nicht weit genug.

LICHT IN ALLEN LEBENSLAGEN

Bevor Sie sich mit diversen optischen Vorsätzen eindecken, sollten Sie sich um ein externes Amphibienblitzgerät bemühen. Denn Licht kann man unter Wasser nie genug haben. Mit dem externen Blitz kann man bei Ausleuchtungen erheblich flexibler reagieren als mit dem starr integrierten Kamerablitz, der im Prinzip nur die frontale Ausleuchtung gestattet. Und mit der hat man in mäßig klarem Wasser nicht gerade das große Los gezogen.

Die Kamerafirmen beziehungsweise die Gehäusehersteller haben das seit Langem erkannt und montieren vor dem Blitzreflektor Diffusoren (Milchglasscheiben), die das Licht harmonischer um das Objektiv verteilen und es auch weicher machen. Dadurch werden Trübstoffreflexionen im Nahbereich gemindert und die Ausleuchtung verbessert. Ein Ersatz für externes Blitzen ist es aber nicht, denn das Zündholzlicht des Kamerablitzes wird dadurch noch mehr geschwächt.

Dass man damit überhaupt blitzbelichten kann, ist nur darauf zurückzuführen, dass das Zoom der Kompakten meistens mit relativ großen Blenden (zum Beispiel 5,6 oder weniger) im Nahbereich betrieben wird. Externe Amphibienblitzgeräte werden an Blitzarmen befestigt, die wiederum auf Gehäuseschienen montiert sind. Das hat zudem den Vorteil, dass man die Fotogerätschaft besser im Griff hat. Sie wird dadurch allerdings auch größer und schwerer.

Wenn der externe Amphibienblitz ein Kunststoffgehäuse besitzt, egalisiert sich der Anbau im Wasser aber durch dessen Auftrieb. Eventuell bleibt ein geringer Abtrieb von 50 bis 100 Gramm, was wünschenswert ist. Manche Gerätschaften schweben sogar, was den Umgang mit ihnen mehr als angenehm macht. Auftrieb ist zu vermeiden, weil man die Kamera im Notfall nicht ablegen kann.

"Mit dem externen Amphibienblitz ist man in der Lage, Motive in größeren Entfernungen auszuleuchten und korrekt zu belichten"

Mit dem externen Amphibienblitz ist man in der Lage, Motive in größeren Entfernungen auszuleuchten und korrekt zu belichten. Gegenüber dem dicht neben dem Objektiv platzierten Kamerablitz ergibt sich nicht nur eine größere Ausleuchtfläche, auch der Anteil der Trübstoffreflexionen wird spürbar reduziert. Man platziert den Amphibienblitz sinnvollerweise zentral mittig über dem UW-Gehäuse, was aber nur möglich ist, wenn sich der Blitzarm flexibel bewegen lässt.

Je nach Motiventfernung neigt man den Blitz nach unten oder nach vorn. Bei Fotogerätschaften mit starr montiertem Amphibienblitz (der Blitzarm ist relativ kurz und nicht flexibel, der Blitz kann aber geneigt werden) wird das Licht seitlich im 45-Grad-Winkel auf das Bild gebracht. In klarem Wasser sind die Ergebnisse durchaus zufriedenstellend, wenn- gleich die Ausleuchtung von einem linkslastigen Lichtverlauf geprägt ist.

Beide Systeme haben ihre Vorund Nachteile, auch preislich. Starre Blitzarme sind meistens nur an speziellen Kameraschienen verwendbar und auch nur mit bestimmten Amphibienblitzgeräten zu nutzen. Man kauft sie im Set, was die Kosten senkt. INON offeriert beispielsweise das S-2000 Starterkit D4 mit Blitz, Schiene und Blitzarm. Der externe Amphibienblitz wird kabellos über einen vom Kamerablitz hoch geleiteten Lichtimpuls ausgelöst.

Andere Systeme wie Sealife oder Sea & Sea verwenden bewegliche Blitzarme, fiberoptische Kabel und Amphibienblitzgeräte, die sich in alle Richtungen und Positionen drehen und schwenken lassen. Auch der Anbau von zwei Amphibienblitzgeräten ist möglich, was schlagschattenfreie und harmonisch ausgeleuchtete Bilder gewährleistet. Mit solchen Gerätschaften verlässt man aber bereits die reine Urlaubs- und Gelegenheitsfotografie.

Für engagierte Kompaktfotografen sind solche Anschaffungen jedoch erstrebenswert, weil sie die Bildergebnisse spürbar verbessern können. Bedenken Sie aber, dass ein exzessiver Ausbau nicht nur den Preis der Kompaktgerätschaft nach oben zieht, auch Gewicht, Handling und Haptik verändern sich. Und zwar nicht immer zum Besten. Man muss das mit Augenmaß angehen, sonst endet es in einem Gerätepark, den man kaum mehr im Handgepäck verstauen kann.

Olympus hat dieses Problem seit Langem erkannt und bietet deshalb für seine UW-Gehäuse sogenannte Short-Arme an. Man bekommt sie in zwei Längen. Befestigt werden sie im Zubehörschuh des UW-Gehäuses. Das Blitzgerät wird auf diese Weise zentral mittig positioniert und kann nach Bedarf nach unten oder nach vorne geschwenkt werden. Auf diese Weise bleibt die Fotogerätschaft kompakt und handlich, egal welcher Amphibienblitz verwendet wird. An Olympus-Kameras sind INON-Blitzgeräte zu empfehlen oder man nimmt gleich einen der originalen Olympus-Blitzgeräte UFL-1 oder UFL-2, wobei der UFL-2 wegen seiner höheren Leistungsabgabe die bessere Wahl ist.

Dieser Artikel ist erschienen in 03/2011
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