Die Olympus xz-1

Die Meisterklasse der Kompaktkameras

Auch im Kompaktkamerabau geht der Trend bei den besseren Modellen in Richtung hochwertiges Fotogerät. Denn die Firmen haben erkannt, dass den Kunden die Bildqualität mittlerweile wichtiger ist als einige Pixel mehr. Auch Olympus folgt diesem positiv ausgerichteten Ziel.

Die Olympus xz-1

Die Meisterklasse der Kompaktkameras

von Herbert Frei

Die XZ-1 von Olympus ist eine Edel-Kompakte mit einem lichtstarken Zoom. Das hat Vorteile beim Autofokus (AF), der deshalb auch bei mäßigen Sicht- und Lichtverhältnissen recht zuverlässig arbeitet. Über die Bildqualität muss man nicht viel sagen. Sie kann durchaus mit einer Einsteiger-SLR mithalten, wenn man die ISO-Zahl nicht über 200 hochschraubt. Der Autofokus bringt überdies eine in Kompaktkameras nicht übliche Tracking-Funktion mit.

Der AF-Modus arbeitet so, dass das Motiv bei Erfassung durch den AF automatisch verfolgt wird. Beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche UW-Fotografie. Denn die rückt bei vielen Tauchern immer mehr in den Mittelpunkt. Ob Einsteiger oder alter Hase, das Gesamtpaket von Olympus ist für beide ein attraktives Angebot. Die Zahl 050 auf dem UW-Gehäuse PT-050 steht für das fünfzigste UW-Gehäuse von Olympus. Damit gehört die Firma zu den Pionieren der digitalen UW-Fotografie.

Kameraeinstellungen

Nicht alles, was an Land machbar ist und Spaß macht, kann auch unter Wasser umgesetzt werden. Bei den Belichtungseinstellungen sollte die Blendenautomatik (S) nur bei Aufnahmen ohne Blitzlicht verwendet werden. Mit der Programmautomatik (P) enthebt einen die Kamera zwar von fast allen Einstellungen, aber man kann auch nicht eingreifen, wenn beispielsweise eine schnellere Verschlusszeit oder eine kleinere Blende angebracht wäre.

Wenn schon Programmautomatik, dann sollte man im Unterwasserprogramm für Nahaufnahmen fotografieren. Es ist im Szene-Programm SCN mit dem rötlichen Anemonenfisch gekennzeichnet. Bei Unterwasser-Landschaftsaufnahmen kann man das Szeneprogramm mit dem Barrakudaschwarm vorwählen. Für Einsteiger mögen solche Motivprogramme hilfreich sein, der richtige UW-Fotograf benötigt das nicht.

Relativ sorglos und doch sehr hochwertig fotografiert man mit der Zeitautomatik (A). Hier pendelt die Synchronzeit zwischen 1/30 Sekunde und 1/2.000 Sekunde je nach Umgebungslicht. Man muss sich also nur noch um die Blende kümmern, die sich zwischen 1,8 und 8 manuell vorwählen lässt. Dieses Belichtungsprogramm kann unter Wasser uneingeschränkt empfohlen werden. Erfahrene UW-Fotografen bevorzugen indes immer die manuelle Einstellung von Zeit und Blende. Auch wenn das nicht immer so schnell geht wie erforderlich. Grund sind Mischlichtaufnahmen, also Blitzen mit blauem oder grünem Wasser im Hintergrund.

Dazu muss man oft die Verschlusszeit auf Werte öffnen, die von der Zeitautomatik mit zugeschaltetem Blitz nicht immer angewählt wird. Beispielsweise 1/20 Sekunde mit Blende 8. Deshalb sollte der Bildstabilisator immer aktiviert sein. Die Empfindlichkeitseinstellung kann mit der XZ-1 unter Wasser bis ISO 200 betragen. Bei diesem Wert ist noch kein Rauschen erkennbar und es bleiben Reserven beim Blitzen, denn der kleine Kamerablitz ist nur auf den Nahbereich ausgelegt. Bis etwa 50 Zentimeter Motivdistanz. Aber Vorsicht: Wenn Sie zu nah herangehen, kommt es zu Schlagschatten. Zu empfehlen ist eine Mindestobjektentfernung von 10 bis 15 Zentimeter ab Gehäusefrontglas.

Die ISO-Automatik ist weniger zu empfehlen, weil sie bei geringem Umgebungslicht (Überhänge, Höhlen, Grotten) und im Nahbereich die Empfindlichkeit in die hochempfindlichen Bereiche zieht. Eine Begrenzung nach oben ist nicht einstellbar. Um die Farben zu intensivieren, sollte man den Bildmodus auf „vivid“ einstellen. Eine interessante Variante ist der zuschaltbare Popfilter. Zwar kann man auch ihn nur mit einer Programmautomatik verwenden, aber dieses Programm steht für farbliche Überraschungen ungeahnten Ausmaßes, zumal hier sowohl der interne Kamerablitz als auch ein externes Amphibienblitzgerät zündet. Man sollte diese Belichtungsvariante einmal ausprobieren.

Die besten Ergebnisse bekommt man mit Dauerlicht, also bei Belichtung mit LED-Leuchten oder Halogenlampen. Unter Wasser gelten eigene Regeln. So ist es aus Gründen der Brillanz und Auflösung erforderlich, dass grundsätzlich die höchste Pixelzahl und die geringste Kompression eingestellt werden. Vom Digitalzoom sollten Sie unter Wasser die Finger lassen, weil damit verrauschte Bilder produziert werden.

Einbau

Geöffnet wird das UW-Gehäuse wie eine analoge SLR. Nur legt man nach dem Öffnen keinen Film ein, sondern die XZ-1. Vorher muss man den Kamerablitz ausfahren, weil seine Aktivierung im UW-Gehäuse nicht möglich ist. Eine separate Aussparung mit Fenster im UW-Gehäuse nimmt den ausgefahrenen Blitz auf. Die Montage der XZ-1 ist denkbar leicht: einfach in das UW-Gehäuse gleiten lassen. Die Kamera muss weder angeschraubt noch positioniert werden.

Positiv

Olympus hat im PT-050 einen elastischen schwarzen Kunststoff-Tubus verbaut, in dem das Zoomobjektiv ausgefahren wird. Damit werden Reflexionen unterbunden und Geisterbilder verhindert, wie sie unter Wasser bei diffizilen Lichtverhältnissen durchaus vorkommen können. Die dunkle Farbe im Inneren des UW-Gehäuses unterbindet vagabundierendes Streulicht beim Lichteinfall.

Der schwarze Monitor-Lichtschutz erleichtert die Begutachtung beim Live View. Nur der Rückdeckel ist transparent, damit man die Eingriffe kontrollieren kann, was aber angesichts der Präzision der Übertragungen nicht relevant ist. Einsteiger lieben jedoch den hinteren Gehäuseeinblick, weil er für die Bedienungssicherheit ein nicht zu unterschätzendes psychologisches Moment vermittelt.

Wichtig

Abgedichtet wird das PT-050 mit einem roten Silikon-O-Ring. Er ist die Achillesferse des UW-Gehäuses, wenn man ihn nicht richtig behandelt. Nach jedem Öffnen des UW-Gehäuses, wenn die Fotogerätschaft zuvor im Wasser war, muss er penibel gereinigt und mit dem beigelegten Fett aus der Tube eingerieben werden. Kein anderes Fett verwenden, sonst kann die Dichtung mit der Zeit länger werden und irgendwann beim Schließen des Rückdeckels aus der Nut quellen!

Die Folge ist Wassereinbruch mit Totalausfall, denn die XZ-1 ist nicht wasserfest. Sollte der O-Ring stark verschmutzt sein, muss er mit lauwarmem Wasser und Seife beziehungsweise Shampoo gereinigt werden. Nach dem Einfetten darf der O-Ring nicht mehr abgelegt werden. Sonst haften Schmutzpartikel am Fett und es kommt zu Undichtheiten. Der eigentliche Gehäuseverschluss funktioniert wie ein Exzenter. Die Nase des Rückdeckels muss in die Nut des Rades eingeführt und gedreht werden. Der Rückdeckel zieht sich dann von allein in die Dichtposition.

Tipp

Sollte tatsächlich einmal etwas Salzwasser eingedrungen sein, kann das PT-050 mit Süßwasser ausgespült werden. Es passiert nichts, weil keine elektronischen Bauteile installiert sind. Nach einem solchen Vorfall muss das Frontglas innen sorgfältig abgetrocknet und gesäubert werden. Belassen Sie die Schutzkappe im Zubehörschuh. Sie schützt die Kontakte, falls mal ein Wassertropfen beim Öffnen des Rückdeckels heruntertropfen sollte. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass Sie immer das UW-Gehäuse, die Hände und die Haare trocknen, bevor der Rückdeckel geöffnet wird.

Praxis kommt vor Theorie

Auch am großen Monitor der XZ-1 lassen sich Bilder mit der Tauchmaske nur bedingt auf Schärfe kontrollieren. Die Belichtung kann man hingegen sehr gut beurteilen. Sie sollten deshalb unter Wasser niemals Bilder löschen, die nicht eindeutig als Ausschuss erkennbar sind. Es macht daher auch wenig Sinn, beim Tauchen oder Schnorcheln Bildershows ablaufen zu lassen. Dazu ist die Zeit unter Wasser zu kostbar. Legen Sie eine hochkapazitive SD-Karte ein, dann können Sie nach Herzenslust fotografieren, ohne knausern zu müssen, eventuell so lange, bis der Akku leer ist.

Beim Blitzen mit dem Kamerablitz ist zu beachten, dass immer das Symbol des erzwungenen Blitzes vorgewählt wird. Es kann Ihnen sonst passieren, dass Sie mit ungeblitzten Bildern nach oben kommen, weil die Blitzautomatik wegen reflektierender Korallen nicht aktiviert wird. Wer Wert auf eine optimale Bildqualität legt, sollte im Modus „RAW + JPEG“ fotografieren. Damit kann man erstens schnell kontrollieren, was und wie man fotografiert hat. Zweitens besteht die Möglichkeit, die unter Wasser etwas problematische Blitzbelichtung bei der Umwandlung von RAW in JPEG innerhalb von plus/minus zwei Blenden auszugleichen.

Bevor man abtaucht, ist es zwingend notwendig, den zum UW-Gehäuse mitgelieferten Diffusor (eine Art Milchglas) auf den Gehäuseport zu stecken und ihn mit der kleinen Kunststoffschnur zu sichern. Der Diffusor verteilt das Licht des Kamerablitzes auf eine größere Fläche rund um das Frontglas. Die Ausleuchtung wird harmonischer und reduziert auch die Trübstoffreflexionen, die beim frontalen Blitzen unvermeidlich auftreten. Montieren Sie unbedingt die mitgelieferte Handschlaufe, insbesondere Schnorchler sollten das UW-Gehäuse immer am Handgelenk befestigen.

Übrigens: Die Bedienung der XZ-1 gelingt mit dem UW-Gehäuse besser als ohne, weil die Übertragungselemente auch für Handschuhe ausgelegt sind. Jeder Eingriff funktioniert ohne Störung. Die Knöpfe sind zudem mit deutlichen und irrtumsfreien Icons belegt.

Zubehör

Mit dem erhältlichen Zubehör strebt die XZ-1 im PT-050 stetig in Richtung ambitionierte UW-Fotografie. Da wäre zum einen die sehr empfehlenswerte Nahlinse PTMC-01, von Olympus Makrokonverter genannt. Mit ihr dringt man weit in den Nahbereich, kratzt an Abbildungsmaßstäben, die man unter Wasser bereits als Makroaufnahmen bezeichnen kann. Die Nahlinse muss unter Wasser nochmals abgenommen werden, damit die im Zwischenraum anhaftenden Luftbläschen abgewischt werden können.

Als wertvolle Ergänzung zur Nahlinse in Richtung großer Bildwinkel bietet sich der Weitwinkelkonverter PTWC-01 an, mit dem Taucherbilder, UW-Landschaften und Wrackaufnahmen möglich sind. Auch er muss unter Wasser nochmals vom Gehäuseport entfernt werden, damit anhaftende Luftbläschen ihren Weg ins Freie finden. Sie können unter Wasser auch mit blanken Fingern die Frontgläser abwischen. Fingerflecken gibt es im nassen Element nicht. Obwohl das Feingewinde im Gehäuseport Luftablasslöcher besitzt, sollten Sie sich nicht auf deren Reinigungskraft verlassen. Nicht alle Luftblasen zieht es beim Abtauchen nach draußen.

Die Adhäsion am Frontglas bindet hin und wieder feinste Luftperlen, die zu partiellen Unschärfen führen können. Hinweis: Beim Anbringen oder Abnehmen eines der Vorsätze ist äußerste Vorsicht geboten, dass sie nicht aus der Hand gleiten. Insbesondere Schnorchler sollten das niemals über tiefem Wasser oder an einem Steilriff versuchen. Die Konverter sinken so schnell, dass man nicht mehr hinterhertauchen kann. Ohne externe Kunstlichtquelle ist es leider nicht möglich, große Flächen auszuleuchten.

Deshalb gehört zur ultimativen PT-050-Gerätschaft auch ein Olympus-Blitzgerät der Modellreihe UFL-1 oder UFL-2. Für Nah- und Makroaufnahmen genügt das UFL-1. Ausgelöst wird es über ein fiberoptisches Kabel, das am PT-050 den Lichtimpuls des Kamerablitzes zum UFL-1 hochleitet und diesen auslöst. Das funktioniert automatisch mit Vorblitz und ist im Ergebnis sehr genau. Wer es sich leisten kann oder will, sollte den größeren und stärkeren UFL-2 wählen, der mehr Reserven bietet. Insbesondere mit dem Weitwinkelkonverter harmoniert er besser. Um störendes Kamerablitzlicht im Frontbereich zu unterbinden, muss die Blitzfenster-Abdeckung PFC-050 angebracht werden.

Video

Die XZ-1 ist mit einem Video-Modus ausgestattet, der mittels Knopfdruck auch am PT-050 gestartet werden kann. Die Bildgröße beläuft sich auf 1.280 x 720 Pixel, was für UW-Erinnerungssequenzen gut ausreicht. Während des Filmens arbeitet der Autofokus und bei Bedarf der optische Zoom. Bunte beziehungsweise farbige UW-Videosequenzen sind nur möglich, wenn eine Beleuchtungsanlage montiert ist.

Zu empfehlen sind ein oder zwei LED-Pads, die auf einer Kameraschiene befestigt werden. Sie sind leicht, handlich und die zugehörigen Akkus sind so klein, dass sie das Handling nicht beeinflussen. Für Videos mit der Nahlinse bietet sich eine LED-Ringleuchte an, die ausreichend Licht in kompakter Form auf das Bildfeld wirft. Mit LED-Licht lässt sich unter Wasser ebenso vortrefflich fotografieren, denn der Kamera ist es egal, woher das Licht kommt. Auch die Kombination LED-Licht plus Kamerablitz ist kein Widerspruch. Die XZ-1 verarbeitet die unterschiedlichen Lichtquellen problemlos.

Quintessenz

Die XZ-1 spricht Taucher und Taucherinnen an, die Wert auf eine gediegene und dennoch bezahlbare Fotoausrüstung legen. Innerhalb der Kompaktkameraklasse gehört die XZ-1 zu den High-End-Kompakten, was der auf zehn Megapixel beschränkte Bildsensor mit seiner hervorragenden Bildqualität nachträglich unter Beweis stellt. Man kauft sie sich, wenn einem eine Einsteiger-Spiegelreflex zu groß und zu schwer und deren UW-Gehäuse zu teuer ist. Auch mit allen Schikanen ausgebaut, bleibt die XZ-1-Fotogerätschaft ein handliches Stück Wertarbeit.

Dieser Artikel ist erschienen in 04/2011
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