Der Musenkuss

Neuigkeiten der Unterwasser-Fotografie

Das brandneue Unterwassergehäuse von Seacam heißt Prelude. Es soll Neueinsteiger zu kreativen Bilderleistungen beflügeln und anspornen wie eine Muse. In der Antike ist Apoll der Gott der schönen Künste, den die Musen küssen. Mit der neuen Gehäuseserie von Harald Hordosch kann heute jeder in den Genuss einer Inspirationsquelle gelangen. Sie bietet Anfängern den Auftakt in die Unterwasserfotografie in höchster Qualität zu einem erschwinglichen Preis. 100 Prozent Seacam bei 60 Prozent der Kosten. Jetzt neu für die Kameras D7000 von Nikon und 60D von Canon.

Der Musenkuss

Neuigkeiten der Unterwasser-Fotografie

von Eckhard Krumpholz

Benz und Mac

Seacam ist bekannt als der Mercedes Benz unter Unterwasserspezialgehäusen. Und wenn man die bisherige Linie mit der S-Klasse des Stuttgarter Wagenbauers vergleichen möchte, dann hat Mastermind Hordosch jetzt seine E-Klasse entwickelt. Beide Gehäuseserien sind äußerlich kaum zu unterscheiden: Sie kommen im für Seacam typischen Silver-Look daher und sind 150-prozentige Arbeitsgeräte wie ein „Mac“ – und wie dieser verbinden sie volle Alltagstauglichkeit mit höchster Eleganz. Das Aluminium wird nicht lackiert, aber trotzt dank seiner speziell entwickelten Oberfläche härtesten Bedingungen bis in 80 Meter Tiefe.

Damit revolutionierten Harald Hordosch und sein Vater den Gehäusebau, als sie vor 14 Jahren das erste Feingussgehäuse im Silber-Look vorstellten. Seacam ist wie der Mac Lifestyle. Beide haben Kultstatus. Viele UW-Fotografen und -berühmtheiten wie David Doubilet, Amos Nachoum oder Kurt Amsler nutzen die Produkte, um ihre schöpferischen Ideen ins bestmögliche Licht zu rücken. Jetzt kann es jeder, denn am Geldbeutel dürfte es nicht mehr liegen.

Shooting

Wir haben das neue Gehäuse für die Nikon D7000 bei einem professionellen Modelshooting ausprobiert. Die verwendete Kamera und das Gehäuse lassen keine Wünsche offen. Mit der momentan zweithöchsten Auflösung im Nikonsystem (16 Megapixel) bietet der Sensor „fette“ Datenmengen, die selbst für Magazindrucke in höchster Qualität ausreichen. Der rund 1000 Euro teure Kamerabody spricht vor allem ambitionierte Amateure mit Sinn für viel Leistung bei angemessenem Preis an. Filmer können mit dem Seacam-Gehäuse Filmsequenzen in Full-HD-Qualität (1080p) aufnehmen. Dank Live View und einem neuen Autofokussystem positioniert sich die Kamera deutlich oberhalb des Schwestermodells D90.

Zwei SD-Speicherkartenslots erlauben die parallele Aufzeichnung von RAW- und JPG-Daten – die beste Methode zur Datensicherung, falls eine Speicherkarte beim Shooting abraucht. Der Verschluss soll 150.000 Auslösungen aushalten: drei- bis viermal mehr als bei Amateurkameras üblich. Für den Unterwassereinsatz bietet die D7000 wirklich alles, was man braucht – inklusive einer gegenlichtfreundlich kurzen Blitz-Synchronzeit von 1/250 Sekunden und einer sehr hohen Empfindlichkeit (bis ISO 25.600) für Wrackaufnahmen ohne Blitz.

Form folgt der Funktion

Auch die neue Prelude-Linie überzeugt bei ihrer grazilen Form und einfacher Anwendung mit Innovation, Genauigkeit und durchdachter Logik, die alle notwendigen Übertragungen unterstützt. Zum Verschließen dienen zwei neue Sicherheitsschnellverschlüsse, die beide Gehäuseteile schon ohne Wasserdruck mit einer Kraft von 60 Kilogramm zusammenpressen und das Innere zuverlässig vor einem Wassereinbruch schützen. Eingeklemmte O-Ringe sind damit passé.

Der Auslöseknopf hat eine vertikale Lage und erlaubt druckpunktgenaues Arbeiten mit der rechten Hand – selbst mit dicken Handschuhen. Er schmiegt sich förmlich an Zeige- und Mittelfinger. Folgende Übertragungen gibt es: Auslöser, Hauptschalter (An/Aus/Beleuchtung), Einstellrad vorn und hinten (erlaubt auch die vollkommen manuelle Belichtungssteuerung), Objektiv-Entriegelung (für den Linsenwechsel von vorn durch den Port), Mode (zur Veränderung der Programmvorwahl), AE-L/AF-L (zum Einfrieren von Belichtung oder Autofokus), Fokusschalter AF-M (zum Wechsel zwischen Autofokus und manuellem Fokus), Live View, manuelle Fokussierung oder Zoom. Je eine Drucktaste steht zur Verfügung für „Play“, „Live View Start“, „Info“ und den „Multi-Controller“.

Bedienung

Das Prelude-Gehäuse bietet alles, was notwendig ist. Was im täglichen Gebrauch zu viel ist, wurde weggelassen. Dazu gehört zum Beispiel ein Fenster zum Betrachten der Belichtungsprogramme. Anwählbar sind die Programme trotzdem, sodass zum Beispiel zwischen „Manuell“ und „Zeitautomatik“ auch unter Wasser umgeschaltet werden kann. Auch auf den zweiten Drehknopf für die manuelle Fokussierung bei gleichzeitigem Zoom wurde sinnvollerweise verzichtet, da dies für Einsteiger entbehrlich ist.

Dem Streichkonzert zum Opfer fielen bei dem Gehäuse für die D7000 die Übertragungen der vier Drucktasten links vom rückwärtigen Bildschirm. Mit dem oberen Knopf „Menü“ konnte man in die rückwärtige Menüführung eingreifen und sämtliche Detaileinstellungen der Kamera ändern. Hierauf kann unter Wasser verzichtet werden, denn Funktionen wie den Bildstil festlegen oder das Formatieren der SD-Karte sollten vor Beginn des Tauchgangs eingestellt sein. Auch die Veränderung von „Weißabgleich“ und „Bildqualität“ muss nicht unter Wasser vorgenommen werden. Das Fehlen eines direkten Zugriffs auf die ISO-Einstellung haben wir jedoch vermisst.

Nicht nur im Pool ändern sich die Lichtverhältnisse oft so schnell, dass eine Anpassung der Lichtempfindlichkeit unter Wasser sinnvoll ist. Eine Lösung des Problems bietet jedoch die Einstellung „Auto-ISO“ der D7000. Hier reguliert die Kamera die Sensorempfindlichkeit je nach Lichtverhältnissen, wobei der Fotograf aber den Umfang der ISO-Schwankungen vorgeben kann (zum Beispiel von 100 bis 800 ISO). Für den Multi-Controller rechts vom Kameradisplay hat das Gehäuse einen Druckknopf vorgesehen. Damit kann das zuletzt aufgenommene Bildergebnis beurteilt werden – auf Knopfdruck einschließlich Histogramm samt Aufnahmedaten.

Nicht möglich ist es mit diesem Einzelknopf, die Autofokus-Messfelder einzeln zu aktivieren und gegeneinander zu wechseln. Unser Praxisversuch zeigt jedoch, dass auf die automatische Fokussierung der Kamera getrost Verlass ist. Den Unterschied zwischen den bisherigen Silver-Seacams und der Prelude-Linie werden nur echte Profis erkennen, wobei sich auch Profis für die Prelude-Modelle interessieren dürften. Denn alle Komponenten der österreichischen Gehäuseschmiede wie die für den Transport abnehmbaren Wechselsucher, die brillanten Frontports und das innovative Blitzsystem sind untereinander kompatibel.

Licht

Zwei T-Stücke für Blitzarme und zwei Blitzanschlüsse mögen für den Anfänger einer zu viel sein. Irgendwann aber reift die Erkenntnis, dass zwei Lichtquellen – besonders in der Weitwinkelfotografie – besser sind als eine. Auch in unserem Poolshooting wurden zwei Kunstlichtquellen eingesetzt. Der hauseigene Seaflash 150 Digital ist ein kompaktes, leistungsstarkes Kraftpaket mit Wechselakku. Großer Vorteil für Anfänger ist, dass er absolut korrekt im D-TTL-Modus von Nikon arbeitet – selbst wenn zwei Geräte vollautomatisch blitzen.

Sieben manuelle Stufen, automatisches Pilotlicht und Sklavenblitzmodus sind die Schmankerl dieses hochmodernen Gerätes. Neben dem klassischen Unterwasserblitzgerät bietet Seacam eine Dauerlichtlösung mit Tageslicht an, die in Kooperation mit der Schweizer Firma Keldan entstanden ist. Der besondere Vorteil dieser Anlage besteht in einer völlig homogenen Tageslichtausleuchtung, die perfekt belichtete Filmaufnahmen unter Wasser möglich macht.

Ports und Sucher

Mindestens zwei Objektive sind für die Unterwasserfotografie unentbehrlich. Eine Makrolinse und ein starkes Weitwinkelobjektiv. Beide erfordern unterschiedliche Frontgläser (Flachport beziehungsweise Domeport). Auf der Webseite www.seacam.com bietet Seacam einmalig in der Branche einen Konfigurator, der den Interessierten durch alle Komponenten des Systems führt und ein Angebot erstellt, das den gestellten Anforderungen am besten entspricht.

Seacams Frontportsystem gilt seit Jahren als Maßstab für kompromisslose Abbildungsqualität. Für unser Poolshooting wurde ausschließlich der brillante Superdome mit einem Weitwinkelzoom mit Brennweiten von 12 bis 24 Millimeter verwendet. Serienmäßig ausgestattet ist das Seacam Prelude mit einem „PRO G“-Sucher, einem der vier verschiedenen Sucher im Seacam-System. Während für Makroaufnahmen der drehbare 45-Grad-Winkelsucher (S45) das Maß der Dinge ist, um auch in Bodennähe Aufnahmen bei schwierigem Untergrund ohne Sedimentwolken zu machen, haben wir uns im Pool für die 180-Grad-Variante entschieden.

Der gerade Durchblick zeigt seine Vorteile besonders bei schnellen Motiven, die bei unserem Shooting als Sprungszenen einzufangen waren. Die Spezialoptiken zeigen trotz Tauchmaske ein übersichtliches und bis zu dreifach vergrößertes Sucherbild und erleichtern die Bildgestaltung enorm. Alle Sucher können selbst und ohne Zuhilfenahme von Werkzeug gewechselt werden.

Fazit

Ein Seacam-Gehäuse versinnbildlicht digitalen Lebensstil. Die Reduzierung auf das Wesentliche ist der neuen Gehäuselinie Prelude sehr gut bekommen. Denn die deutliche Preissenkung steht erstklassigen Bildergebnissen nicht im Weg.

Gehäuse-Merkmale im Detail

  • Seewasserbeständige, hochfeste Leichtmetalllegierung
  • Aus massiven Metallblöcken im CNC-Verfahren präzise gefräst, gedreht und gebohrt, zweifach gehärtet, oberflächenverdichtet und hochwertig eloxiert
  • Mit schwarzem Textilflock ausgekleideter Innenraum. Er verhindert optische Reflexionen und schützt die Kamera beim Öffnen vor Tropfwasser.
  • Zuverlässige Gehäuseversiegelung durch doppelte Abdichtung aller Wellen und Druckknöpfe mit nahtlosen Präzisions-O-Ringen. Der Haupt-O-Ring ist besonders stark dimensioniert.
  • Hohe Langlebigkeit durch Qualitätskomponenten aus rostfreiem Stahl, eloxiertem Aluminium und hochwertigem Kunststoff, sowie Helicoil-Gewindeanschlüsse
  • Die Ausstattung umfasst die wichtigsten Übertragungen zur Kameraeinstellung.
  • Gehäuse enthält zwei Blitzbuchsen, Armbefestigungen und einen akustischen und visuellen Leckwarner.
  • Im Lieferumfang enthalten ist der auswechselbare Standardsucher „G“.
  • Besonders einfacher Kameraeinbau durch die spezielle Gehäuseteilung
  • Innovatives Zubehör wie Fernsteuerungssystem, externer UW-Farbmonitor, Wet-Diopter-Set für Makroaufnahmen, vier unterschiedliche Wechselsucher oder Dauerlicht
Dieser Artikel ist erschienen in 02/2011
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