Aus Leidenschaft
Tauchen in Ägypten
Hier endet die abenteuerliche Fahrt mit dem alten Ami-Jeep, und hier beginnt die Geschichte: Rolf Schmidt ist mit seinem geländegängigen Klassiker von Deutschland bis auf den Sinai gekommen – mitsamt Tauchausrüstung im Anhänger. Ihn begeistert, was er sieht: rechts und links sonnendurchglühte, einsame Wüstenlandschaft. im Hinterland türmen sich Gebirge auf. Der beständige Nordwind bringt Kühlung in diese sandige und felsige Einöde. Doch voraus, nur Schritte entfernt, lockt tiefblau das rote Meer mit nahezu unberührten, fantastischen Korallenriffen. Hier wird er eine Tauchbasis aufbauen.
Aus Leidenschaft
Tauchen in Ägypten
Das war vor über 35 Jahren und die verlassene Gegend, in der Rolf aufs Meer blickte, hatte einen Namen, der praktisch niemandem ein Begriff war: Naama Bay. Sie gehört zum fünf Autominuten südlich gelegenen Sharm el Sheikh oder Ofira, wie der Ort während der 15-jährigen israelischen Besatzungszeit hieß.
Sharm el Sheikh war damals nur ein kleines Nest, das Ortszentrum mit dem Old Market kaum mehr als eine Ansammlung von Hütten und eine Militärbasis. Vielleicht war es eine dieser genialen Ideen, hat er alles so kommen sehen. Doch mal ehrlich: Wer hätte das ungeheure Potenzial dieser Bucht damals auch nur geahnt? Wahrscheinlich hat Rolf sich einfach nur in diesen Flecken Erde verliebt.
Zeitsprung ins Jahr 2011: Rolf ist noch immer in der Naama Bay. Die Berge im Hintergrund mit ihren Variationen von Ocker, Rot und Braun und das tiefblaue Meer im Vordergrund sind wie damals – doch dazwischen ist heute alles ganz anders. Die Bucht, die sich Rolf anfangs noch mit frei laufenden Kamelen und bald darauf auch mit gelegentlich wild campenden Tauchenthusiasten teilte, ist nicht wiederzuerkennen.
Sharm el Sheikh hat in den letzten 30 Jahren eine stürmische Entwicklung erlebt, ist jetzt ein international bekannter Badeort, mit der Naama Bay als pulsierendem Zentrum.
Vor dem Strand mit seinen zahlreichen Restaurants, Cafés, Bars und Liegestühlen erstreckt sich als belebte Flaniermeile eine schmucke Strandpromenade, dahinter staffeln sich in mehreren Reihen zahlreiche Hotels – übrigens keines höher als drei Stockwerke, damit die Berge sichtbar bleiben.
Ganz Sharm el Sheikh hat einen touristischen Quantensprung gemacht: eine quicklebendige Fußgängerzone mit Cafés, Restaurants, Juweliergeschäften, Souvenirshops und verschieden weiteren Läden en masse, Shoppingmalls, Einkaufsarkaden größerer Hotels und zahlreichen fliegenden Händlern. Das Nachtleben ist mit Bars, Nachtclubs und Discos nicht weniger lebhaft: mit Techno im Pacha Nightclub mit eingeflogenen DJs aus Europa, Discomusik im Hard Rock Café, House Music in der Freiluft-Disco Echo Temple, die über 4000 Tänzern Platz bietet.
Dazu kommt ein vielfältiges Angebot an Wassersportaktivitäten: Baden, Glasbodenboot-Fahrten, Wasserski, Gleitschirm-Fliegen, Banana-Riding, Jetski, Kitesurfen, Schnorcheln. Und angefangen hatte all das mit einer kleinen Tauchbasis in der Naama Bay. Die Zahl der Tauchbasen in Sharm el Sheikh ist bis heute auf über Hundert angestiegen – seit der Initialzündung in den 1970er-Jahren begeistert das Tauchen hier eben immer noch.
Dafür gibt es sicher viele Gründe, doch ebenso sicher hat auch Rolf seinen Anteil daran, ebenso wie Petra, seine Frau. Die beiden haben sich in den 1970er-Jahren kennengelernt und sind auch im Tauchgeschäft ein Dreamteam. Am Beginn stand also auch eine Lovestory, aber das ist eine andere Geschichte. Wer wie die beiden ohne Unterbrechung so lange vor Ort erfolgreich ist, muss vieles richtig gemacht haben. Zum Beispiel, dass sie schon immer für Top-Qualität standen, immer offen waren für Neues, für Innovationen und dabei zugleich Gutes und Bewährtes beibehielten.
So wie es auf Dauer nur geht, wenn der Chef die Geschicke nicht aus der Ferne dirigiert, sondern vor Ort ist, selbst leidenschaftlicher Taucher geblieben ist und seinen Beruf liebt. Auf diese Weise sind die Sinai Divers mit Sharm el Sheikh gewachsen und für die früheren Jahre darf wohl unterstellt werden, dass eher der Ort mit den Sinai Divers gewachsen ist. Aus der einen Sinai-Divers-Tauchbasis sind heute fünf geworden.
„Unsere Gäste suchen das Ruhige, Gemütliche und legen Wert auf das gesellige Umfeld auf der Basis“
Da ist immer noch die Stammbasis in der Naama Bay, direkt an der Strandpromenade, die Keimzelle sozusagen. Weiter nördlich, in Dahab, sind die Sinai Divers gleich zweimal vertreten: im Hilton am Lagunenstrand und im Backpackers im Ortsteil Asalat. Je eine weitere Sinai-Divers-Basis gibt es in Marsa Alam an der Festlandküste und im jordanischen Aquaba.
Dazu kommen schon lange Safarischiffe und nur etwa 20 Autominuten nördlich von Naama Bay ein weiteres „Familienmitglied“ der Sinai Divers, eine Basis im Baron Resort bei Ras Nasrani. Dieses Gebiet ist seit einigen Jahren mit Hotels erschlossen, verglichen mit der lebhaften Naama Bay jedoch der Ruhepol. Familiär geht es auch auf der Tauchbasis zu.
„Unsere Gäste suchen das Ruhige, Gemütliche und legen Wert auf das gesellige Umfeld auf der Basis“, sagt Gabi. Die Schweizerin ist schon länger bei den Sinai Divers und leitet die Dependance bei Ras Nasrani. Was hier das Besondere ausmacht? „Die meisten unserer Gäste gehen eher nicht oder allenfalls vielleicht einmal zur Naama Bay oder zum Old Market in Sharm, zum Schauen oder um ein Mitbringsel zu kaufen. Sie genießen lieber die weitläufige Hotelanlage, den schönen Sandstrand und das Hausrifftauchen.“
Letzteres ist tatsächlich eine Attraktion, die auch nach einer Woche Tauchen immer wieder neue Entdeckungen und Überraschungen bietet. Unmittelbar vor dem Baron Resort erstreckt sich ein ausgedehntes Saumriff.
"Plateau und Riffhang bieten ideale Bedingungen für Fischbeobachtungen: von Zackenbarschen über zahlreiche Drückerfische..."
Ein Schwimmsteg führt über das Riffdach zur bequemen Einstiegsplattform. Der Riffhang mit seinen reichen, prächtig ausgebildeten Korallenformationen fällt sanft zum zehn bis 15 Meter tiefen Sandgrund ab. Von hier erstreckt sich ein sehr breites, leicht abfallendes Plateau, bis es ein gutes Stück seewärts in etwa 22 Meter Tiefe als Dropoff auf 30 bis 40 Meter abfällt.
Dieses Plateau ist mit zahlreichen kleinen und besonders riffwärts auch mit einigen größeren Korallenblöcken bewachsen. Plateau und Riffhang bieten ideale Bedingungen für Fischbeobachtungen: von Zackenbarschen über zahlreiche Drückerfische, Barben und bunte Korallenfische bis hin zu Federschwanz- und Leopardenrochen, Schulen von Barrakudas, einer „Haus-Schildkröte“ und regelmäßiger Manta Sichtung.
Die Besonderheiten des Hausrifftauchens liegen auf der Hand: Hier taucht man unabhängig von Bootsausfahrten, Terminen und Uhrzeiten. Mit Tauchguide oder – bei entsprechender Erfahrung – auch selbstständig. Selbstbestimmter und flexibler geht es nicht. Vor dem Frühstück oder zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken noch einen Tauchgang einlegen – am Hausriff kein Problem.
So lässt sich Hausrifftauchen auch ideal in einen Familienurlaub integrieren. Bei den Annehmlichkeiten und der äußerst artenreichen Rifflandschaft kein Wunder, dass Tauchen am Hausriff hier „in“ ist. Auch wenn Hausrifftauchen bei vielen Gästen ganz oben auf der Wunschliste steht: Zum Angebot der Basis gehören selbstverständlich Bootsausfahrten zu sämtlichen Küsten-Tauchplätzen, zu den Tiran-Riffen und zum Ras Mohammed. Damit stehen dann auch weltberühmte Topspots auf dem Programm.
Und leidenschaftliche Wracktaucher dürften sich über die regelmäßigen Tagestouren zur „Dundraven“ und „Thistlegorm“ freuen. Letztere ist nicht nur das berühmteste Wrack im Roten Meer, es zählt auch weltweit zur Spitzenklasse. Allein angesichts solcher Tauchplätze im südlichen Sinai war Rolfs Standortwahl doch schon genial.
Baron Resort Sharm el Sheikh
Foto: Manuela Kirschner
Das 2006 renovierte 5-Sterne-Deluxe-Resort ist der Straße von Tiran zugewandt und besitzt einen über 600 Meter langen, privaten Sandstrand. Die insgesamt 360 Zimmer und Suiten sind sehr geschmackvoll und komfortabel eingerichtet. Das Hotel liegt direkt am Sandstrand, nur zehn Minuten vom Flughafen Sharm el Sheikh entfernt.Im Zentrum der weitläufigen Anlage befindet sich der große Pool. Ideal für Familie mit Kindern: Babyclub und Kinderspielplatz sowie separater Kinderpool.
Das Hotel hat viele Auszeichnungen bekommen: zum Beispiel TUI Holiday Resort 2006, laut Gästebewertung eines der beliebtesten; Thomas Cook: Thomson Green Medal für nachhaltigen Tourismus, und der österreichische Veranstalter Gulet hat es als eines der 100 beliebtesten Hotels bezeichnet. Ein weiteres, das Baron Palms Resort Sharme el Sheikh, befindet sich direkt neben dem Baron Resort.
IntervIew mIt Rolf SchmIdt
Kennt den Sinai und das Rote Meer seit 1974, ab 1982 ist er ununterbrochen mit Sinai Divers vor Ort und der Tauchbetrieb seitdem in einer Hand. Der Tauchpionier am Sinai hat die taucherische Entwicklung von Anfang an miterlebt, mehr noch: mitgestaltet.
Wer über 35 Jahre im Tauchgeschäft am roten Meer tätig ist, hat die Entwicklung des Tauchsports vor Ort im Blick. Was liegt im Trend?
Noch vor etwa zehn Jahren reisten viele Urlauber für zwei Wochen ans Rote Meer, darunter zahlreiche, die vor allem eines wollten: tauchen, tauchen, tauchen. Heute kommen sie meist nur für eine Woche. Die „Hardcore-Taucher“, die im Jahr einen reinen Tauchurlaub und einen separaten Urlaub mit Familie machen, gibt es immer noch, doch inzwischen wird auch immer öfter die nicht tauchende Familie oder der Partner mitgenommen. Das Tauchen ist für viele eine spannende, doch oft nur eine Aktivität im gemeinsamen Urlaub.
Eine familienfreundliche Entwicklung also. Was bedeutet das für die Tauchbasen?
Die Ansprüche an eine Tauchbasis sind gestiegen. Morgens einen Bootstauchgang, mittags mal mit Quads, den vierrädrigen Motorrädern, fahren. Oder heute Hausriff-Tauchen, morgen einen Kameltrip machen oder einen Ausflug zum Katharina-Kloster – für Tauchbasen ist das natürlich ein viel höherer organisatorischer Aufwand als der für einen Gast, der den Urlaub einfach durchtaucht. Doch so ist das eben, und wir haben uns schon früh darauf eingestellt. Außerdem legen die Gäste heute viel mehr Wert auf das soziale und gesellschaftliche Umfeld auf der Tauchbasis.
Stichwort Hausriff-Tauchen. Das scheint ein Dauertrend zu sein.
Auf jeden Fall. Tauchen am Hausriff ist so beliebt, weil es so unkompliziert ist und man seine Zeit selbst einteilen kann – völlig unabhängig von Boots-Abfahrzeiten. Je nach Ausbildungsstand geht das mit oder auf Wunsch auch ohne Tauchguide. Da kann man sich spontan auch ganz kurzfristig noch zu einem Tauchgang entschließen.
Wir fanden das Hausriff beim Baron Resort in einem ausgezeichneten Zustand. Einige der „alten“, klassischen Saumriff-Tauchplätze bei Sharm el Sheikh dagegen scheinen doch ein wenig gelitten zu haben.
Ja, das muss man so sagen, alles andere wäre ja auch unglaubwürdig. Besonders einige sehr nah bei Sharm gelegene intensiv betauchte Küstenriffe sahen früher tatsächlich besser aus. Es sind aber nicht nur Taucher an diesen Riffen, sondern auch viele Schnorchler und Badegäste. Lohnenswert ist das Tauchen dort aber immer noch. Auf der anderen Seite gibt es ungeachtet der vielen Taucher immer noch unglaublich intakte Riffe. Das Jackson Riff zum Beispiel. Da liegen oft über 20 Tauchboote am Tag, und dennoch: Das Riff ist einfach herrlich. Auch das Thomas Riff ist prächtig wie eh und je. Aber auch Küstenriffe wie Ras Um Sid oder Ras Katy sind nach wie vor tolle Tauchplätze. Und das Ras Mohammed ist immer noch wunderschön, auch wenn hier weniger Fische sind als früher.
Nach über 30 Jahren im TauchbeTrieb auf dem Sinai – locken dich die Riffe vor deiner Haustür noch zu privaten Tauchgängen?
Unbedingt. Petra und ich kennen ja nicht nur die Riffe im Roten Meer. Wir ma- chen schon lange jedes Jahr Urlaubsreisen, sehr häu- fig gehört Tauchen mit dazu. Weltweit gibt es so viele Top-Tauchziele, und das Rote Meer gehört dazu. Daher machen wir auch einmal im Jahr eine private Tauchsafari: auf unserer „Ghazala 1“, nur mit Familie und Freunden, zu den bekannten Plätzen des Sinai.
Sinai Divers
Foto: Manuela Kirschner
Niemand ist so lange und ohne Unterbrechung auf dem Sinai im Tauchgeschäft wie Rolf und Petra. Rolf Schmidt war erstmals 1974 auf dem Sinai. 1977 eröffnete er seine erste Tauchbasis in Sharm und seit 1982 sind die beiden ohne Unterbrechung auf dem Sinai präsent. Seit 1987 firmiert ihr Tauchbetrieb unter dem bekannten Namen Sinai Divers. Dieses Jahr blickt Rolf auf rund 35 Jahre Sinai zurück und feierte seinen 60sten Geburtstag.
Vom Vorruhestand oder auch nur von einem Gedanken daran sind er und Petra gefühlt Lichtjahre entfernt. Tauchbasen Die Stammbasis der Sinai Divers ist im Ghazala Village in der Naama Bay. Die zweite Basis in Sharm el Sheikh befindet sich im Baron Resort. In Dahab befindet sich eine Sinai-Divers-Tauchbasis im Hilton und eine zweite, Sinai Divers Backpackers, in Asalat.
Hier arbeitet man auch zusammen mit den Meeresbiologen Dr. Christian Alter und Professor Hofrichter. An der Festlandküste nahe Marsa Alam betreiben Sinai Divers und Werner Lau ein Gemeinschaftprojekt, das Taucher-Hotel „The Oasis Dive Resort“. In Aqaba/Jordanien ist eine Sinai-Divers-Tauchbasis im Mövenpick Resort & Spa Tala Bay Aqaba untergebracht. Safaris „Ghazala 1“ war das erste Safariboot in Ägypten, die Mutter aller Safariboote, mehrfach überholt mit sechs Kabinen.
Die gesellige, klassische Yacht startet vom Sinai aus. Das 30 Meter lange Flaggschiff der Sinai-Divers-Flotte, die „Ghazala Voyager“, wurde 1996 speziell für die weit abgelegenen Tauchgebiete im Süden Ägyptens gebaut.
Projekt Top-Shot
Hinter den Kulissen der UW-Foto-WM









