Alpen und Adria
Wildwassersport in Slowenien
Am Fuß der imposanten Julischen Alpen fließt die Soča, Europas vielleicht schönster Fluss, der Adria entgegen, wo sie als Isonzo im Golf von Triest das Mittelmeer erreicht. Wenige Kilometer unterhalb ihrer Quelle im Mangart-Massiv findet die kleine Lepena den Weg in die Soča und beide gehen im wildromantischen Trentatal eine turbulente Beziehung ein, zu der sich nahe dem Ferienort Bovec noch die Koritnica gesellt. Die gesamte Strecke bis zum Städtchen Kobarid ist ein Dorado für Wildwassersportler.
Alpen und Adria
Wildwassersport in Slowenien
Peter Della Bianca blickt versonnen auf das brodelnde Weißwasser: Zwischen dem hellgrauen Gestein gute 15 Meter unter der Brücke, auf der wir stehen, scheint der Fluss förmlich zu kochen. „Wir nennen das Trentatal auch Adrenalin Valley. Aber die Walze da unten, die ist nur für Könner.“ Peter grinst: „Rodeo, Kayaking, Canoeing oder Rafting. Hier geht alles, was du willst – wenn du kannst!“ Er selbst kommt kaum noch dazu, sich mit dem Fluss zu messen, seit er das Eco Camp Korita übernommen hat.
Ein herrliches Stückchen Land für einen Campingplatz, ein paar feste Hütten, Lagerfeuer, manchmal Musik, aber immer jede Menge Kajakfahrer und stets das Rauschen der Soča im Ohr. Mal wild und weiß schäumend, mal sanft vor sich hin säuselnd gräbt sich das Wasser seinen Weg durch den Fels und treibt Richtung Süden. Hier oben im Triglav-Nationalpark hat die Soča ihre engsten und steilsten Passagen. Doch der „smaragdene Fluss“ bildet zuweilen auch Gumpen und sanft dahinfließende Abschnitte, deren türkisklares Wasser im Hochsommer zum Tauchen und Schnorcheln einlädt. Nur im Frühjahr zur Schneeschmelze oder im Sommer nach starken Regengüssen hüllt sich auch die Soča in schmutziges, trübes Gletscherblau und zeigt Tauchern die kalte Schulter.
Wenn sich die mitgeführten Sedimente, Kies und große Steine am Boden einen Platz gesucht haben und das Wasser wieder durchsichtig in der Sonne funkelt, hat das Bachbett oftmals sein Gesicht verändert.Kleine Gumpen sind zugeschüttet, markante Felsformationen im Kies verschwunden. Das macht diesen Fluss stets aufs Neue interessant. Doch spätestens nach der nächsten Frühlingsschwemme sind die alten Verhältnisse wiederhergestellt.
"In mehreren Kehren kann man sich im maximal sechs Meter tiefen Wasser von der Strömung vorwärtstreiben lassen, bis die Schlucht an einer flachen Stelle endet und einen bequemen Ausstieg ermöglicht"
Flusstauchgänge sind meist kalt, kurz und relativ flach. Der Mangel an Tiefe wird durch starke Strömung ausgeglichen, die Kälte des Wassers spürt man kaum, wenn man versucht, sich einige Meter flussaufwärts zu kämpfen. Der Mangel an Farben oder Pflanzen wird durch bizarre Steine wettgemacht. Jeder, der bei einem Spaziergang entlang eines Gebirgsbachs unwillkürlich anfängt, nach schönen Kieseln zu suchen, wird diese Faszination verstehen. Marmorierte, gestreifte, rund geschliffene und unterhöhlte Formen zeigen vor allem, wie die Kraft des Wassers in Tausenden von Jahren den Fels zu schleifen vermag.
Da, wo das Bachbett sich tief in die Kalkalpen gefressen hat, sind unter Wasser geheimnisvolle Gesteinsformationen entstanden. Besonders beeindruckend gestaltet sich die Unterwasserlandschaft an der „unteren Schlucht“, die jedem Kajakfahrer vor Ort ein Begriff ist. Vorab lässt sich die etwa 70 Meter lange Tauchstrecke von einer Hängebrücke aus erkunden. Der Einstieg erfolgt von der gegenüberliegenden Canyonseite. In mehreren Kehren kann man sich im maximal sechs Meter tiefen Wasser von der Strömung vorwärtstreiben lassen, bis die Schlucht an einer flachen Stelle endet und einen bequemen Ausstieg ermöglicht.
Besonders im Sommer und Herbst, wenn das Wasser niedrig steht und die Strömung nachlässt, ist dies eine guter Platz für den gemütlichen Einstieg, um von dort im Strömungsschatten den Fluss hinauf zu tauchen. Weiter flussaufwärts, am Abzweig nach Brvce, geht’s noch bequemer. Allein die Farbe des Wassers macht jeder tropischen Lagune ernsthaft Konkurrenz und entschädigt für die kurze Kraxelei zum Fluss hinunter. Das Wasser hat hier Stehtiefe, was ein bequemes Anlegen der Flossen ermöglicht. Gegen die Strömung geht es durch den Canyon, bis ein kleiner Wasserfall das Ende der Tauchstrecke markiert. Je nach Fließgeschwindigkeit kann der Rückweg zur kurzen Schussfahrt werden, die in einem breiten Kiesbett endet.
Für Taucher von besonderem Interesse ist eine Forellenart, die nur noch in den höheren Lagen der Soča und ihren Gebirgszuflüssen vorkommt, die Marmorata-Forelle. Nach dem Krieg galt sie bereits als ausgestorben, zunächst von hungrigen Soldaten mit Dynamit dezimiert, später von eingesetzten Bach- und Regenbogenforellen endgültig verdrängt. Die übrig gebliebenen Bastarde, Kreuzungen aus Marmorata- und anderen Forellen, sind beim Befruchten des Laichs meist schneller als die wesentlich größeren Marmorata-Männchen.
Inzwischen wurden allerdings in kleinen, hoch gelegenen Soča -Zuflüssen noch unverfälschte Exemplare entdeckt, nachgezüchtet und laufend in der Soča ausgesetzt. Diese Tiere sind somit die einzige Hoffnung, den imposanten, bis 120 Zentimeter großen und schönen Fisch vor dem endgültigen Aussterben zu retten.
"Im seichten Wasser unter den Holzplanken des Steges stehen oft größere Hechte und beäugen ihre potenzielle Beute, da es an Kleinfisch im Schutz der Überdachung nicht mangelt"
Immer wieder blitzt die blaue Soča neben den Kurven durch das Grün der Bäume, während sich die Straße im Trentatal zum Vršič-Pass hinaufschraubt. Dann ist der Fluss plötzlich außer Sicht und man nimmt die Gelegenheit wahr, sich endlich dem grandiosen Gebirgspanorama mit seinen Gipfeln Triglav und Mangart zu widmen. Auf der anderen Seite des Passes führen nicht weniger als 49 Haarnadelkurven hinunter nach Kranjska Gora, Sloweniens berühmtem Skiort.
Von hier aus geht es ostwärts zum Blejsko Jezero am alten Kurort Bled. Ruhig gleiten die Gondeln über das blaue Wasser, langsam zuckeln Pferdekutschen durch die liebliche Landschaft zur Burg Blejski Grad hinauf und stimmen Besucher auf die malerische Kaiserin-Sissi-Atmosphäre ein, die über der Landschaft zu liegen scheint. Unterirdische Quellen sorgen im Sommer für satte 24 Grad Wassertemperatur im maximal 30 Meter tiefen Bleder See am Fuß der Karavanken. Getaucht wird im Freibad unterhalb Sloweniens ältester Burganlage.
Im seichten Wasser unter den Holzplanken des Steges stehen oft größere Hechte und beäugen ihre potenzielle Beute, da es an Kleinfisch im Schutz der Überdachung nicht mangelt. Jenseits der Grenzen des Schwimmbades wurde zwar leider einiger Müll ins Wasser gekippt, aber Fische scheinen zwischen natürlichem Unterschlupf und alten Reifen keinen großen Unterschied zu machen. Döbel und Rotfedern finden in den Pflanzen ein sicheres Versteck und werden im Dämmerlicht von Aalen abgelöst.
"Keine Hechte, sondern Seeforellen sind die Räuber dieses Gewässers, die durch die hohen Gräser streifen"
Von Bled aus fährt man parallel zur Sava eine halbe Stunde zum ehemaligen Wocheiner See, der heute als Bohinjsko Jezero glasklar und still in einem Talkessel ruht. Und ruhig ist es hier wirklich. Kein Motorenlärm stört die Idylle am See, der nur mit Elektrobooten befahren werden darf. An seinem hinteren Ende kann man am Campingplatz bei Ukanc bequem in das herrlich blaue Wasser eintauchen. Im Sommer erwärmt sich dieser Gebirgssee immerhin auf eine Oberflächentemperatur von etwa 20 Grad. Keine Hechte, sondern Seeforellen sind die Räuber dieses Gewässers, die durch die hohen Gräser streifen.
Daneben trifft man am kiesigen Grund auf die Quappe, den einzigen Süßwasserdorsch. Getaucht werden darf, wie fast überall in Slowenien, wo keine Fischzucht betrieben wird, keine Hafen- und Reedereianlagen sind oder es nicht ausdrücklich verboten ist. Somit bietet sich für Erkundungstauchgänge fast die gesamte Südlänge des Sees an, die parallel zur Straße verläuft und leicht erreichbar ist. In den Bauerndörfchen Studor und Stara Fužina ist die Zeit stehen geblieben.
Bunte Geranienkästen schmücken die alten Fachwerkhäuser und nur die modernen Kombilimousinen mit deutschem Kennzeichen lassen darauf schließen, dass Familien gern hier Urlaub machen. Hinter dem Hotel Kompas in Ribčev Laz hat sich der Fluss Sava Bohinjka über eine Länge von etwa 200 Metern eine kleine Schlucht gegraben, von der die Hälfte der Strecke einen wirklich schönen Flusstauchgang ermöglicht. Folgt man dem Weg hinter den Tennisplätzen zum Wasser, erreicht man durch einen lichten Mischwald die Sava, die jadegrün und doch schnapsklar durch die Bäume schimmert.
Je nach Jahreszeit und Wasserstand ist der Fluss bis zu neun Meter tief und von zahlreichen Forellen und Äschen bevölkert. Da die Straße nach Bled weitestgehend entlang des Flusses verläuft, lohnt es sich, hier und dort einen Blick auf das Wasser zu werfen und selbst Ausschau nach weiteren Gumpen zu halten. Solange dies in friedlicher Koexistenz mit den sicherlich anwesenden Anglern geschieht, sind dem Entdeckertum keine Grenzen gesetzt.
Länderinfo Slowenien

Foto: Gerald Nowak
So breit das Spektrum der Outdoorsportarten in Slowenien auch sein mag, Flusstauchen ist hier eine Randsportart. Dementsprechend schlecht ist die Infrastruktur, Tauchbasen und Füllstationen gibt es nur an der Adriaküste oder in Österreich. Man ist also auf Selbstversorgung angewiesen und muss das Reisegepäck durch einen Kompressor oder gefüllte Flaschen beschweren. Manch Einheimischer mag dem Zweck des Tauchens sogar misstrauisch gegenüberstehen und kann kaum glauben, dass Taucher sich ausschließlich an der Unterwasserlandschaft erfreuen können.
Übernachtungstipp:
In Kobarid südlich von Bovec ist das Hotel Hvala in Familienbesitz. Die modernen Zimmer haben Sat-TV und Balkon, Gäste können Mountainbikes ausleihen. Das Hotelrestaurant gehört zu den besten des Landes. Am Wocheiner See ist die Pension Vila Park zu empfehlen. Sie hat nur sieben Zimmer, aber der Garten grenzt an die glasklare Sava, vor der Seemündung. Ein Badestrand liegt in der Nähe. Die Chefin, Jana Briscsan, sorgt persönlich für die Gäste. Bohinj, Ukanc 129, Tel. 00386/45723300
Reise-Info: Slowenien
Slowenien, am Südrand der Alpen zwischen Italien und Österreich gelegen, ist EU-Mitglied und feiert 2011 den 20. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Der Balkanstaat ist ein Mekka der Adrenalinsportler, bietet aber durch seine abwechslungsreiche Landschaft jedem Familienmitglied einen erlebnisreichen Urlaub. Ljubljana wird als freundlichste Hauptstadt Europas gepriesen, Maribor lockt mit mittelalterlicher Kulisse, jungem Ambiente und wird 2012 Kulturhauptstadt Europas. Der Weg vom Gebirge an die nur 46 Kilometer lange Adriaküste führt vorbei an Weinbergen und Steineichenwäldern. In der Karstlandschaft kann das Gestüt der stolzen Lippizanerpferde besucht werden, in unmittelbarer Nähe locken die Tropfsteinhöhlen von Škocjanske Jame zu einem spektakulären Abstecher in die Unterwelt, durch die tosend die Reka fließt. Die Altstädte von Koper, Izola und Piran an der slowenischen Riviera laden zum Flanieren ein und Portoroz versprüht noch immer den mondänen Charme, der irgendwo zwischen k.u.k. Monarchie und Sozialismus liegt.
Einreisebestimmungen
Für Deutsche, Österreicher und Schweizer genügt der gültige Personalausweis oder Reisepass. Fahrzeugpapiere und Grüne Versicherungskarte nicht vergessen!
Anreise
Mit dem PKW von Salzburg nach Villach (Zehn-Tages-Vignette 7,90 Euro), dazu 9,50 Euro für die Tauernautobahn (einfache Strecke), Tunnelmaut für einen PKW durch den Karavankentunnel 6,50 Euro (einfache Strecke). In den Triglav-Nationalpark über Villach zunächst nach Tarvisio in Italien und über den Predilpass nach Slowenien einreisen, der sich oberhalb des Soča-Tales befindet. Die slowenische Autobahn ist ebenfalls mautpflichtig. Eine PKW-Vignette für sieben Tage kostet 15 Euro und ist beim ADAC erhältlich.
Klima & Reisezeiten Die Temperaturen liegen an der Adria von April bis Oktober zwischen 18 und 28 Grad Celsius. Im Hochsommer (Juli/August) steigt das Barometer öfter auf über 30 Grad Celsius. Im Karavanken-Gebiet herrscht alpines Klima.
Gesundheit
Das Gesundheitswesen in den slowenischen Großstädten entspricht dem europäischen Standard. Privatpatienten müssen vor Ort bar bezahlen, die Kosten liegen leicht über deutschem Niveau. Kassenpatienten rechnen über den Auslandskrankenschein ihrer Versicherung ab.
Währung
Euro
Sprache
Die Landessprache ist Slowenisch, Deutsch wird in den meisten Touristenorten gesprochen.
Übernachten
Von der einfachen Privatunterkunft (ab circa zehn Euro pro Person und Tag), über Apartments (ab circa 20 Euro pro Person und Tag) bis zum komfortablen Sporthotel (ab circa 35 Euro pro Person undTag mit Übernachtung/Frühstück) fächern sich die Unterkunftsmöglichkeiten. Die Tourismusbüros in den jeweiligen Ortschaften vermitteln Quartiere jeder Preisklasse. Camping ist im ganzen Land ausschließlich auf Campingplätzen erlaubt, wildes Camping, ganz besonders im Triglav-Nationalpark, ist strengstens verboten. Campingplätze sind etwa vom 01.05. bis 30.09. geöffnet, die Preise sind saisonabhängig. Man kann ungefähr mit Kosten von zehn bis 15 Euro pro Person und Tag inklusive Strom und Kurtaxe rechnen.
Restaurants
Die slowenische Küche ist von norditalienischen und ungarischen Einflüssen geprägt. Pizza und Pasta, leckere Gnocchi, aber auch Wildgerichte mit Polenta, Sauerkrautsuppe mit Bohnen und Ċevapčiċi stehen auf den Speisekarten in Nordslowenien. Spezialität sind süß oder herzhaft gefüllte Strudel. An der Adria wird das Angebot durch Meeresfrüchte ergänzt. Die Preise liegen leicht unter dem deutschen Niveau.
Tauchen
Tauchen ist grundsätzlich überall gestattet, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Hierzu gehören Fischbrutplätze im Bohinjer See, Hafen- und Reedereianlagen und Teile des Nationalparks. Teilweise ist eine Schutzgebühr zu entrichten, Tauchgenehmigungen erteilt die nächste Polizeistation. Da die slowenischen Gewässer beliebte Angelgebiete sind, sollte man vor allem auf die allzeit anwesenden Angler sensibel reagieren, meist waren sie zuerst da! Tauchbasen sind nicht vorhanden. Man muss entweder einen Reisekompressor mitbringen oder die Flaschen in Villach füllen.
Frauen der Meere
Die Geschichte der Haenyo-Taucherinnen









