Aktuell

Kategorie: Row for Silence
22.02.2012

Ich treffe kaum eine Taste, kann fast nicht mehr laufen und eiere durch den Raum, habe keinen Tränen mehr übrig, bin absolut abgebrannt und von der Sonne v-e-r-brannt, habe Schmerzen in jedem Muskel, bin todmüde, verhungere und verdurste ABER ich versuche wenigstens einen kurzen Blogeintrag zustande zu bringen. ES IST VOLLBRACHT! Ich habe heute, nach 90 Tagen, den Hafen von Barbados erreicht. Ein unglaublich anstrengender Tag, nach einer unglaublich anstrengenden Nacht. Ein gewaltiges Stück Arbeit, das am Ende fast noch schief gegangen wäre, als der Wind im Hafen mich gegen eine Multimillionendollar-Yacht drücken wollte. Unter reichlich Applaus, der ganze Hafen fieberte mit, gelang mir der Befreiungsschlag, und ich quälte mich mit längst aufgerissenen Handflächen doch noch an den Steg und machte mein Boot fest. 90 Tage, 3500 Seemeilen. Im Ruderboot von Portugal nach Barbados. Höhen und Tiefen. Alles endet an einem winzigen Steg im Hafen von Port St. Charles in türkisfarbenem Wasser mit einem einzigen wankelmütigen Schritt in rettenden Arme. Ich bin emotional im Moment total überfordert, kann nichts analysieren oder beschreiben. Ich bin körperlich angekommen, jetzt warte ich auf meinen Kopf. Ich werde sicher eine Weile brauchen um das alles zu verarbeiten. Gebt mir ein wenig Zeit. Die ersten Bilder sind online und ich endlich in einem Bett, in dem ich mich nicht mehr angurten muss und von Haien geweckt werde. Bis in Kürze ….

Kategorie: Row for Silence
20.02.2012

Land in Sicht! Ich sehe wirklich Land! Was eine Überraschung! Hoffen wir, dass es nicht Indien ist, oder so eine ganz moderne Kannibalen Insel. Vielleicht ist es ja wie im Kino: Ich bin die letzte Überlebende auf Erden – oder ein Virus hat alle in Zombies verwandelt. Tzzzz. Nach drei Monaten (89 Tage) erblicke ich erstmals wieder etwas anderes als Wolken und Wellen am Horizont … und, gesegnet sei die Zivilisation: ich entdeckte ein schwaches Signal auf meinem Mobiltelefon. Noch kann ich mich nicht richtig einloggen, noch könnten Zombies im Spiel sein! Noch 25 Seemeilen, 46 Kilometer. Alles steht auf Go! Morgen früh, am 90sten Tag nehme ich die Landung in Angriff. Alles ziemlich hektisch jetzt, sehr emotional und die Nerven sind längst durchgedreht und über Bord gesprungen. Hoffentlich hält der Wind jetzt für weitere 24 Stunden. Bin heute Morgen kurz eingenickt und wurde böse von einem Squall bestrafft – fast drei Seemeilen weiter im Norden bin ich aufgewacht. Was ein Schock
. DAS DARF NICHT WIEDER PASSIEREN! Noch so einen Fehler kann ich mir nicht erlauben. Aber es wird schwierig mit so wenig Schlaf nicht der Versuchung zu verfallen, nur mal ganzzzzz kurz die Augen zu schliessen. Sei’s drum. Jetzt koche ich Instant-Kaffee, hole das schwere Chemiearsenal aus der Luke für den Notfall und wappne mich für eine letzte Nacht, die schlimmste Nacht aller Nächte fürchte ich. Sollte ich es schaffen, werde ich dann natürlich gleich als nächstes ein Zombie-Gegenmittel entwickeln und die Welt retten … aber erst mal Eins nach dem Anderen. Und jetzt muss ich wieder raus. Denkt an die gedrückten Daumen, die kann ich vielleicht auf der Kannibalen Insel gegen mein Leben eintauschen! Also drücken, drücken, drücken!

Kategorie: Row for Silence
19.02.2012

Also gut, einer noch! Ein allerletzter Eintrag, bevor ich mich endgültig unter Myriarden von Sandkörnern am Strand von Barbados vergrabe – oder noch wenigstens meine Füße in einer gigantischen Sandburg festzementiere, auf dass sie vorerst keine weiteren Abenteuerwege beschreiten können. Auf dass sie vorerst erst eimal zur Ruhe und Erholung verdammt werden. Ein letzter Blogeintrag vom Boot – für Euch, für das Meer, für meine Begleiter. Ein letztes Mal lass’ ich hier den Sand der Zeit durch meine Finger rinnen, setze kleine Sandhäufchen auf meine Tastatur und beginne mit der Arbeit: Modelliere daraus kleine Luftschlösser für alle Abenteurer und Träumer dieser Welt. Und obgleich erst gestern ein mürrischer Zeitgenosse per Email mahnte und schrieb: mein letzter Eintrag wäre nur ganz knapp an “der Irrenanstalt vorbeigegangen” – ich tue es wieder, kümmere mich nicht die Bohne um meine Metaphern und nehme, wenn’s denn sein muss, sogar am Ende noch die Schaufel und schlage alle Skulp
turen wieder kaputt … auf das sich Neues daraus bauen lässt am folgenden Tag. Also … wer ist dabei?!

Es scheint fast, als hätt’ ich so aus Versehen und/oder in voller Absicht den Treibanker ausgeworfen, als würde ich mit meinen Popeye-Ruder-Waden voll aufs Bremspedal latschen. Das ist keine optische Täuschung in der singenden, sengenden Hitze des Atlantiks, nein, ich verzögere den Höhepunkt! Und das auch gleich mal um ganze 24 Stunden! Geschätze Ankunft auf der Ziellinie jetzt erst nach genau 90 Tagen, also am Dienstag Morgen. Nichts mehr mit Montag!

Tatsache ist: Der Wind mag mich nicht gehen lassen. Er klammert. “Bleib, bleib, bleib Janice!”, ruft er. “Es kümmert mich nicht mehr, was ich dem Wetterbericht versprochen und gelobt habe zu tun.”, “DU BLEIBST HIER!” Naja, so ganz grob und in etwa hört es sich jedenfalls an :-) Und um die Eindringlichkeit der Ausweglosigkeit der Abhängigkeit zu untermauern, wirft er tatsächlich alle Wetterprognosen über den Sandhaufen und drückt mich gegen die Schiffbruch-Küste der Insel. Auf das ich daran zerschelle wenn ich nicht augenblicklich mit dem (weg)rudern aufhöre. Auf ewig wären wir vereint, ich als Welle den Erdball umkreisend … das ist sein Plan dünkt mir. ABER NICHT MIT MIR! Ich rudere, ich stemme mich dagegen, Meter um Meter gewinne ich wieder an Distanz in den Norden. Dieser Kampf verschlingt allerdings die meisten meiner Ressourcen, und somit komme ich nicht mehr so schnell voran wie geplant. Würde ich weiterrudern wie bisher, immer damit beschäftigt nicht zu schnell von Wi
nd und Strömung nach Süden getrieben zu werden, würde ich nun inmitten einer mondlosen Nacht auf der Zielgeraden (13°20.700N, 59°36.900W) ankommen. Wenige Meter bis zum nächsten Riff – unmöglich es zu erkennen in der Dunkelheit. Sicher könnte ich die schweren Brecher hören, was wenig helfen würde. Nein, das Risiko ist mir hoch. Viel zu hoch. Also dann doch lieber ein wenig bummeln und etwas länger zappeln. Muss ich wenigstens auch Nachts nicht ununterbrochen draußen bleiben wenn der Kurs mal steht. Fast 40 Fliegende Fische schlagen im Moment in den Stunden der Nacht ein, bombadieren mich und mein Boot. Ihr kennt mein Trauma …

Könnte aber schlimmer kommen. Das Wetter ist, abgesehen von den Windrichtungen und Windstärken, eigentlich traumhaft. Ich befinde mich am Nabel das Lebens, wohin ich auch schaue: schwarze Vögel, silberfarbene Fischeschwärme, pinke Seeblasen, gelbe Algen … blaue See und weißer Schaum – der Ozean hat die bunten Prachtkleider ausgepackt. Ich würde gern an meinem Hai-Trauma arbeiten -ihr wisst ja noch, der Wal der mich geküsst hat, und ich dachte nur noch ein Hai frisst mich- würde gern wieder baden gehen, aber der Ozean lässt mich nicht. Seit Tagen treiben Portugisische Galeeren mit ihren meterlangen Tentakeln im Wasser, und wo sie mal für ein Stündchen nicht zu sehen sind, nehmen große Barrakudas ihren Platz ein. Es lässt sich aushalten … gieße mir alle 30 Minuten einen Eimer Wasser über den Kopf und einen weiteren übers Deck, damit ich mir die Füße nicht verbrenne. Ich genieße die Unterhaltungsdichte, merke aber doch, dass ich innerlich ziemlich angespannt bin. Sehr wenig
Schlaf, dauernd erwische ich mich am großen Simrad Karten-Plotter, rechne und zeichne und hoffe dass der Kurs steht. Ich denke zwei Tage halte ich noch durch, aber um ehrlich zu sein: die Nähe zur Küste ist in so einem Boot ein Garant für reichlich Stress. Vorsichtig ausgedrückt.

Nun denn, noch 48 Stunden. Habt ihr noch genügend Daumen übrig?

Kategorie: Angespült
15.02.2012

Sie sehen, sie sehen (fast) nichts

Die Zeit war so freundlich bereits vor ein paar Tagen aufzuschreiben, was nicht nur tauchende Menschen kurzzeitig amüsieren dürfte, zum Spekulieren anregt oder einfach nur als Hinweis zu verstehen ist, dass Google Earth seine Unterwasserkarten aktualisiert hat. Auch alle Anderen könnte dieses Thema interessieren, beinhaltet es doch Reizworte, die in jeder Skeptiker-Top-Ten ganz oben stehen dürften: Verschwörung, Atlantis, Google. 

Google Earth versenkt Atlantis noch ein bisschen tiefer

Linien am Meeresgrund lösten 2009 Spekulationen aus: Google Earth zeige, wo Atlantis versank. Nun sind die Karten aktualisiert und der vermeintliche Fundort schwindet.

Den ganzen Artikel gibt es hier zu lesen. Was denkt ihr? 


Kategorie: Row for Silence
15.02.2012

Je näher ich mich an die Insel heran rudere, um so mehr werde ich von den absurden Problemen meiner Logstik wieder eingeholt. Ich bin noch nicht einmal richtig im Vorgarten des Palmen-Paradises angekommen, da muss ich mich auch schon langsam wieder um den Rücktransport des Bootes kümmern. Wow, für 6800,00 US$ geht es per 40ft Container nach Hamburg. Nochmal: Wow!!! Das war eigentlich anderes geplannt. Folglich müssen wir jetzt eine Alternative finden, vielleicht nach Antwerpen oder Rotterdam .. oder -und ich tendiere langsam stark dazu!- halt zurückrudern über den Golfstrom. Und überhaupt: Warum will ich das Boot eigentlich wieder nach Deutschland holen? Setzen wir es doch auf Grund!- Hat doch seine Schuld getan! O-D-E-R?

Ich habe total verrückte Pläne im Kopf. Das hier hört NIE mehr auf, so fürchte ich. Ich bin ein Vampir der Sinne geworden, und habe Blut geleckt. Viel Blut! Vielleicht rudere ich nicht sofort für ein halbes Jahr über den Pazifik, oder quere gleich nächste Woche nach dem Frühstück die Drake-Passage im Ruderboot … nein, aber ich habe spannende -und vor allem überraschende!- Gruselgeschichten für Vampirskinder im Kopf – das hier ist nie mehr vorbei! Es wird jetzt einiges an anstrenger Zeit an den Stränden der Insel benötigen, einige eiskalte Drinks für den heißen Kopf und schmerzhafte Massagen auf den Strandliegen, bevor ich endgültige Entscheidungen treffe und meinem Boot hinterher reise. Egal wohin und in welche Zukunft.

Ihr merkt es … ich drängle ein wenig, fürchte auch, es wird der letzte (Blog)Eintrag von See sein, den ich absetzten kann. Gesetzt dem Fall, dass nichts Ungewöhnliches mehr passiert und ich am Ende vielleicht doch nach Florida rudern muss … oder so. Nein, Es wird jetzt knifflig und so langsam packe ich im Boot alles um. Ich werde in den letzten Tagen und Stunden höchstwahrscheinlich sehr im Stress sein. Jetzt kommt es drauf an, jetzt muss alles passen. In diesem Sinne: Drückt mir eure drei Daumen, dass ich es standesgemäß zuende bringen und mein Boot in Kürze und eigenhändig im Hafen vertäuen kann. Dannach bin ich wieder für euch da. Doch jetzt versuche ich einmal mehr mein Bestes zu geben und die letzten Atemzüge ganz bewusst und bewusst allein, ganz im Stillen, zu inhalieren.

Der genaue Ankunftstermin ist natürlich nach wie vor ein wenig spekulativ! Zuviele Faktoren sind noch unbekannt. Auch sollte ich nicht unbedingt im Sternenlicht den Riffen ausweichen. Ich rechne jedoch fest damit, dass ich am Montag Morgen, dem 20.2. die offizielle Zielline auf 59°36N, nördlich von Barbados überquere, und es dann bis zum Einbruch der Dämmerung bis in den Hafen schaffe. Dort exisitiert im Übrigen eine Webcam auf der ihr mir Sektkorkenknallend, Zigarrenrauchend und Raktenabfeuernd zuwinken könnt! Gehen wir’s an!

Kategorie: Row for Silence
11.02.2012

Erschreckend nüchtern tickt die Uhr, erschreckend nüchtern seh ich nur: die Position auf meiner Karte, vor der ich sitz’ und warte. Was passiert mit den Sekunden hinter dem Uhrenglas nachdem sie abgelaufen sind? Ist da ein Zeitsack drin, hinten im Uhrwerk? Fallen sie da einfach hinein? Sekunde für Sekunde, abgeheftet mit einem Post-It auf dem eine kleine Erinnnerungsnotiz steht? 11:35:13 “Janice hat sich auf Barbados gefreut, hat gelacht!” 11:36:26 “Janice mag den Anker auswerfen, mag nicht an Land, heult gleich wie ein Kind.” 11:37:53 “Janice zurück an den Rudern, mit doppeltem Einsatz” … so in etwa. Es müsste in der Uhr ein zweites Display geben, einen Ambivalenzmesser, der einfach nur in rot oder grün anzeigen und abstempeln würde, ob das benutze Post-It nur der Entwurf eines Gefühls war, oder endlich eine finale Version des Erlebens, ein Schlusspunkt hinter dem Akt.

Ich will nicht weg hier! Und doch, es ist so schrecklich wie ich das Land vermisse. Das Land mit seinen Menschen, denen ich auch immer so gern rote oder grüne Post-Its auf die Stirn geklebt habe. Hier und da, ganz sparsam, sogar rosafarbene. Alles mit grün und rosa mag ich unbedingt wieder in meine Arme nehmen. Möglichst bald.

Der Ozean ist noch nicht fertig mit mir. In den letzten Tagen spült mir der Wind mit bis zu 30 Knoten (Windstärke 7) wieder reichlich Wasser aus sechs Metern Höhe ins Boot. Muss dauernd pumpen an Bord meiner sich drehenden Waschmaschine. Und gestern Nacht ist mir auch wieder reichlich Wasser durch die hinter Luke in die Kabine eingeschagen. Wollte nur kurz lüften, es war extrem heiß. Der Schwall ergoss sich über mein Gesicht, direkt auf Schlafsack, Matte, Decke und Kissen – alles triefnass. Danach, wie immer: verteilte es sich in der kompletten Kabine und allen Taschen und Aquapacs (Gott sei dank!). Habe irgendwie notdürftig wieder alles aufgemoppt und eine tolle Nacht im Nass verbracht. Wenigstens nicht mehr so warm. Jetzt kann ich schauen, wie ich bei aktuell 25kn den Kram halbwegs trocke bekomme. Werde mir jetzt aber erstmal einen halben Liter Trinkwasser über dem Kocher ausbalancieren und eine kräftige Erbsensuppe machen. Da kommen dann noch reichlich frisch Sprossen rein
– im Moment mein Highlight hier: Essen!

Kategorie: Angespült
10.02.2012

In den Wissenschaftsredaktionen machen seit Kurzem die Burrunan-Delfine Schlagzeilen. Rund 150 Exemplare dieser bisher unbekannten Art der Großen Tümmler entdeckte ein Forscherteam um die Biologin Kate Charlton-Robb von der Universität Moshiba vor der Küste von Melbourne, der Hauptstadt des australischen Bundesstaats Victoria. Dabei tummeln sich die Tiere schon seit vielen Jahren in der Port-Phillip-Bucht direkt im Süden von Melbourne und den nahen Gippsland-Seen. Also auch genau vor der Nase der Wissenschaftler – nur keiner merkte, dass es sich bei diesen Tieren um eine eigene neue Art handelt. Bis das Forscherteam bei zahlreichen Untersuchungen der Schädelform und der DNA erkannte, dass diese Delfine anders sind. Sie gaben der neuen Art den wissenschaftlichen Namen Tursiops australis und gleich dazu auch den Populärnamen: Burrunan-Delfin. In der Sprache der einheimischen Aborigines steht „Burrunan“ für „Delfin“. Tursiops australis ist damit die dritte, sicher nachgewiesene Tursiops-Art. Er ähnelt dem Großen Tümmler (Tursiops truncatus), dem bekanntesten Vertreter der Delfine, hat jedoch einen kleineren Schädel und bleibt mit durchschnittlich knapp 2,6 Metern Länge auch etwas kleiner. Jedoch ist er größer als der Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus), der zum Beispiel im Roten Meer regelmäßig zu beobachten ist.

Besucher können die neue Delfinart in der Port-Phillip-Bucht während der „Dolphine & Seal Adventure Tours“ (Delfin- und Robbentouren) aus nächster Nähe erleben. Die gut organisierten, eintägigen Ausflüge bringen den Besuchern der Mornington Peninsula (eine Autostunde südlich von Melbourne) zunächst die Schönheiten des Point-Nepean-Nationalparks näher. Dann geht es für drei Stunden mit dem Schiff in die Bucht hinaus, wo sich die Delfine tummeln. Ein Besuch im Pope‘s Eyes Marinepark mit seiner facettenreichen Vogelwelt rundet die Tour ab. Eine erweiterte Variante beinhaltet zudem das Schwimmen oder Schnorcheln mit den Delfinen und Robben. Beide Möglichkeiten werden dreimal wöchentlich von Oktober bis April angeboten. Sie beinhalten auch Mittagessen und Nachmittagskaffee sowie die benötigte Ausrüstung.

Weitere Informationen zu Melbourne und Victoria auf der deutschsprachigen Website www.visitmelbourne.com/de.

Eine deutsche Broschüre ist bestellbar unter www.australien-info.de/vic.

Kategorie: Row for Silence
08.02.2012

Ok, jetzt schlagen wir mal einen klitzekleinen Bogen von Elephant Island in die Karibik. Weg von Shackleton, hin zu Hemingway. Ganz im Ern(e)st: Ich habe meinen Blauen Marlin erwischt! Na ja, zumindest mit der Kamera, und wenngleich auch nicht sonderlich gut getroffen. Aber ich habe ihn! Ein vier bis fünf Meter langer, gigantischer Blauer Marlin, Trophäe meines monatelangen Kampfes im Ruderboot gegen die Elemente. Nun muss ich ihn nur noch auf einer Film-Speicherkarte nach Hause bringen. Und wenngleich keiner von euch an ihm am Ende wirklich satt werden wird, er wird die Träume meiner (eurer?) Welt nähren.

Weiss nicht, symbolisch für mich wieder ganz großes Kino. Nachdem ich nun schon Freundschaft mit meinem weißen schwarz-weißen Wal geschlossen habe… Nun denn: Noch 500 Seemeilen. Noch können die Haie meine Speicherkarten, mein Fotos, Videos und sogar mein Logbuch fressen. Können sich an meinem Marlin weiden. Es bliebe nur ein gigantisches Skelett, das hinter meinen Augen funkeln würde, wenn ich die Erlebnisse dieser Reise später mit der Welt teile. Aber vielleicht reicht das ja?!

Und trotzdem, vorsorglich lade ich den Fisch lieber mal doch schnell also Foto ins Internet hoch. Wie Hemingway’s Geschichte wohl ausgegangen wäre, wo der alte Mann, Santiago, nur ein Satellitentelefon dabei gehabt hätte? Hmmmm… aber womöglich hätte er gar nicht um Hilfe gebeten, nein, bestimmt nicht. Wird sich noch bis ans Ende seiner Tage am Skelett gelabt haben. Könnte ich was lernen von!

Kategorie: Row for Silence
06.02.2012

Das hier ist noch nicht vorbei! Wie konnte ich nur so naiv sein und anfangen die Tage zu zählen. Da verliere ich ein paar Meilen in den letzten Etappen, und plötzlich muss ich meine Rechnung neu aufmachen – muss ein, zwei, vielleicht sogar: drei Tage drauf rechnen. Das ist mental hardcore. Versteht keiner – aber es war wirklich blöd. Zog mich jetzt extrem runter am “Wochenende”. ALSO: Nichts ist vorbei! Das hier geht noch Wochen – nicht Tage, nicht Stunden. Jetzt folgt der wirklich herausfordernde Teil: Die Annäherung an die Insel. Nach tausenden Kilometern auf offenem Ozean, muss ich nun einen winzigen Zielpunkt auf der offiziellen Ziellinie nördlich von Barbados treffen. Der Hafen liegt dann auf der Westseite der Insel, der Osten ist absolutes Schiffsbruchgebiet. Ich muss also die Insel umrunden, darf auf keinem Fall an der Ostküste landen, darf aber auch nicht zu weit nördlich passieren, sonst treibe ich wieder aufs offene Meer heraus und kann die Insel nicht erneut gegen den Wind ansteuern und muss weiter in den Westen nach weiteren Inseln schauen. Die Küste ist zudem gesäumt von gefährlichen Korallenriffen – nein, diese Reise ist wirklich noch lang nicht vorbei! Ich steuere bestimmt auf den Punkt zu, rechne die Wetterszenarien durch und weiß genau, dass nun -nach der extrem anstrengenden Abfahrt in Portugal- der zweite hochkritische Abschnitt bevorsteht. Das Ruderboot ist für mehr also 12 Meter hohe Wellen gebaut wurden, kann schwere Stürme ab … aber Land und Korallenriffe, nein, nicht so dolle.

Ich ziehe also die Reißleine, höre mit dem Tagezählen auf und versuche mich wieder in meiner Welt hier einzuklinken. Wäre schade jetzt nur noch abzuwarten und die Zeit herunter zu rudern. Führt auch zu Unachtsamkeit. Es passiert doch noch soviel hier! Heute Morgen zum Beispiel! Irgend etwas kracht lautstark draußen in meine Niro-Funk-Antenne. Ich denke mir noch, es wird ein Fliegender Fisch sein, aber öffne die Luke und schaue in den Sonnenaufgang. Oh nein! Einer dieser großen, zauberhaften Tropikvogel ist gegen die Aufbauten gekracht. Es ist aber nicht Jack, mein alter Tropenvogelbegleiter, nein, der hier ist neu. Schaut dürr aus, scheint müde. Ich trete aus der Luke, darüber hält sich der Vogel direkt vor den Antennen in der Schwebe. Und dann passiert das Aberwitzige: Er versucht auf MEINEM KOPF zu landen! Kein Scherz! Er geht vor den Antennen runter, kann nirgends sonst landen mit seiner Flügelweite, und ich hebe nur noch meinen Arm und mache ihm GANZ GANZ GANZZZZ deutlich, dass ich das nicht mag! Ich gestikuliere ihm, dass ich versuchen werde die Antennen abzuklappen, dass er versuchen kann auf den Solar-Panels zu landen. Es sei angemerkt, dass etwa 15 bis 20 Knoten Wind herrschten. Ich drehe mich also um, will die Halterung öffnen, als ich direkt hinter mir am Bug ein Segel über dem Wellenkamm erblicke.

Keine Zeit mehr für den Vogel – ich brauche die Antenne doch noch! Ich stürme in die Kabine und rufe das Boot auf Notrufkanal. Es antwortet! Glück gehabt. Es dreht sofort ab. Wir hatten beide keine Kenntnis von einander. Weder AIS-, noch Radaralarm. Bei dem Wellengang konnten wir auch die Lichter nicht eher sehen. Ein französischer Einhandsegler, soweit ich ihn verstehe. Will nach Martinique. Wir unterhalten uns in seinem gebrochenen Englisch, tauschen Webseiten, schießen Fotos (sind online!) und verabschieden uns mit ein paar Scherzen, die er auf Kosten meines winzigen Bootes macht, und dem langen Zeitraum, den ich bereits darin verbringe.

Ich suche den Vogel – Fehlanzeige. Nur Murphy, meine treue Sturmschwalbe, dreht inzwischen ihre drei Runden im Sonnenaufgang ums Boot, und wir werfen uns wie immer die Küsschen zu. Seit Portugal, seit Portimão, seit 75 Tagen folgt er mir! Aber der Tropikvogel ist verschwunden. Klar mach ich mir einen Moment lang Vorwürfe. Aber was soll ich denn machen. Jack, sein Tropikvogel-Schwippschager, versuchte auch schon ein paarmal zu landen, hat es auch nicht geschafft und es geht im nach wie vor bestens. Also. Diese Vögel leben in der Luft, ich glaube nicht dass sie auf Boote angewiesen sind, um mal zu verschnaufen. Und trotzdem, das war mir etwas zu hastig heute, hoffe er war nicht entkräftet.

Ich rufe nochmals den Franzosen über Funk. Frage ob er meinen Vogel mitgenommen hat. Er lacht, aber verneint. Na ja. Auf der anderen Seite denke ich kurz daran, dass ich ohne den Vogel das Segelboot vielleicht erst viel zu spät bemerkt hätte und wir womöglich, entgegen aller Wahrscheinlichkeiten, am Ende noch zusammengerauscht wären. Das war wirklich knapp, wie ihr ja auf den Bildern sehen könnt. Bevor er abdrehte, folgte er meinem Kurs. Als ob der Vogel nur kam um … ach … es ist wieder so weit, diese seltsamen Gedanken, die sich hier draußen soooo oft aufdrängen bei all den Zufälligkeiten.

CUT. Auch wenn es ziemlich rau ist, ich komme jetzt wieder etwas besser im hohen Schwell voran. Genieße bis zu 6m Wellen, und nutze die Chance und mache endlich mal ein Foto von Fliegenden Fischen. Lebend! IN DER NÄHE! In der Luft! Das war eine schwere Geburt! Sind sie weiter weg als 5 Meter, sieht man nix auf dem Film. Kommen sie zu nahe, krachen sie aufs Boot. Also: Nach tausenden Fischen die ich fliegen gesehen habe, und nach mehr als zweihundert die ich inzwischen MEIST tot oder halbtot im Cockpit fand: Endlich ein Video mit gesunden fliegenden Fischen!

Damit habe ich eigentlich meinen Foto/Videokatalog voll. Na ja … eine Sache fehlt noch … eine kleine. Und nein! – es ist kein Foto von mir selbst. Habe nach eurer Kritik endlich eines hochgeladen heute! Nein, es ist eine andere Sache die ich mir insgeheim noch auf Video wünsche. Eine Wasserhose, ein Tornado auf dem offenen Meer. Jaaaa …. ich weiß! Aber das wäre ein tolles Finish. Na ja, noch genug Zeit!

Kategorie: Angespült
06.02.2012

Phoenixinseln

Die Gruppe der Phoenixinseln ist  einer der jüngsten Einträge in die Liste der Weltkulturerbe. Die seit 1979 zum Inselstaat Kiribati gehörenden 410.000 km² Naturschutzgebiet wurden erst im August 2010 in die UNESCO-Liste aufgenommen. Für Touristen ist das Areal nicht, oder nicht so leicht zu erreichen. Was mit Sicherheit zum Vorteil für z.B. die rund 120 verschiedenen Arten von Korallen ist.

Eine 25minütige Dokumentation in englischer Sprache, die zu Recht den Titel »Phoenix Islands: Paradise Found« trägt, gibt es hier zu sehen. Etwas nüchterner die wesentlichsten Fakten, zu den beiden schönen Bildern in diesem Beitrag:

Die Gruppe der Phoenixinseln sind eine von drei Inselgruppen des Inselstaats Kiribati im zentralen Pazifischen Ozean. Die Inselgruppe liegt südlich des Äquators, nördlich von Samoa, östlich der Gilbert- und Elliceinseln sowie westlich der Line Islands. Sie bestehen aus acht (überwiegend) unbewohnten, weit verstreuten Atollen, die zusammen knapp 28 km² groß sind, sowie zwei separaten Korallenriffen, die ständig überflutet sind und keine Landflächen aufweisen. In der Fläche sind die großen Lagunen (die größte ist die Lagune von Kanton mit rund 50 km²) nicht enthalten, sondern nur jene Lagunen, die komplett vom Meer abgeschnitten sind und daher Binnengewässer darstellen. Die US-Territorien Bakerinsel und Howlandinsel sind der Inselgruppe im Norden vorgelagert. (Wikipedia)


In den vergangenen Wochen war die sogenannte “Phoenix Island Protected Area”, kurz PIPA, unter dem abgekürzten Namen übrigens unfreiwillig präsent in den Nachrichten weltweit. Gemeint war mit der massenhaften Erwähnung jedoch der sogenannte “Protection IP Act”, welcher zum Glück (vorerst) vor dem Aus steht.  Was jedoch absolut nichts mit der traumhaften Inselwelt zu tun hat. 

Foto-Credits: 1. National Geographic, 2. Unesco

Kategorie: Angespült
03.02.2012

Wusstet ihr eigentlich, dass Beluga Wale ihr Essen nie kauen, sondern gleich herunterschlingen? Ein weiteres untypisches Merkmal der eigentlich Weißwal genannten Bewohner arktischer Gewässer: Sie haben einen sehr flexiblen Hals, der es ihnen erlaubt, den Kopf in alle Richtungen zu drehen. Was man im ersten Moment vielleicht nicht gedacht hätte. Unverwachsene Halswirbel machen es möglich.

Zwei Informationen, aufgeschnappt in diesem Beitrag (englisch) von Fish Journal, aus dem auch das Foto stammt. Mit dem Belugakaviar allerdings hat der Weißwal (so der offizielle deutsche Name) allerdings nichts zu tun, dieser stimmt vom Hausen. Wäre das auch geklärt.

Kategorie: Row for Silence
02.02.2012

Ich habe ein wenig den Faden verloren, weiß nicht mehr so recht, was ich zuletzt im Blog geschrieben habe. Klammere jetzt im Boot, tippe mich auf meiner Tastatur gegen drei oder vielleicht vier Meter hohe Wellen voran, versuche mich trotz des Windesgesäusels zu konzentrieren. Soviel ist wieder passiert inzwischen – ganz bestimmt. Und so oft wollte ich auch darüber blogen – ganz gewiss. Nun ja. Man erwartet vielleicht, dass Menschen auf See, in völliger Einsamkeit, schrecklich kreativ werden, ganze Blogbibeln im Schlaf verfassen. Sofern sie überhaupt schlafen können in ihrer Furcht, nicht doch noch eine Gegebenheit nicht mit den Lesern auf Facebook geteilt zu haben, ETWAS VERGESSEN ZU HABEN.

Dem ist nicht so. Nicht mehr. Der Kopf wird ständig von Silberkugeln durchlöchert, nein, kreativ sein ist anders, nicht blau. Hier passiert etwas anderes mit mir. Also, bevor ich lange herumeiere: Ich verliere den Bezug zur Tastatur, zu einem Publikum, dass ich nicht sehen kann. Ohje … wie kann man nur sowas sagen! Ich möchte euch gern vor mir haben, in eure Augen schauen, euch anschreien mit meinen Gefühlen und euch berauschen mit Bildern und Filmen in Leinwandgröße. Oder besser noch! Würde euch gern ergreifen, euch aus euren Betten herauszerren heute Nacht und in dieses Boot stopfen. Euch alle! Alle fünf Leser dieses Blogs! Naja, vier, einer kann nicht schwimmen weiß ich. Aber dieses Tippen auf einer Tastatur… xyz. Sogar die Regentropfen, die jetzt auf mein Boot herabsegeln, erzählen mehr von dieser Reise als jedwede Kombination von Buchstaben jeweden Alphabetes. Und wenn in Nerudas Büchern der Regen eben in zauberhaften Bindfäden fällt, er würde trotzdem jede Tinte aus
dem Papier seiner Seiten waschen, in einer einzigen Nacht.

Es ist …. ja, es ist, als ob man versucht die Unglaublichkeit des Erlebens mit einem Skalpell zu sezieren, nur um sie in kleinen Portionen dann besser in den Ofen werfen zu können. Der Ofen ist die Virtualität, die ich hier gerade zu befeuern versucht bin. Mit einem Ofenrohr, das so schmal ist, dass ich dann auch noch die wenigen bunten Bilder mit der Axt kaputt-komprimieren muss, um sie da hindurch zu bekommen. Am Ende hustet der Schornstein verruste Pixelbilder in den Twitter-Himmel, und hier und da ne 140-Zeichen Sprechbase dran mit meinem Senf drin. So auch heute … Walpixel. Ich verabschiede mich von zwei Minkewalen, mit denen ich Stunden verbracht habe, die ich sogar wieder berühren konnte. Ich winke ihnen nach, meinen Winke-Minkewalen, doch halte mich dann gut fest, wo sie ein letztes mal ganze Wellenberge ausfüllen und mit einen Affenzahn ÜBER MIR nur einen Meter seitlich am Boot vorbeirauschen. Dann abbremsen, sich umdrehen, das Rostrum aus den Wellen schieben und
mich kurz anschauen. Also würden sie mich fragen, wie ich’s denn fand … und der kleine Wal wöllte dann sicher auch wissen, ob ich denn wenigstens ein wenig gezittert habe ob seiner Größe, die immer noch der meines Bootes entspricht. Ich würde es bejaen. Mutterwal würde lachen.

Ich verabschiede mich, schalte die Kameras aus und werde erst garnicht versuchen diesen Moment ausfürlich über dieses Blog-Medium zu transportieren. Diesmal nicht. Es wird nicht gelingen! Ihr würdet stauen, vielleicht, den Kopf schütteln, euch Bilder hinter die Stirn malen von einer Walmutter und ihrem Kind, die von einem Ruderboot fasziniert sind … aber ich interveniere und bestreike die Gefühlsautobahn! Es geht nicht mehr, ich kann aus Superlativen keine weiteren Superlative herauspressen. Ich bin auf beiden Seiten an meinen Grenzen der Unfassbarkeiten angekommen, im Schönen wie im Hässlichen, und ich denke es ist nun an Zeit, dieses Boot wieder in einen Hafen zu rudern. Ich kann nicht mehr. Werde sonst den Rest meines Lebens im Rauschzustand dahindämmern, alle Sicherungen im Kopf durchgeblasen.

Der Regen wird stärker, die Tropfen hämmern nun auf meine Kabine, Neruda ist wohl angsäuert jetzt und schickt Nägel statt Bindfäden. Die Wellen schieben heftiger, bestimmter. Ich muss hoch. Ein weiteres Unwetter dass das Salz des Tages vom Boot waschen will. Der Wind ermahnt mich, erinnert mich ständig daran dass ich wachsam bleiben muss. Noch ein wenig. Vielleicht noch 19 Tage, könnte reichen, dann setze ich nach Monaten wieder einen Fuss auf die Erde. Verlasse diesen unfassbar großen Ozean für eine Weile, bin dann selbst ein Regentropfen der über den Himmel erstmal wieder auf die Erde fallen will, um im Grundwasser, zwischen den Wurzeln alter Bäume, sich wieder zu sammeln. Dann regne ich wieder auf euch hinab … mit Blitz und Donner!

Noch knapp 800 Seemeilen. Ernest Shackleton hat diese Distanz auf einer Arschbacke abgessen, als er von Elephant-Island aufbrach um seine Crew der Endurance Expedition zu retten. Also: Kinderspiel! Bin fast da! Die Schildkrötenkollisionen nehmen wieder zu :-)

Kategorie: Angespült
31.01.2012

Passend zum Thema eines der aktuellen Aufmacherartikel von silentworld.eu, “PLASTIKMÜLL IN DEN MEEREN - Warum unser Abfall den Lebensraum Meer zerstört”, hat Ferdi Rizkiyanto aus Jakarta, Indonesien ein sehr eindrucksvolles Bild gestaltet. Wir zeigen “What Lies Under” in drei von ihm zur Verfügung gestellten Ausschnitten - alle gibt es hier zu sehen. Außerdem stellt er die Arbeit für alle “non profit environmental organizations” kostenlos zur Verfügung! Das Bild ist in einer besseren Auflösung bei mir zu bekommen. Einfach eine kurze Mail schreiben oder über seinen Twitter Account Kontakt aufnehmen. 

Kategorie: Angespült
30.01.2012

Winter under the Sea of ​​the Canary Islands / Invierno bajo el mar de las islas Canarias” ist der Titel des kleinen Videos. Ein Ausschnitt aus der Dokumentation “Isora, story of a pod of pilot whales” in welcher eine Gruppe Grindwale vor den Kanarischen Inseln ebenso beobachtet wird, wie die Umgebung in der sie leben - und die hier zu sehen ist. Finanziert wurde das Ganze von der ”Canary Foundation Mapfre Guanarteme”, produziert von Aquawork Productions. Eine Veröffentlichung ist für Ende 2012 vorgesehen.

Kategorie: Angespült
28.01.2012

Wusstet ihr eigentlich, dass es von Silentworld auch eine App gibt? Sie ist zwar derzeit nur für das iPhone erhältlich, bietet keine Inhalte aus dem Magazin und auch die wundervolle neue Webseite an sich wird nicht wirklich abgebildet. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass die App nutzlos ist. Ganz im Gegenteil!

Unter dem Namen “Silentworld” im App Store zu finden, bringt sie dafür quasi Spiel, Spaß, Spannung und Informationen in einem. Wenn das mal nichts ist… Hier die zwei Funktionen.

Spielerisch: Augmented Reality Haifischbecken

Im Zusammenspiel mit der Kamera ihres iPhones sorgt die App dafür, dass ihr aktueller Standort sich in einen Tauchgang verwandelt. Starten sie die App und bewegen Sie das Smartphone 360° im Raum, um sich auf die Suche nach frei umher schwimmenden Haien zu machen und diese zu beobachten. (Siehe Screenshots)

Informativ: Aktuelles zu Thema Tauchen, Lifestyle, Emotionen

Zusätzlich versorgt sie die Applikation mit den neuesten Einträgen aus der Rubrik ”Aktuell” von www.silentworld.eu. Hier bekommen sie automatisiert fotografische Fundstücke, Videos und Nachrichten geboten. (Siehe Screenshots)

Oder um es mit dem ersten Rezensenten zu sagen, der glatte 4 Sterne vergeben hat: “Nettes Spielzeug - ‘Herr Ober, schauen Sie bitte mal: da ist ein Hai in meiner Suppe!’

Ach ja, das Ganze ist übrigens: kostenlos

P.S.: Und wer dieses Posting bereits jetzt schon in der App liest: Keine Angst, du bist nicht in einer Raum-/Zeitschleife gefangen, alles ist gut, das muss so!

Kategorie: Angespült
27.01.2012

Ok, ok. Ihr habt recht, es geht auch etwas informativer. 

Kategorie: Angespült
25.01.2012

Die Überschrift ist der Titel dieses tollen Fotos, aufgenommen (wohl) bereits 2010 von *angelreich. So richtig sicher kann man sich da leider nicht sein. Das Bild findet sich nämlich 276 mal im Netz, meistens gleich ganz ohne Credits. Aber auch zwei Jahre später ist es jede einzelne Veröffentlichung wert – und übrigens höchstwahrscheinlich im Dubai Aquarium & Underwater Zoo entstanden.

Kategorie: Angespült
24.01.2012

Wie jedes Jahr hatte National Geographic auch 2011 wieder einen Fotowettbewerb ausgerufen. Die Gewinner stehen natürlich längst fest - übrigens sind alle prämierten Bilder auch als Wallpaper zur Verschönerung von Smartphone oder Desktop abrufbar.

Wir wollen an dieser Stelle aber auf drei Bilder hinweisen, die es nicht unter die Gewinner geschafft haben, aber dennoch auf ihre Weise sehr beeindruckend sind. Oder?

01. Kein typisches Unterwasserbild an dieser Stelle. Irgendwie zwar doch – vor allem aber interessant. Es zeigt einen See in den Kanadischen Rocky Mountains. Bei Temperaturen unter -30° Celsius, wenn es lange keinen Schneefall gab, sind von außerhalb Glasblasen sichtbar, die vom Seeboden aufsteigen und im gefrorenen Wasser gefangen sind (© Emmanuel Coupe-Kalomiris, via).

02. Seltene Australische Seelöwen (Neophoca cinerea), aufgenommen in seichteren Gewässern vor Hopkins Island in Süd-Australien (© Michael Patrick O’Neill, via).

03. Taucher, von denen sich nicht alle im Schutz des Käfigs finden, die sich mit einem großen Weißen Hai konfrontiert sehen (© David Litchfield, via).

P.S.: Außerdem passen diese drei Bilder allesamt ganz wunderbar zur Gestaltung des Tumblr-Blogs von silentword. Das Auge guckt schließlich mit! (Wobei Sie das Gehirn beim Dechiffrieren der Überschrift besser ausschalten sollten, denn ja, es handelt sich hierbei um eine inhaltlich völlig sinnentleerte Anspielung hierauf. Verzeihung… wobei… und jetzt alle!)

Kategorie: Angespült
23.01.2012

Zum Neustart von silentworld.eu haben wir es uns nicht nehmen lassen ein kleines Video zu produzieren, das durch die diversen Ebenen und Unterseiten des Webmagazins führt. Eine digitale Videoreise, die dank ihrer visuellen Opulenz (nicht zuletzt durch die tollen Animationen) auch dann prächtig unterhält, wenn man die Webseite bereits ausgiebig erkundet hat. 

P.S.: Der Clip eignet sich übrigens auch ganz hervorragend dazu, ihn im eigenen Blog zu präsentieren, per Twitter oder bei Facebook zu teilen, und so Anderen von unserer Seite zu berichten.

Kategorie: Row for Silence
23.01.2012

Was habe ich noch gestern Nacht geschrieben? : “Und am nächsten Morgen zieht der Ozean wieder seine schönsten Kleider an und versucht mich wieder zu versöhnen”. Oder so ähnlich. Haha. Heute hat er offenbar auch die schönsten Schuhe angezogen, sonst würde ich ja nicht sofort wieder einen Eintrag im Blog hinterher schieben. Ohjeeeee … heute hat er mich komplett um den Finger gewickelt. Sprachlos saß ich heute morgen da, unfassbar, unglaublich!

Seit Tagen sehe ich immer wieder eine schwarze Finne. Naja, ich meine, ich bin mir immer fast sicher gewesen. Aber so schnell wie ich reagieren konnte, war sie auch gleich wieder verschwunden. Hätte ja auch ‘ne Welle sein können, und mein Kopf malt sich dann einen Wal unten dran. Würde mich längst nicht mehr wundern. Aber gestern war ich mir wenigstens so sicher, dass ich zumindest mal kurz die Flosse bei Facebook erwähnt habe. Mensch, kann doch nicht wahr sein. Und dann, fast immer trieben seltsame, wellenlose Wasserflächen von fünf bis zehn Metern Durchmesser auf dem Ozean. Schwer zu erklären. Als hätte jemand einen Tropfen Seife oder Öl ins Meer getröpfelt. Die kleinen Wellen brechen dann zusammen, ihr kennt das, Physik Klasse 4. Sind das Zeichen SEINER Anwesenheit? Hat er etwa ins Wasser gepinkelt? Aber aber! Oder sind das Atemspuren? Und überhaupt, wie oft höre ich einen Wal abblasen. Kann ihn nicht entdecken wenn ich mich umdrehe oder die Luke öffne – sicher, alles nur
Einbildung …

Heute Morgen das gleiche Spiel. Ich öffne die Luke, eine schwarze Finne taucht ab. Direkt vorm Bug. Und wieder dieses Spots im Wasser. Ich hatte keine Eile, griff aber zur Kamera. Erwartete nicht wirklich einen zweiten Blick auf mein Fabelwesen erhaschen zu dürfen. Aber Irrtum Madame! ER IST ZRÜCK! MEIN WAL IST ZURÜCK! Ihr erinnert Euch? Der schwarze Wal der mich beim Rumpfschrubben geküsst hat. (Auch wenn der Moment eher panisch als romantisch war). Direkt neben dem Boot taucht er plötzlich auf, bläst, rollt langsam seine ca. 8m aus dem Wasser und verschwindet wieder. Irrtum ausgeschlossen! ICH WUSSTE ES! ICH WUSSTE ES DIE GANZE ZEIT! Dieser Wal folgt mir. Ich bilde mir das nicht ein! Und es war kein Zufall dass er mich angestumpst hat – er war zu diesem Zeitpunkt sicher schon längst auf meiner Spur, war neugierig, nutze die Chance für eine persönliche Begrüssung. So in etwa. Ich bin mir sicher dass es der gleiche Wal ist. Die Kette an Hinweisen, nein, das ist kein Zufall. U
nd selbst wenn: Jetzt habe ich kein Interesse mehr an Logik und wissenschaftlichen Einwänden dass Wale soetwas nicht tun, dass Wale Booten nicht zwei Wochen lang folgen. Ich kümmere mich jetzt nicht mehr um Wahrscheinlichkeiten und alternative Erklärungen. Ich werde für den Rest meines Lebens diese Version der Begebenheit ausatmen: Es ist MEIN Wal!

Aber Achtung: Also wäre das nicht schon unglaublich genug:

Die Kamera läuft. Ich rufe ihn. Jubble dass er sich wieder richtig zeigt und kein Versteckspiel mehr betreibt, die Scheu ablegt. Frage mich was er will, warum er mir folgt, was nun als nächstes passiert. Noch ein Kuss? Hat er sich verliebt? Haha. DA TAUCHEN PLÖTZLICH MEHRERE FINNEN AUF. Immer etwa 5 bis 10 Stück, im Wechsel. Mindestens 30 insgesamt, wenn nicht 50! Ach, was habe ich mir die Augen gerieben! DELFINE! Ich kann es nicht glauben. Ich weiß der Gedanke ist absolut absurd, aber sofort steigt er mir in meinen Kopf: Der Wal hat mir Delfine vorbeigebracht. Graue lustige Winzlinge von anderhalb Metern, die mir aus Richtung des Sonnenaufgangs mit ihren Finnen entgegenwinken.

Ehe ich mich halbwegs einkriege, ist das ganze Boot das Zentrum eines Delfinschwarms. In allen Richtungen, unter, neben, vor dem Boot. Was ein Spektakel, wie ihr auf dem Foto seht. Sie rollen, klatschen aufs Wasser. Ich glaube wie ein kleines Kind, dass sie sich köstlich über die Überraschung amüsieren. Unterwasser hört die Kamera jedenfall ihr Geschnatter.

Ein paar Minuten später sitze ich an Deck. Ich sitze einfach nur da. Ich bin sprachlos, ich bin wirklich zutiefst ergriffen. Aus der tiefsten Tiefe meiner Seele, und der des Ozeans e-r-g-r-i-f-f-e-n. An Wunder glaube ich nicht, aber DAS … das war eine Hausnummer!

Es wird wieder totenstill. Wirklich: totenstill! Diese unglaubliche Stille ist für mich die intensivste Erfahrung auf See. Jetzt erklärt sie endgültig den Moment zur Magie. Sie ist sehr, sehr rar hier. Nichts, GARNICHTS ist zu hören. Die See glättet sich. Kein Wind. Die Sonne schickt sich an in Kürze jeden Gedanken lautlos zu versengen.

Der Verstand ist durchaus in der Lage diese Stille für eine gewisse Zeit zu erdulden, er füllt sie mit mutigen Gedanken. Ermutigt sich selbst in der Dunkelheit der Stille. Aber wie bei einer Sonnenfinsterniss, umhüllt ein schwarzer Schatten die Ohren und ein sanfter Druck in der Kehle erinnert daran zu schlucken, was einen leichten Druck, einen kurzen Geräuschimpuls, über die Ohrtrompete ans Trommelfell schickt. Keine Stimme spricht, keine Uhr tickt, nichts knistert im Gebälk meiner Welt zwischen Kiel und Ruder … ich sehne mich, ohne es sofort zuzugeben, nach einem sanften Geräusch, nach einer Stimme. Wie einsam wir sind wenn wir nicht mehr kommunizieren, garnichts mehr hören können. Wenn wir Momente wie diese nicht teilen können. Würde gern den Kopf ins Wasser tauchen, das Geschnatter der Delfine hören, soweit weg können sie ja nicht sein. Ich möchte teilhaben am wilden Leben. Naja … da schliesst sich der Kreis. Würde wahrscheinlich Kopfschmerzen bekommen wenn der nächst
e Tanker vorbeifährt. Ich rudere nicht wirklich für die Stille merke ich … ich rudere für das Recht jedes Lebenswesens auf Kommunikation, und ich rudere damit auch ICH endlich wieder eine Stimme hören kann … damit ich erzählen kann was mir hier Unglaubliches passiert ist!

Die neuen Druckefische, die sich meiner spirituellen Party angeschlossen haben, jagen im Wasser. Schnappen nach allem was sich bewegt. Tauwerk, Ruderblätter … sicher auch Zehen und Finger. Ich lächle. Setze mich an die Ruder, schiebe mich weiter gegen die Strömung, ohne Wind in die spannende Zukunft auf See, doch letztlich vor allem wieder dem Land entgegen.

Und der Wal? Kommt er wieder? Wird er mich weiter begleiten? Vielleicht war es ein Abschiedsgeschenk, die Delfine meine ich. Ach, Herrje – wie höre ich mich denn bloss an!? Wie eine 5jährige die gerade Free Willy geschaut hat. Schluss jetzt! Nicht weich werden Janice! Bald wird es wieder dunkel, und die Haie bitten um Aufmerksamkeit und Mut … da wird dir dann leider kein romatischer Haifilm in den Sinn kommen. Leider.

Kategorie: Angespült
22.01.2012

The Softest Waterbed -  Václav Krpelík

Wer auch am Sonntag nicht auf das Tauchen verzichten möchte, könnte als Kompromiss zwischen Ausruhen und dem Hobby frönen eventuell ja diese Haltung einnehmen. Oder aber am heimischen Computer ein wenig in den Bildergalerien des Fotografen  Václav Krpelík stöbern, der sich neben Landschaften auch auf Unterwasser-Fotografie spezialisiert hat.

Kategorie: Row for Silence
22.01.2012

Natürlich gäbe es ganz akut wieder jede Menge Doping für die Augen. Gäbe es so viel zu schreiben und zu zeigen. Aber heute verweise ich mal ganz dezent an meine zahlreichen Twitter und Facebook Einträge, und verwöhne euch nicht mit einer langen Gruselgeschichte über das garstige Unwetter, die hinterhältige Kreuzsee, die Geisterschiffe der Nacht und die leuchtenden Doraden im Tageslicht. Das alles habt ihr unlängst auf den letzten Bildern entdeckt. Nein, etwas anderes wird heute als Bettgeschichte serviert.

In den letzten Tagen wurde ich mehrfach in Telefoninterviews (SWR2 Link bei Facebook!) gefragt, was denn nun bisher am Gefählichsten, am Anstrengendsten, am Spannendsten gewesen wäre. Und natürlich kommen dann gleich die Haie, Tanker, Gewitter und Treibnetze. Aber gerade in den letzten Tagen bemerke ich auch, wie sich mein Verstand neu kalibriert. Ich reflektiere das Funkeln des Angstschweißes nun aus einer anderen Richtung, beobachte verstärkt wie ich mich verändere, wie ich mir Vermeidungsverhalten antrainiere, Schwächen zeige und mich innerlich aufreibe. Wie ich aus dem Wasser getrieben werde von meinem Kopf, nicht von Haien, nicht von Stürmen. Ich stelle fest, dass diese Herausforderung in der Diversität und konstanten Überfrachtung mit Eindrücken besteht. Es gibt nicht mehr DAS EREIGNIS welches mich erstarren lässt und mich zu zerbrechen versucht. Es ist die Zeit die mich auffrist. Am Anfang nagt sie noch. An den Knochen, den Gelenken, im Kopf … aber nach fast zwei Mon
aten verzehrt sie sich nach meinem Verstand, schlingt, frist mich mit Haut und Haar.

Nie zuvor hatte ich Probleme einzuschlafen. Doch das Schmatzen der Zeit ist Nachts am Lautesten, direkt neben meinem Ohr höre ich, wie die Uhr mit dem Zeiger das Ziffernblatt nach mir leckt. Seit Tagen kämpfe um etas Schlaf. Es ist heiß in der Kabine, die Wellen der Kreuzsse krachen an die Bordwand, gewaltige Gewitter entladen ständig ihre Schadenfreude in Blitz und Schauer über meinem Boot. Ich warte den nächsten Einschlag ab, und öffne die Luke um etwas Sauerstoff einströmen zu lassen, um nur für zwei Augenblicke die Kühle es Windes atmen zu dürfen und mir vom Regen die Stirn erfrischen zu lassen. Doch ich schalte das Deckslicht nicht an. Weiß, dass ich wieder nur überrascht werde, mir wieder der hohe Puls die zarte Müdigkeit aus den Adern pumpen wird, wenn ich nur sehe, was da wieder auf dem Deck liegt. Nach nun mehr als einhundert toten Fischen, noch immer findet sich eine Überraschung. Gewiss. Sei es ein noch lebender Tintenfisch, der sich mit Saugnapf und Farbe gegen se
ine Befreiung wehrt, sei es eine Welle, die außerplamässig von der anderen Seite einschlägt und mir fast wieder die Kabine flutet. “Ich darf nicht!” “Ich sollte nicht!” Was immer ich tue, eine Ausrufezeichen wird den Gedanken abschließen.

Die letzte dieser Nächte, zeigte mir wieder wie grausam und chronisch mein Verstand gefoltert wird. Ich liege in der Kabine, etwa alle zehn Minuten schlägt ein Fisch auf dem Deck ein. Dazwischen höre ich die dumpfen Einschläge von Fischen an der Kabine aussen, die ich garnicht erst zu zählen vermag. Ich quäle mich hoch, schätze die See ein. Öffne die Luke und stülpe mir eine Tüte über die Hand. Da liegen sie, die Kiemendeckel verkrampfen fast, sie ringen um Luft. Springen bei jeder meiner Bewegung umher. Die “Flügel”, die Seitenflossen, weit abgspreizt. Ich überwinde mich, habe definitv längst ein Trauma, auch wenn jeder Angler jetzt darüber lachen wird. Ich versuche die Fische zu greifen. Schwierig. Glitschig. Darf die Flossen nicht abknicken. Muss aber auch fest zupacken, sonst schlüpfen sie zappelnd wieder in die nächste Ecke. Meist bluten sie, entgleiten mir. Das Deck ist längst blutverschmiert. Manchmal sind sie so verletzt, dass ich … naja. Es ist grausam. Ich werfe s
ie ins Wasser, ahne aber, dass die Doraden längst warten und ihnen auch eine Zweite Chance verwehren. Nehme auch stark an, dass die Doraden (ich habe bis zu unglaublichen 50 Stück davon unter mir) nicht ganz unschuldig daran sind, dass soviele Fliegende Fische im Boot landen. Wann immer die Doranden tagsüber abwesend sind, kann ich die Kamera schnappen. Es beginnt die Jagt, ca 50m vor meinem Bug. Hunderte von Fliegenden Fischen flüchten. Manchmal springen die Doraden sogar hinterher. Unglaublich wieviele es davon geben muss.

Nun denn, werden die Gewitter zu heftig, die See zu grob, so sind mir Nachts die Hände gebunden. Das Risiko ist zu hoch dass mir etwas passiert, ich kann nicht mehr wegen jedem Fisch raus, risiere damit irgendwo ab einen gewissen Punkt auch mein Leben. Da liege ich in der heißen Kabine verkrochen, finde es feige mir Kopfhörerer aufzusetzen. Aber ich muss schlafen. Das geht nicht wenn auf der anderen Seite der Luke Fische lautstark zappelnd und springend gegen den Tod kämpfen oder wenige Zentimeter nebem meinem Ohr gegen die Bordwand krachen.

Das geht nun seit Tagen so. Die Gewitter, die See, tun ihr übriges um mir den Schlaf zu rauben. Das Wetter ist sowieso eine Katastrophe, der Wind versucht mich nach Norden zu drücken. Also muss ich noch mehr rudern. Die Hände weichen auf im Regen, die Blasen reißen auf. Die Fingergelenke sind chronisch durch. Ich benötige Morgens mehrere Minuten um die Finger überhaupt wieder gerade strecken zu können. Die Knie, die Achillessehe. Am schlimmsten die Schultern. Und dann liege ich in der Kabine, und kann meine Arme nicht mal ausstrecken, liege eingepfecht zwischen den Netzen, den Kojensegeln. Klemme mich dazwischen fest um nicht im Seegang herum zu rutschen. Die Schultern bekommen keine Ausseit, die Knie wund, die Ellenbogen wund. Auf der Seite liegen: unmöglich wegen den Schultern. Liege ich auf dem Rücken, liege ich mit kaptter Haut vom Rudersitz auf. Auch nicht besser. Auf dem Bauich schlafen geht garnicht, dann wird mir schlecht.

Der Wind drückt und drückt. In die falsche Richtung. Es ist frustriernd zuzuschauen, wie mir wieder Seemeile um Seemeile geraubt wird. Ständig muss ich den Kurs prüfen. Das Schwert einschieben, die Droge auswerfen. Ruder trimmen. Ständige dreht der Wind wenn Gewitter queren. Aber ich kann nicht 24 Stunden rudern. Ich kann auch nicht 24 wachbleiben. Kann aber auch nicht schlafen.

Heftiger Schlafentzug also im Moment. Es sind all diese Kleinigkeiten. Jede von ihnen einzeln wäre eine Witz. Doch in ihrer stetigen Präsenz über einen so langen Zeitraum, zermürben sie Körper und Geist. Es ist die Zeit die mich aufrisst. Und die Erwartung: Es könnte noch schlimmer werden. Und just wo man selbst meint nun alle Qual zu kennen, wird man wieder von einer neuen Situation überrascht. Das schürrt langfrist eine stetige Erwartungshaltung, das ist anstrengend.

Nach wie vor komme ich damit klar. Und stehe dann Morgens vor dem Sonnenaufgang, teil plötzlich ruhige See. Als wäre nichts gewesen in der Nacht. Die Vögel kommen zurück, der Ozean zieht sich seine schönsten Kleider an um mich wieder zu versöhnen. Ich steige in die Achterbahn, schnelle mich an und lasse mich wieder nach oben ziehen.

Kategorie: Angespült
20.01.2012

Quallen, ein Wort, dass bei manchen Menschen schon beim Lesen für Verbrennungen und unwohlige Glibbergefühle sorgen dürfte. Ändern dürfte sich dies sehr schnell, wenn man einen genaueren Blick auf die Foto-Galerien von Alexander Semenov geworfen hat und Schönheit die Empfindung durch die Augen des Betrachters steuert.

Kategorie: Angespült
20.01.2012

“Die beste Weise, Fische zu beobachten, besteht darin, selber zum Fisch zu werden”

Jacques-Yves Cousteau (1910-97), frz. Meeresbiologe.

Kategorie: Angespült
17.01.2012

Zurecht ein Knüller was die Abrufzahlen bei YouTube betrifft. Und dabei durchaus überraschend, oder verstehen Sie sofort was hier geschieht?

Zu sehen ist jedenfalls der See Saarijärvi in Vaala, Finnland. Die Taucher hören auf die wunderbaren Namen Eelis Rankka, Tommi Salminen und Jukka Pelttari. Zum Einsatz cam eine Sony HDR-SR11 Kamera mit Amphibico HD Elite-Gehäuse. Die Kamera wurde von Juuso Mettälä bedient, die Idee stammt von Juuso Mettälä und Eelis Rankka und hätte ohne die Sicherheitstaucher Esa Vuoppola und Juhana Heino nicht umgesetzt werden. 

Warum? Das sehen Sie doch am besten gleich selbst. Zur Musik von Stefano Mocini: »The End Of The Doubs«.

Kategorie: Row for Silence
13.01.2012

Ach, dachte sich der Ozean: Die gute Janice ist so auf Wale eingeschossen, ich glaube sie braucht mal etwas Abwechslung. 3:00 UTC heute Morgen werde ich aus dem Schlaf gerissen. Mein Ruder schlägt laut. Sehr laut! Ich öffne die hintere Luke, sehe im Mondlicht nur noch, wie etwas abtaucht. Okkkkayyyyy. Der Vorfall wird bei meinem Glück zur Zeit sicher noch an Dimension zunehmen, dachte ich. Und schon hörte ich das altbekannte Reibgeräusch am Rumpf, Backbord. Nicht nur so ein vorsichtiges Schrubben wie beim letzten Mal. Oh je … was ist nun wieder los. Die See war absolut ruhig – die Ruhe vor dem Sturm. Ein weiteres Gewitter lag vor mir wie ich später feststellen sollte. Plötzlich rollt das Boot! Reiben, Rollen, Reiben, Rollen. Das muss ein großer Hai sein. Ich öffnete die vordere Luke, stieg natürlich erstmal nicht aus. Taschenlampe raus, jap! ein Hai. Ich sah ihn Mittschiffs, er schlug dennoch gegen mein Ruder. Also mindestens 3.6m lang. Sicher etwas mehr.

Mit einem Puls von 200, startete ich die Tonaufnahme unter Wasser. Sehr laut! Ich stieg ein ins Konfliktmanagment mit dem Versuch einer vernünftigen Unterhaltung. Bat ihn darum mein Ruder schleunigst in Ruhe zu lassen. Nichts passierte. Er rieb mir weiter die Muscheln vom Rumpf. Ich wurde lauter. Nichts. Decksflutlicht an: Nix. Ok, dann die harte Tour: Ich schaltete alle vier Lautsprecher an, volle Lautstärke: “out of our minds, von Melisssa Auf der Maur” ertönte. Aber auch das schien ihm eher zu gefallen Mist! Ich montierte ein 240 Lumen Strobelight am Kamerastativ und tauchte es neben ihm ins Wasser. Weg war er!

Ja, super Nacht wieder. Doch noch war sie längst nicht vorbei. Als ich gegen 7:00UTC (5:00LT) erneut aufwachte, zähneknirschend, schlecht träumend, da rollte das Boot wieder -heftig- und wieder rieb etwas am Rumpf und schlug dagegen. Nicht so laut wie vorher. Es klang viel mehr nach einem Hai mit etwas zarterer Haut. Ich hatte Probleme aufzustehen bei der Bootsbewegung. Ich öffnete die Luke. Kreuzsee. Mal wieder. Richtig rau, Gewitter direkt vor mir. Das gibt es doch nicht! Ich traute mich nicht raus. Wusste nicht was unterm Rumpf wirklich los ist. Kann ja auch ein Wal sein, und das Boot kentern. Bei dem Seegang … nicht sehr wahrscheinlich, aber mit genug Schrecken im Kopf klingt alles plausibel!

Ich legte mich wieder hin. Fühlte mich hundeelend. Mir wurde extrem schlecht. Bauchschmerzen. Mental war ich völlig ausgeklinkt. Das war einfach zu viel alles. Erst der Wal, dann der Hai und jetzt schon wieder Besuch. Weiß nicht. Lag da, übergab mich, starte an die Luke. Lies den Hai -es war sicher einer- gewähren. Ich wartete nur noch auf den Sonnenaufgang. Etwa 1 Stunde später wurde es hell … naja, hell genug mit einem Gewitter vor der Nase.

Die letzten drei Tagen waren wirklich taff. Das schlucke ich nicht mehr einfach so runter. Bin etwas angeschlagen, auch mächtig frustriert wegen dem Strömungswirbel, dem Wind, wegen dem großen Umweg, den dauernden Gewittern. Habe mindestens drei Tage verloren. Nach wie vor hängt mir die Begegnung mit dem Wal nach. Ich benötige eine Pause!

Der Wechsel zwischen unbeschreiblicher Glückseligkeit und Sorge scheint hier arg beschleunigt. Staunt man am Abend noch darüber, dass die Sterne, das Venus dieses Unglaubliche Firmament als Lichtpfade auf das Wasser zeichnen, so liegt man wenige Stunden später flach unterm Kabinendach und ist mental im Ausnahmezustand. In unzähligen Variationen und Schärfegraden wird genau dieses Gericht hier täglich serviert. Entweder man frisst es, oder man verhungert im Kopf. Hardcore.

Ich mag Haie. Bin fasziniert von ihrer Eleganz, ihrer Anpassung, ihrem Sozialverfahlten. Finde es grausam wo sie zu Hunderttausenden als Beifang qualvoll verenden. Aber ich habe auch gehörig Respekt vor ihnen in meinem kleinen Boot. Immer im Hinterkopf das mein Boot kentern könnte und ich ins Wasser muss. Naja … durchatmen. Ich muss weiter.

Kategorie: Angespült
12.01.2012

Ein Pressemitteilung von Greenpeace, bereits vor einigen Tagen verlinkt auf der Facebook-Seite von Silentworld, die es Wert ist gelesen zu werden.

Greenpeace Aktivisten klettern auf Fischtrawler in Bremerhaven: Kurz vor dem Auslaufen der Jan Maria demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute in Bremerhaven gegen Subventionen für das Zerstören und Überfischen der Meere durch Fangschiffe. An den Haltetauen der schwimmenden Fischfangfabrik haben sich Kletterer festgemacht. Taucher haben eine Kette an der Schiffsschraube befestigt… (mehr)

Kategorie: Angespült
12.01.2012

Es soll ja Leute geben, die sich zu Vogelzwitschern oder dem Rauschen eines Waldes wecken lassen. Warum nicht mal von Unterwassergeräuschen? Wie diesen hier, aus der Soundbibliothek der Vancouver Film School, Abteilung “Sound Design for Visual Media« vielleicht.

Kategorie: Angespült
12.01.2012

Was waren denn noch mal “sponge diver”? Aufgenommen wurde das Bild jedenfalls 1946, in schwarz/weiß und liegt in der Größe 4 x 3 dem Archiv der “State Library and Archives of Florida”, Tallahassee, USA vor. 

Kategorie: Angespült
12.01.2012

Erinnert dieses Bild jetzt mehr an das T-Shirt von Charlie Brown oder die fleischfressende Pflanze in “Little Horror Shop”? Der Name des Bildes, nämlich I050226-116, gemacht von von hpizka und gefunden bei Flickr bzw. reblogged von a-nem-a-men-anemone, gibt keine Auskunft.

Kategorie: Row for Silence
12.01.2012

Ok, jetzt kommt das absolute Highlight! Und ihr dachtet mehr geht nicht?! Hah! Beinahekollision, Waltänze, Delfinzirkus, in Treinnetzen verheddert, Stürme, schlimme Kreuzsee, absolute Stille, Wassereinbrüche, schwere Gewitter, Schrammen und Schmerzen, Hitze und Kälte … das alles lässt sich noch toppen? Sicher? JA! Dieses Drehbuch kennt offenbar kein Ende für mich! Was hier passier ist so unglaublich … doch seht selbst:

Wie im letzten Eintrag geschrieben, bekam ich Südwind, wurde also zurück nach Norden gedrückt. Viel schlimmer noch: Die Strömung drehte auch in Richtung Norden, womit ich wohl endgültig in einem Stömungswirbel feststecke. Das ist extrem frustrierend, kostet mich Tage. Naja, was soll ich machen. Gestern Nachmittag dann färbte sich der Horizont bitter schwarz. Ein weiteres Gewitter zog auf. Mächtig Wind, es blitze und donnerte heftig, meine Solarzellen brummten. Mitten durch. Nützt nichts. Noch weiter nach Norden. In der Nacht dann war ich durch. Befand mich auf der Rückseite des Gewitters. Der Wind drehte um 360° innerhalb einer Stunde. Ich drehte mich mit ihm im Kreis. Die See entwickelte sich bedrohlich. Die kleinen Wellen verschwanden gänzlich, größere Wellen (klar wie Glas im Lampenlicht) prallten aus allen Richtungen aufeinander und bauten Schneeberge, schaumbesetzte, spitze Wellentürme. Ich habe nun schon einige hefitge Kreuzseen hinter mir, auch über 6m. Aber das war mi
t Abstand das beendruckenste Wellenspiel das ich erlebt habe – wenngleich nur 3 oder 4 Meter. Einfach surreal. Ich versuchte irgendwie dem Gewitter zu folgen, vielleicht einen Nordwind zu erhaschen der in das Tiefdruckgebiet einbläst. Aber das war natütlich nicht wirklich möglich. Ich ritt also die See weiter aus. Querab begann ein wenig später erneut der Horizont zu leuchten. Nein, oder?! Noch ein Gewitter. Und es näherte sich schnell. Ich gab auf. Mit Blitzen an Steuerbord setzte ich den Sturmanker. Wenig Zug auf der Leine. Die Nordströmung, der wiedererstarke Südwind, die Kreuzsee. Wann immer der Fallschirmanker griff, hob sich das Heck aus den Wellen, schwerelos. Super Nacht also. Aber ich habe das nun schon seit so vielen Wochen durch: Ich schlief trotzdem angegurtet irgendwann vorm Sonnenaufgang ein.

Heute Morgen dann öffnete ich die Luke. Totenstille. Fast keine Wellen, fast kein Wind. Nur die Strömung wuchtete mich weiter nach Norden, wie ich schnell erkannte, wo der Fallschirmanker fast an Backbord trieb. Ich stieg aus. Die Sonne verstecke sich noch hinter einer der letzen Wolken am Horizont, aber in wenigen Minuten sollte sie die Bahn frei haben. Ich erwartete eine Gluthitze.

Und darauf wartete ich seit Wochen! Ein Tag ohne hohe Wellen, ohne 15kn oder 35kn Wind. Die Mission “Rumpfschrubben” konnte in Angriff genommen werden. Ich richtete meine Spachtel, leinte mich an, setzte die Schwimmbrille auf und, Hand drauf!, hielt gründlich Ausguck nach Haiflossen. Hört sich albern an, aber dank der Haibesuche am Boot, fehlt es mir etwas an Leichtigkeit bei solchen Aktionen. Unter dem Schiff meine vier großen Doraden und Spotty, der Pilotfisch. Alles wie immer.

Ich klemmte die Ruder hoch an die Reling, damit ich unten durch, über die Bordwand, ins Wasser gleiten konnte. Nicht gut! Nicht wirklich kalt, aber ich war extrem angespannt. Ruhig Janice! Entspanne dich! Die Doraden in sicherem Abstand, versprach ich mir, nicht zu erschrecken, wenn sie mich berühren sollten. Weiß nicht, ich fühlte mich fürchterlich unwohl. Das Boot rollte trotz der kleinen Wellen nun doch ganz schön, vor allem wo ich wie ein Sack Kartoffeln an Steuerbord in den Halteleinen hing. Ich zog die Einstiegsleine ins Wasser. Im Training war es fast unmöglich ohne Badeleiter oder eben zumindest eine Leine mit Trittschlaufen wieder ins Boot zu kommen. Alles in Ordnung! Ich kam langsam herunter. Ist doch albern! Die unglaubliche Ruhe, die ungewöhnliche Sichtweite, ein wirklich unglaublicher Ort zum schwimmen. Ich entfernte mit der Spachtel erst einmal den Bewuchs soweit möglich ohne zu tauchen. Dann holte ich tief Luft und tauchte unter. BOOM! Und schon hatte ich mir d
en Kopf am Rumpf gestossen. Ah ja!, stimmt, dafür hatte ich den Helm mitgebracht! Die Sicht: misserabel!

Immer wieder der Blick hinter mich, um mich herum: Nur Doraden. Alles in Ordnung. Tauchen, schrubben, auftauchen, schnellstens die goldwerten Halteleinen ergreifen, hochziehen, Luftholen … Salzwasserschlucken. Wieder und wieder. Solange bis ich endlich alle …

PANIKMODUS!

Mit zwei, vielleicht drei Griffen ziehe ich mich vom Heck vor ans Mittelschiff. Die Spachtel, mit einer Schnurr am Handgelenk befestigt, bleibt hängen – ich reiße die Schnurr aus der Öse und mir die Haut vom Handgelenk. Ich versuche verzweifelt meinen rechten Fuss in die Schlinge der Einstiegsleine zu bekommen. Es klappt nicht. Es klappt nicht! Ich muss hier raus! Ich muss die Beine aus dem Wasser bekommen! Die Schlinge ist zu klein, oder ich bin zu hektisch. Ich weiß nicht welche Kräfte ich mobilisiert habe, aber es gelingt mir, was im Training unmöglich erschien: Ich ziehe mich mit den Armen über die Bordwand, womöglich bekomme ich einen Fuss auf die Haltleine. Die Beine müssen raus Janice! Mein einziger Gedanke. Ich kämpfe. Wuchte mich aufs Deck. Schlage mir die Rippe böse an einem Augbolzen. Breche innerlich zusammen.

Ich weiß nicht mehr. Habe nichts gesehen. Dann streift mein schlagendes Bein einen massiven Körper. Nein, keine Dorade! Hinter mir ist alles dunkel. Ein riesiger …. mein Hirn feuert: HAI, HAI, HAI … raus, raus, raus, RAUS HIER! Keine Logik, keine Analyse der Situation – nur Reflexe. Erst als die Beine aus dem Wasser sind, kommt die verspätete Angst. Schlimm. Ich dachte ich gehe drauf, ohne zu wissen weshalb. Aber sofort will der Verstand wieder beschäftigt werden. Keine Zeit für Emotionen. WAS ZUR HÖLLE?

Ich greife das Telefon, will mich mitteilen. Suche das Wasser nach dem “Hai” ab. Und da! Ein massiver schwarzer Körper mit tiefer Finne hebt sich aus dem Wasser. Und bläst. Ich erkenne weiße tiefe Flanken, schätze die Länge etwas größer als mein Boot. Das ist kein Hai! Mein erster Gedanke: Ein Orca!! Ich rufe sofort meinen Sicherheitskordinator an, bespreche die Risiken mit dem Sturmanker, der ja immer noch mit all den Leinen im Wasser treibt. Ich weiß er sollte jetzt schnellsten raus, nicht das der Wal sich darin verheddert. Aber da der Wal direkt am Boot ist, ist das Einholen auch nicht ganz ohne. Mehr ein großes Sicherheitsproblem für mich, als für den Wal. Ich sende die Neuigkeiten an Twitter & Facebook, haha, und filme und hole den Sturmanker ein – zur gleichen Zeit.

Jetzt wo ich die Videos anschaue, die Bilder für euch hochlade, muss ich erstmal lachen. Nein, das ist kein Orca. Auch wo ich mich nun mit etwas mehr Ruhe nach wie vor schwer tue ihn exakt zu identifizieren. Vielleicht ein Sei? Minke? Würde mich freuen, wenn von euch jemand das Tier bestimmen könnte. Bitte schickt mir doch eine Email (Am Ende der Positions-/Trackingseite).

Ich denke die Situation war absolut ungefährlich. Das Tier war neugierig, ich war sehr leise, womit es näher kam. Vielleicht war das Kratzgeräusch meines Schabbers spannend, oder der abgekratzt Bewuchs lecker. Ich weiss es nicht. Mein Sicherheitskoordinator kam um einen Scherz nicht herum: Vielleicht kam der Wal nur um Danke zu sagen. Naja, etwas stürmisch. Lege ich mich nunmal mit diesem witzigen Gedanken schlafen … und bin gespannt auf den morgigen Tag. Rumpfschrubben ist nun jedenfalls erstmal abgesagt. Mein Schaber ist eh weg. Somit kann der Wind wieder kommen. Gern aus NORD!

Kategorie: Row for Silence
10.01.2012

Etwa eine halbe Stunde lang starre ich gebannt auf den Horizont, bin aufgeregt, schreie wie ein kleines Kind. Müsste handeln, doch kann den Blick einfach nicht von diesem schwergewichtigen Schauspiel abwenden. Direkt vor mir ein 288 Meter langer Tanker mit dem Namen Filikon. Ich sehe die Umrisse dieses tonnenschweren Stahlmonsters im Gegenlicht der gleißenden Sonne. Schweißperlen auf meiner Stirn, wohl auch von der sengenden Sonne. Doch ich springe nicht ans Funkgerät, ändere nicht den Kurs. Bin erstarrt. Nur meine Pupillen wandern, nur ein ganz klein wenig. Zwei gigantische Wassersäulen hieven sich empor. Ein dumpfes Klatschen folgt. Die Kamera läuft. Wieder wandert mein Blick zum Tanker. Und zurück. Habe Schwierigkeiten das Objektiv in dem rollenden Boot auszurichten. Stehe gedrängt an Steuerbord, das Boot ist nicht mehr ausbalanciert, hat mächtig Schieflage. Mir läuft die Zeit davon! Ich muss den Kurs prüfen!

Und da! Wieder! Dutzende Tonnen schieben sich plötzlich aus dem Wasser. Nicht in den Himmel, nein, vielleicht 15 Meter hoch. Es erscheint nicht wirklich wie der Start einer Rakete. Und doch: Es ist einfach eine Sternstunde! Ein Buckelwal springt zum 60sten Male aus dem Wasser, den weißen Bauch voran in meine Richtung. Er dreht sich in der Luft um 180° um seine Körperachse, die Finnen angewinkelt, und schlägt mit so einer Brachialgewalt mit dem Rücken auf das Wasser, dass ein 288 Meter langer Tanker auf Kollisionskurs nur noch belanglos erscheint.

Seit dreißig Minuten verliere ich mich in diesem Schauspiel. Bin bis in die Herzkranzgefäße von dieser Schönheit infiziert. Ich zähle die Sekunden. 28,29, 30 … und da, wieder steigt er aus den Fluten. Ich lache. Ein Gedanke drängt sich, am Kloss im Hals vorbei, aus dem Zwerchfell in den Kopf: Er fliegt nicht so filigran wie die Fliegenden Fische die ich jeden Tag sehe, aber ich glaube ich hätte ein größeres Problem, wo ich jeden Morgen Buckelwale auf meinem Deck aufsammeln müsste. Und ich schreie wieder: JUMP! JUMP! Ich weiß das ist albern, bin mir längst sicher dass er mich wahrgenommen hat. Mich und mein Boot. Er umrundet mich, ganz bewusst. Genug Abstand für uns beide. Das ist meine Show!

Der Wal taucht ein letztes mal auf. Bläst zwei Fontänen und verschwindet. Mein AIS Kollisionsalarm löst aus und drängt mich zum Handeln. Die Sicherheitsdistanz zum Tanker wurde unterschritten. Offensichtlich nicht nur für mich. Ich sehe den Wal nicht wieder. Ich zweifle nicht daran, dass es der Lärm der gewaltigen Schiffmotoren und Schrauben war, der diesen Tanz beendete.

Ich liege nun, Stunden später, in meinem Schlafsack. Schaue mir die Videos an, lade die Bilder für euch hoch und schreibe. Seltsam. Wenn ich so darüber nachdenke. Wie symbolgewaltig dieser Tag heute war. Jeder der daran teilhaben könnte, würde verstehen warum ich hier gegen den Unterwasserlärm rudere. Aber wie viele Buckelwale und Öltanker sehen wir schon auf dem Weg ins Büro jeden Morgen?!

Ich hoffe der Wal ist wohlauf. Wurde nicht wie die vielen Wale im Mittelmehr von Schiffsschrauben zerhackt. Das ist leider die Realität, ein großes Problem und kein Ausnahmefall. Sicher, die Tanker sind nicht das einzige Problem. Aber ein Problem das wir lösen können. Das Pelagos Institut errichtet zum Beispiel ein passives Ortungssystem für Wale im Mittelmeer, dass Schiffen die Position der Tiere übermittelt und entsprechend zum Ausweichen zwingt. Ein Projekt von vielen. Unterstützt die Arbeit von OceanCare, informiert euch. Ihr müsst nicht über einen Ozean rudern um etwas zu ändern!

Anderes: Heute morgen wurde ich um 3:00 Uhr UTC von meinem ersten Hochseegewitter überrascht. Ich öffnete die Augen – irgendwas stimmt nicht dachte ich noch. Stille. Absolute Stille. Das Boot bewegte sich kaum. Das gibt es selten. Ich öffnete die Luke. Der Mond stand senkrecht über mir, es war taghell. Absolut friedliche See, keine Lüftchen wehte. Geisterstunde! Ich stieg aus und bemerkte dicke Wolken am Horizont. Ahnte was das bedeutet. Die Ruhe vor dem Sturm! Und schon blitze es. Die Wolken strahlten wie Glühbirnen. Faszinierend und beängstigend zugleich. Ich überprüfte das Boot, laschte alles fest und bereitet mich auf eine ungemütliche Rest-Nacht vor. Ein unglaublich heftiges Gewitter entlud sich. Nie habe ich so etwas gigantisches an Land gesehen. Und so schnell es kam, so schnell war es vorüber. Es blieb einzig der Südostwind. Südost! HALLO! Das ist die falsche Richtung! Nun ja, damit darf ich mich jetzt ganz aktuell auseinandersetzen. Versuche alles um nicht wieder nach Norden abzudriften. Rudere Zickzack. Komme schlecht voran.

Es war jedenfalls die erste Nacht seit einer Woche, in der keine Fliegenden Fische an Deck landeten. Was ein Drama! Ich zähle inzwischen mehr als 40 Stück, die sich irgendwo verfangen haben, oder irgendwie gegen die Decksaufbauten geknallt sind. Horrorbilder! Jeden Morgen muss ich mich überwinden die Luke zu öffnen. Schon ahnend, was mich wieder für ein Schlachthof auf dem Deck erwartet. Es ist ein wunderschönes Schauspiel den Fischen beim Fliegen zuzusehen. Sogar ganze Schwärme, hunderte von ihnen, schwirren regelmäßig mit Höchstgeschwindigkeit funkelnd am Heck oder Bug vorbei. Aber wo sie meinen Kopf nur um Zentimeter verfehlen, oder mich sogar am Körper treffen oder komplett am Boot zerschmettern: Mein Gott!

Habe nun den zweiten Hai gesichtet. Gestern Abend war der Seegang fast perfekt zum Rumpfschrubben – es wäre jedenfalls ein Versuch wert gewesen mit dem Fallschirmanker am Bug. Nur sehr selten rollten mehr als 1 Meter hohe Wellen heran. Das gab es seit Wochen nicht mehr! Aber eine innere Stimme ermahnte mich, dass es in der Dämmerung die meisten Haiangriffe gibt. Ja, ich hatte Schiss! Weiß nicht ob ich schon wieder einen Hai als Begleiter habe. Haha. Lacht nur! Jetzt habe ich wieder zu heftige Wellen. Mist!

Endlich sind die Doraden angekommen. Habe lange darauf warten müssen. Erst erschien Spotty, mein erster Pilotfisch. Einsam muss es da unten gewesen sein. Und langweilig, denn immer versuchte er meine Kamera zu necken. Gestern dann wurde ich im Rudersitz von einen blauen Schimmer im Meer überrascht. Strahlend blau, gelbe Flossen: Doraden! Endlich. Sind immer ein gutes Omen und eine gute Unterhaltung. Plötzlich sind auch Gelbflossen-Thunfische da und Makrelen. Scheint ich habe endlich wärmere Strömungen erreicht. Und ja! – Mein Vogel, meine Sturmschwalbe, ist immer noch da. Besucht mich jeden Morgen und jeden Abend. Habe also reichlich Gesellschaft.

Kategorie: Row for Silence
04.01.2012

So, noch gut 12 Seemeilen, dann wäre die Hälfte der Strecke geschafft. Gegen 19:00 UTC erreiche ich heute am Abend voraussichtlich den Punkt mit exakt der gleichen direkten Distanz auf der Seekarte nach Portimao, Portugal (Start) und Port St. Charles, Barbados (Ziel). Mit anderen Worten: nun gibt es kein Zurück mehr! Haha. Nein, aber praktisch sind das fast 1700 Seemeilen (3150km), die ich in 42,5 Tagen erledigt habe. Genau genommen sind es natürlich viel mehr, da nur an wenigen Punkten pro Tage die Position zur Webseite übermittelt wird. Wenn ihr sehen könntet was für kleine Schleifen ich manchmal rudere, ihr würde Popcorn und Pizza bestellen und die Augen nie mehr von der Trackingseite abwenden können. Das kann ich aber natürlich nicht zulassen.

Es geht mir gut, auch wenn ich mächtig unter den fliegenden Fischen leide. In der Regel liegen sie am Morgen im Boot. Manchmal schlagen sie aber auch am Tag ein während ich rudere. Und manchmal, ja, manchmal sogar treffen sie mich, wenn ich im Scheinwerferspotlicht mein Equipment repariere. Nein, nicht lustig. Ich habe wirklich vor Schreck geschrien. Man rechnet ja mit allem, nicht aber dass man von einem 20cm großen Fisch getroffen wird. Heute morgen sah ich einen Schwarm, fliegend, ca. 100 Tiere und mehr Wow! Wunderschön, solange sie nicht aufs Deck einschlagen. Zauberhafte Fische dabei, in einem strahlenden Blau etwa. Aber die meisten sind Grau bis Silber. Apropos Fische: Habe einen neuen Begleiter (Foto!). Es sollte ein Pilotfisch sein, denn ich Fleckchen, Spotty genannt habe. Seit nun 3 Tagen Boot.

Auch wenn der Makohai vermutlich verschwunden ist, kann ich nach wie vor nicht ins Wasser. Zuviel Wind, zu hohe Wellen. Ich kann mich einfach nicht am Boot halten, oder bekomme den Rumpf auf den Kopf. Sehr gefährlich. Nur leider ist mein Rumpf total zugewachsen mit Muscheln und Krebsen. Ich werde langsamer und langsamer, das Rudern wird zur Qual. Dabei wäre es so einfach: Abtauchen und Putzen. Geht aber nicht. Jetzt brauche ich viel Geduld.

Aber langweilig wird mir so schnell auch wieder nicht. Meine neue, unkaputtbare, strahlende gelbe, teure, superdupermega Elektro-Bilgepumpe … ist kaputt. Hat aufgegeben. Na super! Jetzt kann ich das Boot von Hand auspumpen. Wie toll ist das denn bitte?

Seit längerer Zeit mal wieder ein Frachtschiff erblickt. Die Nisshin Trader mit 288 Metern. Hat mich heute Morgen am Horizont begrüsst. Ca 1,8sm vorm Bug. Das erste Zeichen von Zivilisation in diesem, noch jungen Jahr. Bin also also nicht der letzte Mensch auf Erden.

Jetzt muss ich wieder raus. In der Kabine sind 35°C, ich koche. Der Wind ist seit einer Stunde runter auf 15kn. Also deutlich angenehmer zu rudern. Muss nur sehr mit der Sonne aufpassen, man spürt die Strahlung im Wind kaum. Kopfschutz ist oberste Pflicht.

Kategorie: Row for Silence
01.01.2012

Nur noch etwa drei Tage, und ich habe exakt die gleiche direkte Distanz von meiner gegenwärtigen Position zum Start-, wie auch zum Zielpunkt. Halbzeit also. Das wird jetzt etwas verwirren, wo ihr auf die Karte schaut. Ich weiss. Es gibt da noch eine Information die fehlt: Bereits im Oktober entschied ich unter logistischem Zwang (Kosten!), den Zielhafen zu ändern. Ich informierte daher die offiziellen Stellen darüber, dass ich nun beabsichtige nach Barbados zu rudern, Port. St. Charles. Ich bat auch darum diese Information vorerst diskret zu behandeln, um so kurz vor Abfahrt nicht noch unnötig Verwirrung zu stiften. Ich meinte, die neue, deutlich längere und anspruchsvollere Route von Portugal anstatt von den Kanarischen Inseln, sorgte bereits für Verwirrung genug. Da sich an der Gesamtstrecke kaum etwas ändert, die Herausforderung die gleiche bleibt, entschied ich mich die Info vorerst zurückzuhalten. Nun ist also der Zeitpunkt gekommen euch zu informieren. Ich steuere also die schöne Insel Barbados an, sicher auch ganz nett *g

In den letzten Nächten sind einige Boote vor mir gekentert und haben sich von Frachtschiffen abbergen lassen müssen. Die Wetterbedinungen sind also wirklich nicht die Besten. Geht also nicht nur mir so. Mein Boot ist aber definitiv nicht am Limit, was mir ein super gutes Gefühl gibt. Sehr unbeständiger Wind im Moment. Alles von 5 bis 25kn. Entsprechende See. Angenehm bis ziemlich rau. Wobei selbst bei schönstem Wetter plötzlich eine einzige große Welle hier und da auftaucht, und an Backbord heftig einschlägt. Also nur keine Minute in Sicherheit wiegen!

Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht! Die Anzahl der fliegenden Fische an Deck ist nun schon auf drei gestiegen. Bei einem Freibord von nur 0 bis 30cm, kein Hindernis. Ich glaube die können bis zu 5 Meter hoch fliegen. Ich muss dringend mal das Deck aufräumen und in allen Ecken suchen.

Kategorie: Row for Silence
31.12.2011

Pferden kann man offensichtlich problemlos beibringen, sich auf Kommando auf eine Seite fallen zu lassen. Nur auf eine einzige Seite allerdings. Ist das Pferd erst einmal ein linksfallendes Tier, so ist dies auch nicht mehr zu ändern – worin im Übrigen auch der Grund zu suchen ist, weshalb für Filme mit epischen Reiterschlachten, immer die gleiche Anzahl links- wie rechtsfallende Tiere gecastet werden. Sagt man. Bei meinem Ruderboot funktioniert dies jedenfalls leider nicht, es “fällt” und halst immer auf die andere, die falsche Seite … ganz gleich welche das ist, ganz gleich was ich anstelle.

Die Herausforderung bei starkem Wind (aktuell Böen bis Windstärke 8, im Schnitt 6 Meter Wellen und auch noch hochchaotische, opulente Kreuzsee) besteht darin, den Winkel zum Wind so klein zu halten, dass das Boot in keinem Falle quer in den Wellen zum liegen kommt und kentert. Das Dilemma: Meilenrausch! Ein etwas größerer Winkel bringt das Boot zügiger voran. Schwieriger Spagat und Eiertanz. Wo ich nicht mehr rudere, bleibt mir nur das Steuerruder, Treibanker und die Gewichtstrimmung übrig, um diesen Winkel festzulegen.

Ich bevorzuge 30° bis riskante 45° Grad zum Wind, dieser an Backbord (also Links!). Da die Wellen aber nicht einer Parade folgen, läuft im Moment alles etwas aus dem Ruder. Wenn nicht achtsam genug, liegt schnell mal das Boot quer. Und die nächste Welle nutzt glatt die Chance: Einschlag, volle Breitseite! Wie das ausschaut seht ihr ja auf den neuen Fotos. Das Deck, die Bilge läuft voll. Hunderte von Litern an Wasser, die nur zum Teil wieder sofort herausschwappen wo dass Boot nun komplett auf der Seite (und darüber) liegt und wieder hochkatapultiert wird. Pumpen also, und warten das das Deck freiläuft. Sofern man sich vom Freiflug in der Kabine wieder erholt hat. Wenn ich ganz viel Glück habe, halst das Boot auch noch komplett dabei, liegt also mit der anderen Seite am Wind. Das zu korrigieren, ganz toll!

Es bleiben meist 10 bis 20 Sekunden bis der nächste höhere Schaumkam angerollt kommt. Licht an, Luke auf, Pumpe an. Luke zu. EINSCHLAG! Luke auf, Leine anlegen, raus auf Deck. Luke zu. EINSCHLAG! In die noch vollen Bilge kriechen, Steuerleinen fieren, halsen, Regen und Gischt aus dem Gesicht wischen und das Ruder neu trimmen. EINSCHLAG!EINSCHLAG!EINSCHLAG!EINSCHLAG! … Luke auf, ableinen, reinspringen. Luke zu. Abtropfen. FREIFLUG!

So, oder so ähnlich. Und trotzdem, NEIN! Ich werfe keinen großen Treibanker. Pustekuchen. Kämpfe um jeden Meter.

Ich muss mindestens nachts alle 60 Minuten raus um das Ruder zu verstellen. Mindestens. Werde aber auch in den kurzen Ruhepausen noch ständig vom Seeschlag hochgerissen. Kopf am Heck – Einschlag meist am Heck. Beides Zusammen = Kopfschmerzen. Ich bin mit Beinen, Knien, Armen, Ellenbogen irgendwie zwischen den Netzen, Kissen und Seesäcken festgeklemmt, versuche halbwegs Schlaf zu finden auf der Achterbahn. Nach über vier Wochen sehen meine Knie und Ellenbogen entsprechend aus.

Das absolute Highlight nachts ist aber ein ganz anderes: Die Toilette Der Eimer an Deck. Draußen. Und meine Nieren arbeiten bei dem ganzen Eiweiss in der Nahrung, bei den Unmengen an Wasser die ich trinke auf Hochtouren. Einfach traumhaft. Bei 6 Meter hoher See – man ahnt nur so ungefähr was da auf einen vom Horizont her zurauscht und zurollt. Das Boot rollt ebenfalls und stampft. Mit der Eimershow bekäme ich eine Clownsnummer beim Cirque du Soleil. Zweifellos. Aber wartet erst bis ihr seht wie ich im Moment wieder diesen Blogeintrag hier tippe *g

Ja, also, alles wie bisher. Keine wirklichen Probleme. Das Boot ist längst nicht am Limit, wartet nach wie vor auf die komplette Kenternummer. Fast hatten wirs ja schon ein paarmal. Ich verzichte gern. Auch ich bin fit und frohen Mutes. Jede Kleinigkeit wird aktuell zur Sensation und ultimativen Herausforderung. Aber um so größer ist der Stolz, wo am Ende man für weitere Minuten auf den Schlafsack fallen darf.

So, genug für heute. Wirklich nicht so einfach zu schreiben im Moment. Ich wünsche euch nun frohes neues Jahr! Macht was draus! Geht mal rudern … toller Sport :-)

Kategorie: Row for Silence
23.12.2011

Der Ozean vom Schnee bedeckt, die Weihnachtskerzen angesteckt. Die Plätzchen längst im Ofenrohr – bereite nun den Möwenbraten vor … Viele Grüße wieder mal von der schwimmenden Weihnachtsinsel Bifröst. Hoffe ihr bleibt in den kommenden Tagen bei Sinnen und verbringt die Zeit mit den Menschen, die euch wirklich am Herzen liegen. Ich wünsche euch und euren Familien ein frohes Fest! So, und jetzt schliessen wir noch alle gemeinsam die Augen und wünschen uns Wind aus Nordost. Ok? Nordost! Los gehts! …

Sehr schön. Sollte ich den jetzt nicht bekommen, müsst ihr auch eure Geschenke wieder zurückgeben … da kenne ich nichts und den Weihnachtsmann persönlich! Ok, haben wir das auch durch. Jetzt kann das neue Jahr kommen.

Danke für die vielen Emails, die über das Formular auf der Positionsseite geschickt wurden. Danke für die lieben Wünsche und Gedanken. Keine Sorge: ich bin nicht allein! Seit zwei Tagen besucht mich ein Makohai nachts und schleift mein Antifouling am Rumpf ab. Mal schauen, vielleicht kommt er ja morgen zum Fest auch wieder. Dann lade ich ihn ein auf einen Snack. Vielleicht mag er ja auch die Outdoorfoodshop Pasta Bolognese oder die Schinkenwurst vom Wasgau. Teile gern!

Die Kabine ist nach wie vor nicht wirklich trocken. Kann bei dem Seegang einfach nicht länger durchlüften. Entsprechend verrichten Duftbäume nun ihr Werk. Bringt aber nicht wirklich viel. Es stinkt! Alles andere wäre eine Lüge und animiert nur Kinder zum Nachmachen. Hier müsste alles mal raus an Deck für ein paar Stunden. Aber bei 20 Knoten Wind wird das nach wie vor nichts. Nein, das ist kein Beauty-Urlaub hier … und wenn, würde ich sofort das Hotel wechseln.

Aber ein Ruderboot ist ein Ruderboot … ist ein Ruderboot. Und mal zwei Wochen nicht die Haare waschen zu können ist auch irgendwo eine Art neue Erfahrung *lacht*. Alles egal hier. Und die Haie mögen mich sicher auch ohne Schminke und mit grauen Haaren.

Also, wie fühle ich mich nach einem Monat völlig allein auf See? Hmmm … schwierig zu beanworten. Es ist extrem ernüchternd, die Anstrengung, die endlosen Tage vor und hinter mir. Und trotzdem, es ist das Beste was ich jetzt erleben könnte. Viele Menschen in ähnlichen Situationen schrieben oft: “Egal wer ich bisher war, nach diesem Erlebnis bin ich ein anderen Mensch”. Nun ja, weiß nicht. Will ja gar kein anderen Mensch werden – von daher sind meine Erwartungen vielleicht andere. Ich verändere mich, nehme mich mehr wahr. Nehme überhaupt mehr wahr. Reinige meinen Kopf vom Müll, schärfe meine Träume und finde Fragen. Ja, Fragen. Eigentlich erwartete ich viele Antworten hier zu finden. Aber es ist vielmehr so, als ob die alten Fragen dazu plötzlich völlig belanglos geworden sind, und die Beschäftigung mit ihnen als Verschwendung des kostenbaren Momentes erscheint. Es sind neue, unerwartete Fragen die die Wellen da an mich herantragen. Keine unsinnigen Sinnfragen oder so. Brüte auch nicht über Schopenhauers Solipsismus oder suche meine Position und meinen Weg in der Unschärfe des so Seins. Nein, ganz konkrete Fragen. Und ich meine auch das viele dieser Fragen eher eine Suchaktion für den Rest meines Lebens triggern, als dass sich hier mal ebenso schnell konkrete Antworten darauf finden ließen. Also, ich bin nach wie vor der selbe Mensch der in Portugal in dieses Ruderboot gestiegen ist – nur stelle ich nun andere Fragen.

War es das wert?

Ich glaube ich hätte eine längere Zeit damit verschwendet Antworten auf unsinnige Fragen zu suchen, als mich mal ein paar Monate auszuklinken und über einen Ozean zu rudern. Und überhaupt: Ich habe noch so viele Tage vor mir. Wer weiß was ich noch finde. Womöglich sehe ich in zwei Monaten alles ganzzzz anders. Es ist kein Spaß. Es ist anstrengend, taff. Und mein Gott, klar habe ich ab und zu eine diffuse Angst im Magen die ich nicht aufkommen lassen darf. Es schläft sich halt schlecht 20cm neben einem kleinen 2 Meter Hai, oder neben einem piepsenden Radaralarm ohne Sicht auf andere Boote. Es ist ein eindringlicher Moment einem dicken Klotz Treibholz hinterherzustarren und sich zu erinnern, dass ganze Frachtcontainer hier herumtreiben könnten … so Sachen eben, die aufkommen wenn Phantasie zuviel Raum bekommt. Und es gibt eben auch traumhafte Momente hier, unvergessliche … aber ich glaube am Ende ist es dieser diffuse Alltag dazwischen, der dieses Abenteuer so besonders macht.

Maurice und Maralyn Baily treiben als Schiffbrüchige auf einem Floß 117 Tage auf dem Pazifik. 117 Tage, Kampf ums Überleben. Kaum Wasser, Nahrung, Haie, Stürme … Als am 117ten Tag Maralyn ein Schiff erblickt, aufsteht und ihm wie verrückt zuwinkt, sagt Maurice: “Es soll wegbleiben [...] das ist jetzt unsere Welt, das Meer, die Vögel, die Fische, die Schildkröten”

Wow, einfach nur wow! Das habe ich heute gelesen. Also, noch 87 Tage und ich bin genausolange auf See :-) Packen wir’s an!

Anderes: Bei dem Vogel der mich täglich besucht handelt es sich um eine Sturmschwalbe und nicht um einen Sturmtaucher. (Storm Petrel). Das der Vollständigkeit halber. UND: Bitte nicht verzagen wenn in Facebook keine Freundesrequests beantwortet werden können. Alle meine Einträge sind öffentlich und können folglich auch aboniert werden. Ergänzungen und weitere Infos gibt es bei OceanCare.org bzw. OceanCare via Facebook.

Kategorie: Row for Silence
18.12.2011

Nach wie vor habe ich keine Lust zu bloggen. So! Nun ist es raus. Und ich habe gute Gründe: Nachdem ich fast durchgekentert bin, sind mir mehr als 10 Liter durch die offenen Lüftungseinlässe in die Kabine geflutet. Es war halt heiß! Jedenfalls war ich dann mal ganz schnell wach. Nochmals 5 Liter habe ich später in der Innenluke gefunden. Traumhaft. Toll. Phantastisch. Besser geht nicht. Verteilt sich dann natürlich sofort in der ganzen Kabine. Schwappt von Ecke zu Ecke unter die Isolierung, die Klamotten … Und bei 5 bis 6 Meter Wellen ist es auch unmöglich den Kram irgendwie schnell zu trocknen und zum Aufwischen irgendwo an Deck abzustellen. Wäre ja viel zu einfach. Bin aber auch selbst schuld.

15 Liter also … nach einer klaustrophobischen Schätzung hat meine Schlafkabine wahrscheinlich gerade mal 20 Liter Rauminhalt. Haha. Ich genieße es! Alles nass, draußen 20kn bis 25kn Wind, innen (Lüfter nun zu!) fast 30 Grad und nachts wieder alle 4 Stunden Sauerstoffmangel. Ich schwitze, alles läuft an. Klamotten, Bücher, alles nass. Meine nicht wasserdichten elektronischen Hightech Spielzeuge steigen der Reihe nach aus. Alles was nicht in Aquapacs gepackt war – erkläre ich hiermit zum rostenden Feuchtbiotop. Könnte also nicht besser gelaunt sein. Wenigstens mal ein Kompliment an Lestra: Ich weiß nicht aus welchem Feengarn ihr den Schlafsack gewebt habt, aber der sieht aus wie neu und trocknet noch meine Tränen im Schlaf.

Row for Silence. Seit Tagen jage ich zudem noch einem Geräusch hinterher. Gewehrschüsse, Kanonenschüsse .. so laut. Nachts werde ich aus dem Schlaf gerissen. Aber nur in der Kabine. Draußen an Deck pfeift einzig der Wind. Ich war so weit, dass ich annahm das Boot erzeugt beim Rollen Kavitationsblasen oder so. Oder erwartete nach dem Unfall mit dem Treibnetz und der Beinahekollision einen Schaden am Unterwasserschiff. Aber Schwimmen und Tauchen ist ja nicht so dolle im Moment. Doch scheinbar ist das Ganze ohnehin viel komplizierter. Offensichtlich verstärkt die starke Luftströmung unter den abgesetzten Solarzellen die Geräusche die direkt am Rumpf erzeugt werden im Innenraum darunter. Irgendwann werde ich mir das mathematisch mal von einem Physiker oder Nervenarzt beschreiben lassen. Die Halteleinen schlagen gegen den Rumpf, das Ruder klopft .. alles im Rahmen. Doch unter den Solarzellen, wo der Wind über dem runden Kabinendach entlangsaußt, da wo ich schlafen will, da ist Krieg! Lösung? Ich schlafe mit dem Kopf zum Ruder. Oh jaaaa! Das macht Laune, wo das Heck aus Sicherheitsgründen im Moment wegen der Windperformance hinten abgesenkt werden musste. Sonst liege ich quer in den Wellen und rolle nach Barbados. Kopf nach unten also. Bei der Beschleunigung auf den Wellen kommt das doppelt gut. Die Halswirbelsäule wird dauernd eingestaucht, der Magen legt den Rückwärtsgang ein, die Beine in Schocklage. Aber immer noch besser als Krieg!

Ihr seht, es geht mir prächtig! Oder bevor mein Schmökerfont hier wieder Prinzessinengeschichten in eure Augen zaubert: JA! Ich bin absolut, ganz unbedingt, überundendlich und endmassiv A-N-G-E-P-I-S-S-T!

So, nun ist es raus. Habe ja sonst niemanden hier bei dem ich mich beklagen kann. Keine Ahnung wie man so blöd sein kann über einen Ozean zu rudern … aber würde es wieder tun, genau so! Ohne mit der nassen Wimper zu zucken.

Gut, also … weiter wie bis her. An die Ruder Janice! Wird auch wieder besser Wetter … irgendwann … munkelt man.

Kategorie: Row for Silence
13.12.2011

Gestern Nacht habe ich was durch! Ich wollte euch eigentlich etwas ganz anderes schreiben, aber eine Beinahekollision mit einen Schiff in der verregneten Nacht erschien mir dann doch einen Tick spannender als Blogeintrag. Die Meldung auf Facebook kam ja bereits in Echtzeit, wie auch das Fotomaterial noch letzte Nacht von mir hochgeladen wurde. Also was war nun genau passiert?

Vom Regen durchnässt machte ich daran das Boot zum Mondaufgang zu sichern, als ich am Horizont ein blinkendes Licht erblickte. Rot und Weiß. Ok, das irritierte mich dann erstmal, da ich kein einziges Schiff auf dem AIS hatte, und sich auch keine Leuchttürme mit relevanter Tragweite auf den Inseln befanden. Hmmm. Seltsam. Vielleicht doch ein Stern? Ich meine ist nicht so, dass Sterne und Mond hier nicht doch ab und an für Spannung sorgen. Aber definitiv: Rot und Weiß. Kein Stern. Und es wurde zweifelsfrei heller, bewegte sich in meine Richtung … oder ich mich in seine. Okay. Und siehe da, plötzlich tauchten weitere Lichter auf. Der ganze Horizont füllte sich vor mir. Steuerbord und Backbord. Teilweise querab. Ach Du Sch*****!!! Was um Himmels Willen??? Ein Licht war besonders auffällig, oder sagen wir: Es schienen zwei oder drei Lichter an einem Punkt zu sein, die Lichtsignale gaben. Ohne Sinn. Und dieser Lichtpunkt kam besonders schnell auf mich zu. Was tun? Ich ahnte es müssen Bojen sein, möglicherweise Treibnetze und ein Trawler. Aber AIS: Fehlanzeige. Funkgerät, Schiff gerufen: Fehlanzeige. Allgemeiner Sicherheitsanruf: ebenfalls Fehlanzeige. Radar Zielverstärker an, Alle Lichter gezeigt. Nix. Mist! Und nun?

Ich drehte ab und ruderte auf die Mitte zwischen zwei Bojen zu, wo ein etwaiges Netz am tiefsten unter der Wasserlinie treiben dürfte. Drehte ab nach Lee. Doch das helle weiße Licht kam näher und näher. Direkt in meine Richtung. Und plötzlich erkannte ich, dass es sich um Suchscheinwerfer handelt. Toplichter oder gar Positionslichter waren weiterhin nicht zu erkennen. Die Lichter drehten um ca. 90 grad, was für reichlich Verwirrung bei dem Seegang sorgte. Zumal ich den Kurs des Bootes nur schätzen konnte, selbst wie eine Eierschale in den Wellen wippte. Ohne Positionslichter konnte ich sowieso nicht urteilen. Wie Ihr auf den Bildern erkennt, steuerte das Boot weiterhin frontal auf mich zu, wo ich die Spotlights am Bug erwartete. Ich sprang eigentlich ständig hin und her. Zwischen Rudersitz und Funkgerät: Hoffnungslos. Der Radaralarm begann plötzlich zu schreien.

Kollisionsvermeidung hatte jetzt oberste Priorität, ich konnte mich nicht mehr um die Netze kümmern. Aufstoppen über den Sturmanker erschien mir noch gefährlicher in diesem Moment, wo ich den Kurs nicht bestimmen konnte. Ich griff zu den weißen Fallschirmraketen und feuerte die erste ab. Langsam senkte sich die Lichtkugel und beleuchtet den Ozean. Mein Kompass schlug plötzlich um. Mein Kurs änderte abrupt von 210° auf 300 bis 360°. Ich verstand gar nichts mehr. Was zur Hölle passiert hier? Da mein Boot abdrehte, war nur schwer zu erkennen ob das Schiff vor mir nun den Kurs ändern würde. Ich versuchte das Ruder zu stabilisieren, als ich die zerrissene 6mm Steuerleine in der Hand hielt. Na super! Scheinbar bin ich denen mit meinem Ruder ins Netz gegangen und habe mir die Steuerleinen abgerissen. Ich war geblendet von den Lichtern, ab weiterhin hielt das Boot voll auf mich zu. Ich zündete eine zweite Rakete und den Laser. Wieder nichts. Das müssen die gesehen haben. Das waren höchsten noch 400 Meter. Doch nichts. Ich schrie ins Funkgerät … 100 Meter vorm erwarteten Aufprall zündete ich die Handfackel und schrie mit schlotternden Knien, winkte ab und filmte sogar noch :-). 50 Meter, höchstens! (siehe Foto) die Motoren heulten auf, das Wasser am Heck spritze, das Schiff drehte nach Backbord ab. Ich sah in die Gesichter der Fischer und zeigte den Vogel. Ich roch die Maschine. Schrie nach wie vor: “Turn on your VHF, Radio, 16, Can not manouver”. Nix. Ich eilte zum Rudersitz, versuchte so schnell wie möglich von dem Netz wegzukommen. Der Trawler drehte bei und näherte sich auf 20m Steuerbord. Es sei angemerkt, bei Seegang und nicht im Hallenbad. Die Männer schrieen mir in Spanish etwas herüber. Ich verstand nichts. Winkte mit dem Funkgerät, schrie weiterhin “VHF, RADIO, 16″. Hatte das kleine Handfunkgerät inzwischen als Verstärkung an Deck. Nichts. Die Männer gestikulierten, ich quittierte irgendwann mit einem “Idiots!” – worauf ich ein “Ju ar welcum” zu hören meinte. Doch ein Ansatz von English???

Ich ignorierte das Gelaber irgendwann, mir wurde der Abstand deutlich zu gefährlich. Ich drehte ab. Konnte wieder steuern, nachdem ich die Fusssteuerleine aufs Handsteuer umgelegt hatte. Meine Güte. Ich war fertig. Ich konnte das nicht fassen. Was für Idioten. Kein AIS, kein Funkgerät, keine ausreichende Beleuchtung, ignorieren Signalraketen, sprechen kein Englisch … inmitten von Treibnetzen, Offshore.

Ist mir egal wenn jetzt wieder die Klugscheisser kommen und mir sagen, dass ich leichtsinnig wäre mit so einem Boot über den Teich zu rudern. Aber zumindest bin ich nach Vorschrift beleuchtet und ausgerüstet. Habe bisher immer sicher steuern können und nie andere Schiffe in Gefahr gebracht. Wenn aber ein Boot permanent auf dich draufhält, nicht kommunizieren kann, ja, dann werden sogar Klugscheisser irgendwann ganz weiß im Gesicht. Jede Wette. Dann ist Klugscheisserrat teuer. Die weißen Signalrakten waren unmissverständlich, wurden entweder ignoriert oder einfach nicht gesehen. Auf so kurzer Distanz! Entweder der Kapitän war mit beim Bojenausbringen, und hatte unter den Spotlichtern mein Boot einfach nicht erkannt ODER, das kam mir heute Morgen beim Sichten der Videos in den Sinn: Die haben sehr wohl die Signale erkannt, erstmal stillgehalten oder sogar ganz bewusst drauf zu gehalten. “Schaun wir doch mal was für ein komischer Kutter in unseren Netzen schippert und Raketen abschiesst”. Aber das werden wir wohl nie erfahren.

Das war fahrlässig, dass nehme ich nicht auf meine Kappe. Ein einfaches Gespräch über Funk hätte die Situation aufgeklärt, AIS hatte zumindest beim Steuern helfen können. Die Netz waren nicht das Problem – wohl aber eine Trawler auf Kollisionskurs inmitten von Netzen. AIS und Funk, Beides ist Vorschrift, weltweit. Wo ich schon weiße Raketen abschiessen muss, dann sollte klar sein dass ich nicht mehr ausweichen kann oder Abstand benötige. Das ist absolut unmissverständlich.

Etwa eine Stunde später tauchte der Trawler wieder auf, wieder meine Richtung. Ich erstattete Meldung, und mir war die Situation so riskant, dass ich mich im Dunkeln davonschlich. Womöglich hatten sie inzwischen bemerkt, dass ich Ihr Netz erwischt habe. Der Radaralarm begleitete mich bis heute morgen um 8:30. Da ich nicht wusste ob noch mehr von diesen Kuttern unterwegs waren, blieb ich wach. Alle 10 Minuten raus, den Horizont nach Bojen und Trawlern absuchen.

Ja … muss man unbedingt mal erlebt haben. Ganz großes Kino.

Und jetzt die Ironie: Ihr erinnert Euch an meine rote Boje auf den Bildern vor wenigen Tagen? Meinen Mr. Wilson? Ja, die Fischer hatten die gleichen an Bord. Wahrscheinlich haben Sie nur Mr. Wilson zurück fordern wollen. Aber nach Seerecht gehört er mir :-)

Inzwischen habe das Ruder wieder repariert, etwas geschlafen. Meine Hände sind ziemlich im Eimer. Ich war stundenlang durchnässt vom Regen, habe extrem hart gepullt – die aufgeweichte Haut und die Schwielen sind alle aufgerissen. Sehr schick, sehr angenehm. Aber was solls, weiter geht’s.

Kategorie: Row for Silence
11.12.2011

Gestern Morgen hatte ich, als ich im letzten Mondschein mit dem Rudern begann, zum ersten mal das Gefühl wirklich ganz angekommen zu sein. Also so vom Kopf her, meine ich. Soviel ist passiert in den letzten Tagen, doch einige kritische Situationen und zu viele unglaublich schöne Momente = Information Overload. Ein wenig neben mir stand ich, so ein bisschen jedenfalls. Wie in Watte gepackt. Aber gestern Morgen, nachdem dieser ganze erste Schwall an Adrenalin und Endorphine wohl verebbt ist, die Euphorie der Realität gewichen, ja, ich war endlich da wo ich hinwollte. Klar im Kopf, klar in den Träumen, klar mit meiner Umwelt. Ich bin bereit für Rohdaten, ungefiltert, grau nicht rosa – direkt und mit der langen Nadel ins Hirn. Die Träume sind sogar so klar, dass ich manchmal kurz an den Rudern einschlafe, träume, aufwache, und meine ich hätte ganz bewusst gedacht, nicht geträumt. Bewusstseinszustände gleichen sich einem Level, einem Pegel, an so scheint es. Hmmm, kompliziert. Na ja, muss man nicht verstehen. Mehr davon! – dass ist auch alles was ich im Moment davon verstehe!

Aber um mir gleich wieder eins Auszuwischen, um mich wieder aus der Realität ins Phantasie-Wunderland zu schicken, fuhr das Meer gestern noch schwere Geschütze auf! Delfine, was sonst. Zwei Gruppen waren am Boot, und als ich im Wasser plätscherte sind sie mir sogar an die Hand geschwommen. Und mit Delfinen wickelt man mich ja ganz schnell ein. Weiß nicht … fühle mich hier willkommen, nicht fremd. Darf man das sagen ohne verückt zu klingen? Ich meine, ich rede nicht mit dem Meer und den Delfinen .. jedenfalls streite ich das offiziell strikt ab. Es ist einfach … hmm … fühle mich nicht als Fremdkörper. Ja, das trifft es ganz gut. Ich füge mich ein, ordne mich mal freiwillig einem Strom unter. Ich streichle mit meinen beiden Gebetsmühlen, den Rudern, das Meer – schlage nicht wild um mich, bewege mich nahezu lautlos und selbst der Wind hat vorerst gefallen an meiner Route gefunden. So scheint es jedenfalls, wage ich respektvoll mal zu urteilen. Obgleich er heute etwas aus der Puste ist, fast wieder totenstill im Moment. Nur ein wenig schwappt das Meer, blubbert es am Steueruder.

Alles passt. Meine Prioräten ändern sich dramatisch, mein Verstand kann sich wieder länger an einem komplizierten Thema festklammern oder eben auch mal völlig und endlich hier und da loslassen. Bin in der reinsten Form bei mir selbst angekommen. Ich musste mich auch etwas überreden heute zu blogen. Ich geb’s zu. Vielleicht merkt man’s auch – ich gebe mir aber trotzdem Mühe und versuche einfach ungefiltert runterzutippen, schwierig genug. Habe gerade Pause und sitze an Deck und es ist anstrenged den Blick von den Wellen abzuwenden und auf ein Computerdisplay zu starren. Ist nicht so dass ich micht nicht an Wellen sattgesehen hätte irgendwann … es ist … ja, was ist es? Benötige noch ein wenig um zu verstehen was mich hier so fesselt. Vielleicht weiss ich es bis zum nächsten Eintrag?!

Anderes: Heute habe ich einen ganz großen Fang gemacht. Hatte auf dem Meer in etwa 1 Seemeile Entfernung einen roten Punkt gesichtet. Und auch wenn’s die falsche Richtung war: Ich habe mich ins Zeug gelegt und bin hingerudert. Nicht so einfach. Aber hab’s geschafft. Das Foto meines “Fanges” findet Ihr wie immer bei Facebook / Twitter oder auch auf der Positionsseite. Nun denn … ich muss wieder ran.

Kategorie: Angespült
02.12.2011

Der Großformatkalender (68x48 cm) “Abenteuer Ozean, Geheimnisse der Weltmeere” von David Hettich kann man jetzt für 29.90 Euro auf seinen Livevorträgen oder im Onlineshop von Abenteuer Ozean erhalten.

Foto: David Hettich, Quelle: http://www.abenteuer-ozean.de/abenteuer-ozean/kalender-ozean-2012

Aber auch die Meeresschutzorganisation yaqu pacha bringt einen Kalender heraus. Die Fotos sind von Franco Banfi. Der Kalender kann hier bestellt werden. Er kostet 15 Euro, das Geld wird natürlich für den Schutz der Meeressäuger eingesetzt.

Foto: Franco Banfi, Quelle: http://www.yaqupacha.org/foerderung/verkaufsartikel

Kategorie: Angespült
02.12.2011

Seit August 2011 können Taucher in Key West (Florida) unter Wasser eine Kunstausstellung besuchen. “Life below the Surface” ist das neue Projekt vom bekannten Fotografen Andreas Franke.

Die Ausstellung besteht aus 12 Arbeiten in denen alltägliche Szenen unter Wasser abgebildet sind. Angebracht sind die Bilder dort wo sie auch entstanden sind: am Rumpf des Riffs General Hoyt S. Vandenberg. Die Vandenberg liegt 11 km südlich von Key West und liegt 30 Meter unter dem Meeresspiegel.

Eine ungewöhnliche Idee mit spannenden Fotografien. Die Bilder machte Franke auf dem Schiff und fügte digital Menschen hinzu, so dass eine lebendige Unterwasserwelt enstand.

Foto: Andreas Franke, Quelle: www.staudinger-franke.at/vandenberg/view/galery

Bitte drehen Sie das iPad, um silentworld in vollem Umfang zu genießen!